Wirtschaft

Österreichs letztes Kohlekraftwerk stellt Betrieb ein

Das letzte Kohlekraftwerk Österreichs in Mellach in Graz-Umgebung hat den Betrieb eingestellt. Damit endet laut Verbund die "Ära der Kohlestromversorgung in Österreich". Es war das letzte Kraftwerk, das noch mit dem Brennstoff Steinkohle Strom und Wärme erzeugt hat. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 sprach am Freitag von einem "historischen Tag für den Klimaschutz in Österreich".

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) lobte den Schritt: "Österreich steigt damit endgültig aus der Verstromung von Kohle aus und macht einen weiteren Schritt zum Ausstieg aus fossilen Energien. Bis zum Jahr 2030 werden wir Österreich zu 100 Prozent auf Ökostrom umstellen. Das Energiesystem wird sauber, leistbar und vor allem sicher umgebaut. Das bringt uns auch wirtschaftliche Unabhängigkeit: Wir geben derzeit zehn Milliarden Euro für Importe von Kohle, Öl und Gas aus."

In den vergangenen 15 Jahren wurden alle Kohlekraftwerksblöcke wie etwa in Dürnrohr, Voitsberg, Zeltweg oder St. Andrä stillgelegt. Die noch älteren Ölkraftwerke wie etwa Neudorf-Werndorf oder Pernegg wurden oder werden bis zur "grünen Wiese" rückgebaut. Das letzte Kohlekraftwerk produzierte laut Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber 34 Jahre lang Strom und Wärme für die steirische Landeshauptstadt Graz.

Am Weg von "Old zu New Economy" bleibe Mellach ein wichtiger Standort für den Verbund, der "ideale Voraussetzungen zur Entwicklung von Zukunftstechnologien" biete, so der Verbund. "Der Umbau des Standortes zu einem Innovationsgelände ist ein gutes Beispiel, wie der Weg aus der fossilen Energiewelt hin zu einer innovativen und erneuerbaren Zukunft passieren kann", so der Staatssekretär im Umweltministerium, Magnus Brunner (ÖVP).

In Mellach wurde mit "Hotflex" eine Pilotanlage für Hochtemperaturelektrolyse und Brennstoffzellenbetrieb errichtet, bei der Strom in Wasserstoff umgewandelt wird. Auch großvolumige Batteriespeicher werden für den Einsatz als Pufferspeicher zum Beispiel bei Ultraschnellladestationen für die E-Mobilität am Standort getestet, hieß es am Freitag in der Aussendung des Verbunds.

Das Fernheizkraftwerk Mellach wurde von 1983 bis 1986 errichtet und konnte neben einer elektrischen Leistung von 240 Megawatt auch bis zu 230 Megawatt thermisch als Fernwärme vor allem für den Großraum Graz erzeugen. Seit der Inbetriebnahme im Dezember 1986 standen Kessel und Dampfturbine insgesamt etwa 180.000 Betriebsstunden lang im Einsatz. Die 34 Jahre lang lieferte das Fernheizkraftwerk etwa 80 Prozent der gesamten in Graz benötigten Fernwärme - insgesamt mehr als 30 Mrd. Kilowattstunden Strom sowie 20 Mrd. Kilowattstunden Fernwärme. Die Lieferung aus Mellach bildete die Basis für den Ausbau der Fernwärmeversorgung in und südlich von Graz.

Der Verbund wird die Kraftwerksanlage in Mellach für die Anforderungen der sogenannten Engpassvermeidung auf der Brennstoffbasis Erdgas betriebsbereit halten. Das Kraftwerk kann somit bei Bedarf kurzzeitig zur überregionalen Stromnetzstützung abgerufen werden. In dieser Funktion steht auch das benachbarte Gaskombikraftwerk Mellach regelmäßig im Einsatz.

"Die Menschen in unserem Land können aufatmen. Wir alle werden von sauberer Luft und einer Verbesserung der Gesundheit profitieren. Jetzt gilt es, den Umbau zu einem 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basierendem Energiesystem in allen Bereichen noch viel entschlossener voranzutreiben", sagte Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Global 2000 in einer Aussendung.

Quelle: APA

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