Österreich

OMV-Chef erwartet schwächeres Raffinerie-Geschäft

Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV rechnet mit einem schwächeren Raffinerie-Geschäft. "Wir gehen davon aus, dass die Raffineriemarge im zweiten Halbjahr weiter unter Druck kommen wird", sagte Konzernchef Rainer Seele am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

OMV-Chef erwartet schwächeres Raffinerie-Geschäft SN/APA/HERBERT PFARRHOFER

Insgesamt werde das Geschäft mit der Herstellung von Benzin und Diesel die sinkenden Einnahmen aus der Ölförderung im laufenden Jahr nicht mehr so stark abfedern können wie noch im vergangenen Jahr, so Seele. Der OMV-Chef, der vor gut einem Jahr das Ruder bei Österreichs größtem Industriekonzern unternommen hatte, begründete dies mit den bestehenden Überkapazitäten in Europa. Grundsätzlich sei das Margen-Niveau aber nach wie vor "gesund" für die Branche. Das Raffinerie-Geschäft ist seit dem Absturz der Ölpreise zu einem wichtigen Standbein für die OMV geworden. Ende 2015 lag die Raffineriemarge noch bei 7,24 Dollar je Barrel. Im ersten Quartal rutschte sie auf 5,08 Dollar ab, im zweiten Quartal lag sie bei 4,67 Dollar (derzeit 4,17 Euro).

Der niedrige Ölpreis macht der OMV stark zu schaffen. Um dem Preisverfall gegenzusteuern, muss der Konzern auf die Kostenbremse treten. Vor allem die Ausgaben für die Förderung von Rohöl sollen gesenkt werden. Daher hofft der OMV-Chef auf einen Einstieg in den russischen Markt. Dort seien die Kosten niedriger als etwa in der Nordsee.

Gelingen soll dies über ein Tauschgeschäft mit dem russischen Energieriesen Gazprom. Die OMV will sich ja mit knapp 25 Prozent an einem Teil des sibirischen Öl- und Gasfelds Urengoy beteiligen und bietet Gazprom im Gegenzug einen Minderheitsanteil an seinen Nordsee-Gesellschaften an. "Mit Gazprom diskutieren wir nicht über einzelne Felder, sondern wir reden über eine Beteiligung an unseren Gesellschaften", sagte Seele. Die OMV besitzt in der Nordsee zwei Gesellschaften: OMV UK und OMV Norge. Bis Jahresende will sich Seele mit Gazprom grundsätzlich einig sein. Eine Absichtserklärung für das Tauschgeschäft wurde bereits unterzeichnet. Einen Abschluss des Deals erwartet der OMV-Chef erst ein bis zwei Jahre nach der Grundsatzeinigung.

Eine Änderung der Ölpreis-Prognose plant die OMV derzeit nicht. Für das laufende Jahr prognostiziert der Konzern einen Ölpreis von im Schnitt 40 Dollar je Barrel, für 2017 von 55 Dollar. "Für uns ist jetzt von entscheidender Bedeutung, dass wir wettbewerbsfähig werden auf Kostenbasis", sagte Seele. Daher laufe seit einigen Monaten ein Kostensenkungsprogramm. "Wir sind auf einem guten Weg, sind schon einige Schritte weitergekommen". Details will er am kommenden Mittwoch im Zuge der Präsentation der Halbjahresergebnisse nennen. Im Vorjahr schrieb der Konzern nach hohen Abschreibungen unter dem Strich einen Verlust von 1,1 Milliarden Euro.

Oberste Priorität habe die Stärkung des Eigenkapitals. Auf Einkaufstour ist die OMV laut Seele derzeit daher nicht. Vielmehr will sich der Manager von Unternehmensteilen trennen. Bis Jahresende solle etwa ein 49-Prozent-Anteil an der Tochter Gas Connect Austria verkauft werden. Für die Gas Connect, die in Österreich ein rund 900 Kilometer langes Erdgas-Leitungsnetz betreibt, gebe es ein "außerordentlich starkes Interesse", sagte Seele. Details wollte er nicht nennen. Wie Reuters in der Vorwoche von mehreren mit der Situation vertrauten Personen erfuhr, soll der Kaufpreis zwischen 500 und 600 Millionen Euro liegen.

Länger dauern werde hingegen der Verkauf des türkischen Tankstellen-Betreibers Petrol Ofisi. Hier kann sich Seele einen Abschluss des Verkaufs erst 2017 vorstellen. "Das Interesse aus Europa ist nicht sehr stark", sagte der OMV-Chef.

Quelle: Apa/Ag.

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