Wirtschaft

Österreichs Unternehmen sind vorbereitet: Keine schlaflosen Nächte wegen Brexit

Wirtschaftsdelegierter: Austritt ist "Schaden für alle, aber keine Tragödie". Heimische Unternehmen haben sich umfassend vorbereitet.

Der Austritt Großbritanniens aus der EU rückt näher. Österreichs Firmen haben sich darauf gut vorbereitet.  SN/afp
Der Austritt Großbritanniens aus der EU rückt näher. Österreichs Firmen haben sich darauf gut vorbereitet.

Christian Kesberg ist Wirtschaftsdelegierter der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) in London. In Zeiten eines scheinbar heillosen Chaos im Countdown zum festgelegten Brexit-Datum 31. Oktober hat er zumindest eine gute Nachricht. "Großbritannien verschwindet nicht." Und egal, was letztlich passieren wird - Brexit mit oder ohne Deal oder doch ein Verbleib in der EU - die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas werde ein wichtiger Handelspartner für die EU und auch für Österreich bleiben.

Rund 250 heimische Unternehmen betreiben Niederlassungen im Vereinigten Königreich - wo sie im Durchschnitt doppelt so hohe Umsätze erzielten wie etwa in Italien oder Frankreich.

Unternehmen aus Österreich gingen sehr gelassen mit dem ungewissen Szenario um, sagt Kesberg, wozu sie auch allen Grund hätten. Denn vor allem die größeren von ihnen seien erfolgreiche Nischenanbieter, an denen man kaum vorbeikomme. Dazu gehört der weltweit aktive Gleisanlagenbauer Plasser & Theurer als "Quasi-Monopolist" ebenso wie Novomatic, mit 3000 Mitarbeitern im Königreich klarer Marktführer bei Glücksspielautomaten, ebenso wie der Spanplattenhersteller Egger, der Baustoffkonzern Wienerberger oder der Leuchtenbauer Zumtobel. Sie alle hätten sich mit WKO-Unterstützung auf den schlimmsten Fall - ein vertragsloses Ausscheiden - vorbereitet. "Wir haben keine Vogel Sträuße, die den Kopf in den Sand stecken und sagen, das wird schon nicht kommen", sagt Kesberg.

Der WKO-Wirtschaftsdelegierte plädiert in der aufgeschaukelten Brexit-Debatte dafür, die Kirche im Dorf zu lassen. Der angekündigte Austritt aus der EU sei "ein Verlustgeschäft für alle, aber keine Tragödie". Gut möglich sei, dass es nach einer Entscheidung - wie immer diese ausfällt - eine Welle ausländischer Investitionen gebe. Das Land habe einen kräftigen Investitionsstau, bei Straßen ebenso wie im Bildungssystem oder im Wohnbau.

Österreich hat mit Großbritannien eine kleine, aber feine Exportbilanz. Im Vorjahr lieferte Österreich Waren im Wert von 4,2 Mrd. Euro über den Ärmelkanal nach Großbritannien, um 7,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Importe aus dem Königreich lagen mit 2,9 Mrd. Euro deutlich darunter. Im ersten Halbjahr 2019 lagen die Exporte sogar zehn Prozent über dem Vergleichswert. Im Fall eines ungeregelten "harten Brexit" könnte diese Steigerung bis zum Jahresende aber wieder wegschmelzen, erwartet Kesberg. Die Steigerungen erklären sich teils durch Vorziehkäufe und teils durch wechselnde Produktionszyklen wie beim Autozulieferer Magna samt Umrüstungspausen.

Am schlimmsten unter den EU-Ländern treffen wird ein Brexit den Nachbarn Irland. "Vor allem die Lebensmittelindustrie ist sehr abhängig von Großbritannien", sagt Josef Treml, der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Irland. Das Land sei immer noch auf der Suche nach alternativen Exportmärkten. Etliche Bereiche wie Medizintechnik oder Pharma seien vom Brexit aber überhaupt nicht betroffen.

Aufgerufen am 14.10.2019 um 03:10 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/oesterreichs-unternehmen-sind-vorbereitet-keine-schlaflosen-naechte-wegen-brexit-76513246

Kommentare

Schlagzeilen