Wirtschaft

Österreich für Chinesen "am Rande des Radars"

In Österreich gab es im Vorjahr fünf M&A-Transaktionen chinesischer Unternehmen. Gefragt sind spezialisierte Betriebe und führende Technologien. Insgesamt hat der Übernahmehunger in Europa deutlich nachgelassen.

Der Übernahmehunger chinesischer Investoren hat nachgelassen. SN/apa (china magic/landl)
Der Übernahmehunger chinesischer Investoren hat nachgelassen.

Nach dem Rekordjahr 2016 schrumpfte die Zahl der Akquisitionen chinesischer Investoren in Europa um 20 Prozent auf 247, der Gesamtwert der Transaktionen sogar um ein Drittel auf 57,6 Mrd. Dollar (47 Mrd. Euro), errechnete der Berater EY. In Österreich gab es aber einen leichten Anstieg.

Fünf M&A-Transaktionen (Mergers & Acquisitions) tätigten chinesische Unternehmen im Vorjahr hierzulande, 2016 waren es nur drei gewesen. Größter Deal war die Übernahme von Tele 2 durch den Hongkonger Telekomkonzern Hutchison Drei um rund 111 Mill. Dollar.

Für die vier weiteren Geschäfte wurden laut EY keine Zahlen veröffentlicht: Der Mischkonzern HNA übernahm mehrheitlich den Fondsanbieter C-Quadrat, die Haier Group stieg beim Kärntner Solarunternehmen GREENoneTEC ein. In Wiener Neustadt schluckte die Wanfeng Aviation Industry Corporation die Luftfahrtfirma Diamond Aircraft und in Grambach bei Graz übernimmt die PIA Automation Holding (Ningbo Joyson Electronic) den Automationsspezialisten M&R Automation

"Österreich befindet sich nach wie vor nur am Rande des Radars chinesischer Investoren", sagt EY-Expertin Eva-Maria Berchtold. Die einzelnen Transaktionen zeigten jedoch, dass die Chinesen auch hierzulande gezielt nach stark spezialisierten Betrieben und führenden Technologien Ausschau hielten.

China (inklusive Hongkong) ist derzeit der sechstgrößte Investor in Österreich, hinter Deutschland (mit Abstand die Nummer eins), der USA, der Schweiz, Frankreich und Schweden.

Sonst haben Investoren aus China ihre Aktivitäten aber fast überall in Europa zurückgefahren. "Die chinesischen Aufsichtsbehörden haben strengere Kontrollen für Übernahmen im Ausland eingeführt und Auflagen verabschiedet, um den Kapitalfluss ins Ausland zu kontrollieren", so Berchtold. Auch in Europa seien die Regulatoren strenger geworden, woran einige Deals gescheitert seien.

Dennoch erreichte die Zahl der Transaktionen 2017 den zweithöchsten Wert. Größter Deal war der Kauf von Logicor, der europäischen Lagerhaustochter des US-Finanzinvestors Blackstone, durch den chinesischen Staatsfonds China Investment Corporation für 13,7 Mrd. Dollar. Der Einstieg von CEFC China Energy bei der russischen Rosneft für 9,3 Mrd. Dollar belegte Platz zwei, gefolgt von der Übernahme des deutschen Energiedienstleisters ista durch die Cheung Kong Property Holding für 6,7 Mrd. Dollar.

Das Top-Investitionsziel war weiterhin Deutschland mit 54 (68) Unternehmenskäufen bzw. -beteiligungen. Nummer zwei war Großbritannien, wo die Anzahl der Deals etwas weniger stark (von 47 auf 44) gesunken ist, gefolgt von Italien (24 nach 34) und Frankreich (22 nach 34). Was die investierten Summen betrifft, hatte Großbritannien mit fast 18 Mrd. Dollar (2016: 9,6 Mrd.) die Nase vorn. Nach Deutschland flossen 13,7 Mrd. (12,6 Mrd.) Dollar, nach Russland 11,1 Mrd. (1,1 Mrd.) Dollar.

Das Hauptinteresse der Chinesen in Europa galt im Vorjahr Industriefirmen (79, davon 30 deutsche). Auch Technologiefirmen (32) und Finanzunternehmen (29) wurden häufig chinesisch.

Quelle: APA

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