Wirtschaft

Österreichischer Damenmodenhändler Jones insolvent

Am Montag wurde ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung angemeldet, 180 Mitarbeiter wurden vorsorglich zur Kündigung angemeldet. Verbindlichkeiten von 7,5 Millionen Euro, Verhandlungen mit Investoren laufen.

Die österreichische Modekette Jones hat am Montag Insolvenz angemeldet.  SN/jones
Die österreichische Modekette Jones hat am Montag Insolvenz angemeldet.

Der heimische Damenmodenhersteller Jones ist zahlungsunfähig. Am Montag hat das Familienunternehmen mit rund 180 Mitarbeitern und 35 Filialen beim Handelsgericht Wien die Einleitung eines Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung beantragt. Gläubigern bietet das Unternehmen eine Quote von 20 Prozent an, zahlbar innerhalb von zwei Jahren. Aktuell laufen Gespräche mit Investoren. Als Insolvenzverwalterin wurde die Juristin Beate Holper eingesetzt.

Vorsorglich wurden alle Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet, tatsächlich werden zunächst aber durch die Schließung von drei bis vier Filialen lediglich rund 15 bis 20 Personen ihre Arbeitsplatz verlieren.

Laut den Gläubigerschutzverbänden Creditreform und AKV (Alpenländischer Kreditorenverband) dürften sich die Passiva (Schulden) auf rund 7,5 Millionen Euro belaufen, denen Aktiva von zuletzt 3,3 Millionen gegenüberstanden. Von der Insolvenz sind rund 190 Gläubiger betroffen.

Geplant ist die Fortführung des Unternehmens. Jones habe bereits "umfangreiche Sanierungsbemühungen eingeleitet", die Zahl der Mitarbeiter wurde gesenkt, Kollektionen gestrafft, defizitäre Stores geschlossen und die Preise gesenkt. Dieser Sanierungskurs werde im Rahmen des Restrukturierungsverfahrens fortgeführt, parallel dazu laufen Beteiligungsgespräche mit potenziellen Investoren.

Als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit wurden unter anderem die stark gestiegene Konkurrenz durch den Online-Handel, der Preisverfall in der Branche, ein geändertes Konsumverhalten sowie auch das heiße Wetter im Sommer genannt. Geschäftsführer Gabor Rose erklärte, man kämpfe als österreichisches Familienunternehmen "in einem immer schwieriger werdenden Markt in Konkurrenz vor allem auch gegen internationale Großkonzerne". Die Entscheidung habe man sich nicht leicht gemacht. Aber nun sei das Unternehmen "an einem Punkt angelangt, wo man als verantwortungsvoller Unternehmer die Unterstützung eines gesetzlichen Sanierungsverfahrens beantragen muss, um in dieser Branche weiter bestehen zu können."

Diese Faktoren machten zuletzt auch mehreren anderen Textilunternehmen zu schaffen. Am Montag meldete auch die US-Billig-Modekette Forever 21 Insolvenz an. Sie unterhielt zuletzt 815 Geschäfte in 57 Ländern. In einer geplanten Restrukturierung soll sich das Unternehmen auf seinen profitablen Kern konzentrieren und 180 Filialen in den USA, Europa und Asien schließen.

Das Familienunternehmen Jones wurde im Jahr 1972 gegründet, die Anfänge reichen aber bis in die 1960er-Jahre zurück. Seit Jahren steht das Unternehmen für hochwertige Damenmode in den Bereichen Business und Freizeit. Jones führt 38 Shops in Eigenregie und ist zusätzlich Franchisegeber für 16 weitere Geschäfte in Österreich und Europa. Zusätzlich ist das Unternehmen im gehobenen Fachhandel an mehr als 100 Standorten international vertreten.

Kunden können bis auf weiteres in allen Jones-Filialen und im Online-Store einkaufen. Allerdings verlieren mit sofortiger Wirkung sämtliche von der Rose Gesellschaft m.b.H. ausgegebenen Gutscheine und Gutschriften ihre Gültigkeit. Gutscheine und Gutschriften der Franchise-Partner bleiben dagegen gültig. Umsatzboni, "20/100"-Gutscheine sowie der Treuebonus könnten weiterhin überall eingelöst werden.

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