Österreich

Österreich bleibt wichtiger Handelspartner Italiens

Mit dem Einläuten der Ära Renzi vor zwei Jahren versucht Italien, lange Zeit vor sich hergeschobene Probleme in den Griff zu bekommen. Österreichs drittwichtigster Exportmarkt kämpft mit Müllbergen, hoher Jugendarbeitslosigkeit, überbordender Bürokratie und hoher Staatsverschuldung. Die Fluchtbewegungen über das Mittelmeer machen die Situation für Italien nicht einfacher.

Österreich bleibt wichtiger Handelspartner Italiens SN/APA (AFP)/ALBERTO PIZZOLI
Renzi will die Wirtschaft entbürokratisieren.

Wie der kürzlich nach Österreich zurückgekehrte Wirtschaftsdelegierte in Mailand, Michael Berger, bei einem Hintergrundgespräch am Donnerstag in Wien berichtete, sei der Politiker Matteo Renzi angetreten, um verkrustete Strukturen im Land aufzubrechen. Er scheue selbst nicht davor zurück, sich beim "Jobs Act" (Arbeitsrechtreform) mit den Gewerkschaftern der eigenen Partei anzulegen.

Der seit 2014 agierende sozialdemokratische Regierungschef will den Müll seiner Vorgängerregierungen wegräumen. Er muss den Klientelismus, der sich unter Silvio Berlusconi weitläufig ausbreitete, wieder eindämmen. Gleichzeitig muss er brennende Probleme wie die Senkung der Steuerlast für Unternehmer in die Realität umsetzen. Und das bei einem Verschuldungsgrad in Höhe von 113 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Hinzu kommt die anhaltende Flüchtlingskrise, welche die europäischen Küstenländer Italien und Griechenland am stärksten in Mitleidenschaft zieht.

Mittlerweile stünden die Zeichen wieder auf leichten Aufschwung. Die Wirtschaft wächst, wenn auch mit 0,8 Prozent nicht genug. Das Unternehmervertrauen nimmt zu. Mit der Aufweichung des Kündigungsschutzes im Februar 2015 schaffte es die Regierung, die Jugendarbeitslosigkeit von 45 auf 37 Prozent zu verringern. Insgesamt sank die Arbeitslosigkeit von 13 auf 11 Prozent, erläutert der Delegierte.

Österreich hat sich bei seinem südlichen Nachbarn im Bereich Umweltanlagen, erneuerbare Energien sowie Müll- und Abwasserbeseitigung einen Namen gemacht. "Österreich ist der wichtigste Müllverbrenner Italiens", betont Berger. Gerade im Süden Italiens sei das Vertrauen in die eigenen Politiker gering, was dazu führe, dass die Bevölkerung gegen Müllverbrennungsanlagen im eigenen Umkreis aufbegehre. Die Angst, dass Giftmüll ungefiltert in die Luft geblasen werde oder illegale Deponien entstehen, sei groß. Sicherer sei es, Müll im Ausland entsorgen zu lassen.

Österreichs traditionell enge Bande zu Italien haben sich auf starke Wirtschaftskontakte mit Norditalien, und damit auf Südtirol konzentriert, schildert er. Ein Vordringen nach Süden, nach Apulien oder Sizilien sei zwar auf der Agenda österreichischer Firmen, gestalte sich zuweilen schwierig. Noch immer seien es die mafiösen Strukturen im armen Süden, die ausländischen Unternehmen das Leben schwer machten. "Ab Rom ist Kriminalität ein Thema", sagte Berger. Aber auch überbordende Bürokratie könne zum Stolperstein werden. Wenn etwa österreichische Photovoltaiker oder Windenergievertreter für eine kleine Anlage auf Sizilien allein vierzig Bewilligungen bräuchten.

Die Wirtschaftskrise des Jahres 2008 hat das Handelsverhältnis von Österreich und Italien geprägt. Das italienische Wirtschaftswachstum schrumpfte 2009 um fünf Prozent, Lieferungen brachen um ein Viertel ein. In den Jahren 2011 bis 2015 versank Italien tief in der Rezession. Eine Million Arbeitsplätze ging verloren.

Bis heute hat sich die Handelsbilanz zwischen den beiden Staaten Österreich und Italien nicht auf das damalige Niveau eingependelt. Im Jahr 2008 wurden beinahe elf Milliarden Euro an heimischen Exporten ins südliche Nachbarland abgesetzt. Im Jahr 2015 betrugen die Absätze erst wieder 8,26 Mrd. Euro.

Der Stellenwert Italiens für Österreichs Wirtschaft bleibe aber anhaltend hoch. Schließlich sei Italien weiterhin drittwichtigstes Exportziel. Im Vergleich lagen die Ausfuhren im Halbjahr 2016 in die USA (4,38 Mrd. Euro) und nach Italien (4,24 Mrd. Euro) beinahe gleich hoch. Bei den Importen sind die Italiener mit über 4,1 Mrd. Euro ebenfalls stark am heimischen Markt verankert.

Mit dem Faktor Tourismus gewinnt die langjährige Beziehung zusätzlich an Gewicht. Österreich ist ein beliebtes Reiseziel für Italiener. Über eine Million Italiener kommt jährlich in die Alpenrepublik. Die Österreicher wiederum sind seit Jahrzehnten unverbrüchlich auf das Urlaubsland Italien eingeschworen. Eine Änderung ist nicht in Sicht, auch wenn zuweilen die österreichische "Brenner-Politik" zu Unstimmigkeiten führt.

Quelle: APA

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