Wirtschaft

ÖBB bieten mehr Bahn und erhöhen die Preise

Mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember baut die Staatsbahn ihr Angebot im Nah- und Fernverkehr weiter aus. Zugtickets werden im Durchschnitt um 1,9 Prozent teurer. Für 18-jährige gibt es eine Gratis-Vorteilscard.

 Die Fahrgastzahlen bei den ÖBB steigen weiter  SN/robert ratzer
Die Fahrgastzahlen bei den ÖBB steigen weiter

Die Investitionen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in das Schienennetz, kurze Intervalle und neues Zugmaterial machen Bahnfahren für viele Menschen attraktiv. Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember wollen die ÖBB das Nahverkehrsangebot um vier Millionen Zugkilometer ausbauen, ein Viertel davon rund um Wien. Noch laufen die Verhandlungen zwischen der Staatsbahn und dem Verkehrsverbund Ostregion - der den Zugsverkehr bestellt und bezahlt. Auch in Salzburg soll das Angebot verbessert werden, hieß es am Mittwoch. Verkehrslandesrat Stefan Schnöll will den sogenannten Verkehrsdienstevertrag mit den ÖBB im November besiegeln, dann soll es Details geben.

Zugleich werden die ÖBB die Ticketpreise im Durchschnitt um 1,9 Prozent anheben. Spüren werden das vor allem Gelegenheitsreisende und Besitzer der Österreichcard, die um drei Prozent in der 2. Klasse bzw. fünf Prozent in der 1. Klasse verteuert wird. Wer eine Verkehrsverbundfahrkarte besitzt - also etwa die Hälfte der ÖBB-Kunden - sei von diesen Preiserhöhungen nicht betroffen, betonte ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä. Auch Vorteilskarten und Sparschienentickets bis 19 Euro blieben unverändert.

Ein besonderes Geschenk gibt es 2020 für Jugendliche, die 18 Jahre alt werden. Sie erhalten quasi zum Geburtstag gratis eine Vorteilskarte für ein Jahr. Bestellen können sie diese bei ÖBB- Schaltern oder -Reisebüros gegen Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises. Er sei gespannt, wieviele von den 90.000 potenziell Betroffenen die Karte abholen, sagte Matthä.

Neue Direkt-Verbindungen im internationalen Fernverkehr gibt es ab nächstem Jahr unter anderem von Wien über Salzburg nach Bozen sowie von Graz über Wien und Krakau nach Przemysl oder von Wien über Debrecen nach Rumänien. Ab Mai wird es zudem eine neue Zugverbindung nach Berlin über Prag und Dresden geben. Im Inlands-Fernverkehr kommen an den Winterwochenenden Verbindungen von Wien nach Bischofshofen dazu und ein später Zug von Salzburg nach Wien.

Deutliche Zuwächse verzeichnet die Staatsbahn derzeit bei ihren Nachtzügen. Seit die ÖBB 2016 die Schlaf- und Liegewagen sowie Strecken der Deutschen Bahn übernommen hat, wird dieses Segment unter dem Titel ÖBB-Nightjet ausgebaut. Und erfreut sich nicht zuletzt befeuert durch die Kritik von Klimaschutz-Aktivisten am Fliegen wachsender Beliebtheit, besonders Strecken wie Wien - Hamburg, München - Rom oder Zürich - Berlin. Kürzlich wurden 13 neue Garnituren bestellt, die ab 2022 fahren.

2018 wurden laut Matthä 1,4 Millionen Fahrgäste in den Nachtzügen befördert. In den ersten acht Monaten gab es ein Plus von elf Prozent, wobei das Wachstum vor allem die Liegewagen (plus 17 Prozent) und die Sitzplätze (plus 12 Prozent) betroffen hat, weil Schlafwagen schon bisher gut gebucht waren. Ab Jänner 2020 wird es zusätzlich zu den 13 Verbindungen (26 hin und retour) einen Nightjet von Wien bzw. Innsbruck nach Brüssel geben (Donnerstag und Sonntag hin), ab Dezember 2020 nach Amsterdam. Mit den Sitzplätzen um 19 Euro "matchen wir uns mit den Billigfluglinien", sagt Matthä.

Brüssel und Amsterdam seien "nicht die letzten Nachtzüge, die die ÖBB anbieten wird", sagt der ÖBB-Chef, ohne weitere mögliche Ziele zu nennen. Die ÖBB haben aber vorige Woche im Amtsblatt der EU Interesse an der "Anmietung von bestehenden Schlaf- und Liegewagen mit Zulassungen" unter anderem in Dänemark, Schweden, Tschechien und Belgien "mit optionaler Instandhaltung durch den Vermieter" bekundet. "Zur Markterkundung", wie es in der Veröffentlichung heißt.

Komfort & Technik

Ab dem zweiten Halbjahr 2020 wird es in den Railjets Absperrmöglichkeiten für Koffer und Reisetasche in den Railjet-Zügen geben. Geplant ist ein modernes System, das Sperren und Entsperren via NFC-Funktion von Bankomat- oder Kreditkarte ermöglicht. Kosten fallen dabei nicht an.

In naher Zukunft sollen ÖBB Kunden vor der Fahrt kein Ticket mehr kaufen müssen. Stattdessen soll ein automatisierte System per Handy-App erkennen, wo jemand in den Zug ein- und aussteigt und entsprechend den Fahrpreis abrechnen, wie heute schon im öffentlichen Verkehr in Vorarlberg. Die Technik kommt von der Schweizer Firma Fairtiq. Im ersten Quartal 2020 ist ein Pilotprojekt mit ausgewählten Kunden und den Verkehrsverbünden geplant.

Statt Kinderkino soll es in den Schnellzügen künftig ganz analoge Spielecken geben.

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