Österreich

ÖVAG bei Bankenstresstest der EZB durchgefallen

Aus Österreich ist tatsächlich eine Bank am europäischen Bankenstresstest gescheitert. Doch es gibt auch positivere Beispiele im Land.

ÖVAG bei Bankenstresstest der EZB durchgefallen SN/APA (Punz)/HANS PUNZ
Kapitalloch der ÖVAG mit 865 Mio. Euro errechnet.

Die allermeisten Großbanken in Europa sind für eine neue Finanzkrise gerüstet. Nur 25 Institute patzten, bei ihnen ergab sich ein Kapitalloch von insgesamt 25 Milliarden Euro. Doch dieses ist zum größten Teil schon gestopft. 12 dieser Institute haben das nötige Kapital inzwischen eingesammelt, zwei, die österreichische ÖVAG und die belgische Dexia, werden abgewickelt. Damit bleiben nur elf Geldhäuser mit akutem Bedarf an Kapital. Der noch offene Kapitalbedarf liegt bei 10 Mrd. Euro.

In Österreich ist nur die teilstaatliche ÖVAG, die vor der Abwicklung steht, durchgefallen. Erste Group, RZB, BAWAG P.S.K., RLB Oberösterreich und RLB Niederösterreich haben hingegen für gute wie für schlechte Zeiten genug Kapital, beschied ihnen die EZB. Für die Bank Austria gab es keine eigenen Zahlen, sie wird mit der italienischen Mutter UniCredit geprüft.

Als Krisenländer kristallisierten sich einmal mehr die südlichen Euro-Staaten heraus: Italien, Zypern und Griechenland. In Deutschland fiel wie erwartet nur die genossenschaftliche Immobilienbank Münchener Hyp durch, aber sie hat ihre Kapitallücke bereits geschlossen. Die anderen 23 deutschen Teilnehmer kamen durch.

Exakt um 12.00 Uhr mittags veröffentlichte die EZB am Sonntag die mit Spannung erwarteten Ergebnisse. Vizepräsident Vitor Constancio zog eine positive Bilanz: "Diese bislang nicht dagewesene tiefgehende Prüfung der Bilanzen der Großbanken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor stärken." Für OeNB-Chef Ewald Nowotny zeigt der Stresstest, dass "Österreichs Banken in den vergangenen Jahren krisenfester geworden sind". Zufriedenheit herrschte bei den Chefs der geprüften Banken vor, wobei die RLB NÖ-Wien mit Abstand den größten Kapitalpuffer hat. "Unsere Resultate zeigen, dass die RLB NÖ-Wien selbst unter den schwierigen Bedingungen der Stresstests mehr als ausreichende Kapitalquoten aufweist" freute sich RLB NÖ-Wien Generaldirektor Klaus Buchleitner.

Die EZB wollte mit dem Gesundheitscheck sicherstellen, dass keine Altlasten mehr zum Vorschein kommen, wenn sie am 4. November die Aufsicht über die wichtigsten Banken in der Euro-Zone übernimmt. Außerdem hegt die Notenbank die Hoffnung, dass die Institute mit dem heiß ersehnten Gütesiegel nun auch wieder mehr Kredite in die Wirtschaft pumpen. Experten haben daran aber Zweifel. Es werde von den Unternehmen schlicht zu wenig Kredit nachgefragt, sagte Erik Nielsen, Chefvolkswirt der Großbank UniCredit. Daher sei es "extrem unwahrscheinlich", dass nach dem Stresstest die Kreditvergabe angekurbelt werde.

Der Gesundheitscheck bestand aus einer intensiven Prüfung riskanter Positionen in den Bilanzen (Asset Quality Review/AQR) und einem Stresstest. Bei diesem mussten die Institute beweisen, dass sie auch einen schweren Einbruch der Konjunktur überstehen könnten, ohne mit Steuergeld aufgefangen zu werden. Beim Stresstest zeigte sich nach Angaben der EZB, dass das Eigenkapital aller geprüften Banken zusammen im schlimmsten simulierten Krisenfall um 263 Milliarden Euro zurückgehen würde. Dies entspricht einem Rückgang der Eigenkapitalquote von 12,4 Prozent auf 8,3 Prozent. Beim Bilanzcheck zeigte sich laut EZB, dass in den Büchern der Banken deutlich mehr faule Kredite schlummern als bisher angenommen - insgesamt 879 Mrd. Euro. Das seien 136 Mrd. Euro mehr als vermutet.

Das größte Loch in der Bilanz hätte in der simulierten Wirtschaftskrise die traditionsreiche Banca Monte dei Paschi aus Italien mit allein 2,1 Mrd. Euro. Dahinter folgen die griechische Eurobank (1,76 Mrd. Euro) und die portugiesische Millennium BCP (1,15 Mrd. Euro). Durchgefallen sind zudem jeweils drei Geldhäuser aus Griechenland und aus Zypern, Dexia und Axa Bank Europe aus Belgien sowie zwei Banken aus Slowenien.

Die deutschen Banken kamen im Krisen-Szenario im Schnitt auf eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent, wie BaFin und Bundesbank mitteilten. Mindestens nötig waren 5,5 Prozent. Die Latte gerissen hat in Deutschland wie erwartet nur die Münchener Hyp. Denn sie hatte schon Ende 2013 nicht genügend Kapital, um die zu diesem Zeitpunkt geforderten acht Prozent Quote zu erreichen. Nach einer rund 400 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung ist das Kapitalloch aber bereits gestopft. Auch viele andere Durchfaller haben ihre Kapitaldecke in der Zwischenzeit aufgebessert: Europaweit müssen noch 13 Geldhäuser eine Kapitallücke von insgesamt 10 Mrd. Euro schließen. Sie haben nun zwei Wochen Zeit, der EZB einen Plan vorzulegen, wie sie das tun wollen.

An der größten Bankenprüfung in Europa aller Zeiten waren tausende Bankaufseher, Wirtschaftsprüfer und Juristen in ganz Europa beteiligt. Laut EZB analysierten sie alleine beim Stresstest etwa 40 Millionen Daten, die ihnen von den Banken geliefert wurden. Die Prüfung der Bilanzen erstreckte sich auf 82 Prozent der Posten in den Bilanzen aller Banken in der Euro-Zone sowie dem ab Jänner zur Währungsunion gehörenden Litauen.

Ähnlich wie die deutsche Finanzpolitik, die trotz der positiven Stresstest-Bilanz bei ihren Banken keinen Grund für Selbstzufriedenheit ortet, sieht man die Resultate für die heimischen Banken in Österreich. Für das Finanzministerium in Wien belegt das Ergebnis, dass der österreichische Finanzsektor stabil aufgestellt sei. Es sei aber wichtig, die bisherigen Anstrengungen fortzusetzen.

Weitere Anstrengungen seien nötig, um künftigen Herausforderungen zu begegnen und Österreichs Finanzsektor im internationalen Wettbewerb stabil zu halten, befand das Ministerium in einer Aussendung. Bis auf die ÖVAG haben alle bestanden.

Die Grünen sehen die vom Finanzministerium hervorgehobene Stabilität allerdings "mit unverantwortlich vielen Milliarden Steuergeld erkauft." Nach Einschätzung des Grünen Vizeklubobmanns Werner Kogler wird sich in wenigen Jahren herausgestellt haben, "dass diese ganze vom Steuerzahler finanzierte Bankenretterei weit mehr als 15 Milliarden Euro gekostet haben wird." Alein schon wegen der Hypo Alpe Adria und Kommunalkredit. In der jetzt durchgefallenen und abzuwickelnden ÖVAG sei mehr als eine Milliarde Steuergeld untergegangen.

Im Finanzministerium wurde festgehalten, dass die ÖVAG der Simulation schon vor rund einem Monat proaktiv vorgegriffen und ein Lösungskonzept vorgelegt habe. Das Konzept werde vom Finanzministerium wohlwollend zur Kenntnis genommen und unterstützt. Nun liege es an den Aufsehern, diesen Plan zu prüfen. Der Bund hält 43,4 Prozent an der ÖVAG. Für das Finanzressort als Vertreter der Steuerzahler sei entscheidend, dass kein frisches Steuergeld zur Restrukturierung der ÖVAG nötig ist.

Da das Durchfallen der ÖVAG im EZB-Stresstest allgemein erwartet worden war und andererseits die Gruppe bereits vor einigen Wochen bekanntgegeben hatte, dass sie ihre Struktur ändert und das Spitzeninstitut abwickelt, gab es darüber wenig Aufregung.

ÖVAG-Generaldirektor Stephan Koren kündigte am Sonntag in einer Aussendung an, die Restrukturierung werde nun detailliert ausgearbeitet. In seiner derzeitigen Struktur hätte der Volksbanken-Verbund einen Kapitalbedarf von 864,72 Mio. Euro. Dabei seien aber weder die "Abbauerfolge des Jahres 2014" noch die geplante Restrukturierung berücksichtigt worden, da beides nach dem 31.12.2013 erfolgte, Stichtag für Bilanzcheck und Stresstest der EZB.

"Dieses Ergebnis kam nicht unerwartet. Der Vorstand der ÖVAG hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass in den nächsten Jahren zusätzlicher Eigenmittelbedarf für den Volksbanken-Verbund entstehen wird. Dies wurde durch den EZB-Stresstest bestätigt", schreibt Koren. Wichtig sei nun, dass der neu strukturierte Volksbanken-Verbund erfolgreich wird. Er soll künftig aus neun Landes-Volksbanken und drei Spezialinstituten bestehen, wobei eine der Landesbanken die Steuerungsfunktion übernehmen soll. Die "Rest-ÖVAG" soll im ersten Halbjahr 2015 die Banklizenz zurücklegen und dann abgewickelt werden. Ohne Banklizenz würde sie kein Mindestkapital mehr benötigen.

Nach Berücksichtigung der Abbaumaßnahmen des Jahres 2014 habe der Volksbanken-Verbund 11,2 Prozent hartes Eigenkapital und damit 1,9 Mrd. Euro mehr als regulatorisch vorgeschrieben.

Österreichs Notenbankgouverneur Ewald Nowotny geht davon aus, dass die österreichischen Banken trotz der Belastungen im Bankgeschäft in Ungarn aus diesem Markt nicht abwandern werden. Bei praktisch allen Banken laufen derzeit Diskussionen zur Frage des langfristigen Geschäftsmodells.

Im Bankenstresstest der europäischen Aufseher wog für die großen österreichischen Institute das Osteuroparisiko schwerer als beim Schnitt ihrer Konkurrenten. Die Russland/Ukraine-Krise ist mit den bis dato erfassten Folgen für die Wirtschaft im Schockszenario schon enthalten, so die OeNB.

Sehr stabil läuft das Geschäft in der Slowakei, in Tschechien oder auch in Polen. In der Ukraine seien die Banken vergleichsweise nicht so stark engagiert. "Wo wir einen erheblichen Diskussionsbedarf sehen, ist Ungarn", sagte Nowotny am Sonntag vor Journalisten. Das Land sei ein traditioneller Markt für österreichische Banken, der auf langfristigen Verbindungen aufgebaut sei. Es gebe hier allerdings aus politischen Gründen doch eine "Problematik", auf die die Banken reagierten. Sie würden allerdings "diesen Markt sicher nicht verlassen", sondern in Ungarn bleiben, ist Nowotny überzeugt.

Ungarn ist für die österreichischen Großbanken seit Jahren ein teures Pflaster, vor allem wegen der Verpflichtungen, Kunden mit Fremdwährungskrediten zu entschädigen.

Quelle: APA

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