Wirtschaft

OMV-Chef Seele sieht sich nicht als "Klima-Buhmann"

OMV-Chef Rainer Seele hat am Rande des Forum Alpbach bezogen auf die Geschäfte des Konzerns den Titel "Buhmann der Nation" keinesfalls annehmen wollen. Man dürfe die Klimawandeldebatte nicht auf einzelne Unternehmen herunterbrechen. Die OMV würde ihren Beitrag leisten und ihren CO2-Ausstoß bis 2020 um ein Fünftel senken, erinnerte Seele. Scharfe Kritik an Seele gab es von Greenpeace.

OMV-Generaldirektor Rainer Seele SN/APA/HELMUT FOHRINGER
OMV-Generaldirektor Rainer Seele

"Entschuldigung ich stelle zwar das Benzin her, aber die CO2-Emissionen, die macht ihr. Ihr sagt immer, dass ich es bin, weil ich es herstelle - aber ihr fahrt das Auto", holte Seele die Gesamtgesellschaft in der Klimaproblematik mit ins Boot. Das Thema Klimaschutz werde auf die Wirtschaft delegiert, "das finde ich ein bisschen komisch". Die Wirtschaft verpflichte sich auch. "Aber wenn wir 'mal alle ehrlich in den Spiegel schauen, ist es die Gesellschaft, die nicht bereit ist, auf das Thema einzugehen."

Die Wirtschaft brauche unbedingt Anreize, um ihren Beitrag leisten zu können, meinte Seele. "In der Vergangenheit gab es keine Fortschritte, da der Markt nicht da war und es sich nicht gerechnet hat." Mit Anreizen seien Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit jedenfalls vereinbarbar.

Seele gab dann allerdings auch zu bedenken, dass die meisten Emissionen weltweit aus der Stromerzeugung stammten. Auch die internationale Schifffahrt sorge für einen weitaus höheren CO2-Ausstoß als die Luftfahrt, der Lkw- oder der Individualverkehr. Bringe man die Schiffe zu Diesel statt Schweröl oder gar zu Gasantrieben, dann würden große Schritte getan. Seele erinnerte, dass die OMV sehr viel daran forsche, neue synthetische Treibstoffe aus Plastikabfällen herzustellen. "Bis spätestens 2025 wird in Schwechat eine Anlage entstehen, die 200.000 Tonnen Plastikmüll verarbeiten kann. Das ist die Hälfte des gesamten Plastikmülls in Österreich."

Der OMV-Chef, "kein Freund von Steuern", sagte zur Frage einer CO2-Steuer, dass diese im Falle einer Einführung eine investmentlenkende Wirkung haben müsse. Es könnten nicht einfach die Bürger mit höheren Steuern zur Kassa gebeten werden. "Da muss eingefordert werden, dass mit dem Geld tatsächlich der CO2-Ausstoß gesenkt wird." Beispielsweise könnte das Geld zweckgebunden werden, um Unternehmen dabei zu unterstützen gewisse umweltschonende Techniken in die Produktionsreife zu bringen.

Zum Wasserstoffthema, auf das kürzlich auch Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) aufgesprungen war, sagte Seele, dass ein Einsatz langfristig fantastische Möglichkeiten bringen werde. "Aber da muss man auch ehrlich zu den Wählern sein. Die Hoffnung, dass es übermorgen große Ergebnisse gibt, stimmt nicht." In "ein, zwei, drei Dekaden" sei ein größerer Beitrag aus der Wasserstofftechnik möglich, so Seele im Gespräch mit Trend-Chefredakteur Andreas Lampl und Presse-Pendant Rainer Nowak.

Grundsätzlich müsse der Klimawandel auf einer Ebene mit anderen wichtigen Themen behandelt werden, so Seele. Hier zählte er etwa den Kampf gegen die Armut, die Unterernährung in manchen Teilen der Welt, den Erhalt des Sozialsystems in unseren Breiten im Lichte einer drohenden Rezession und die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen auf.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat OMV-Chef Seele für seine Aussagen scharf kritisiert. Die OMV sei global einer der sogenannten Carbon Majors, also der 100 größten fossilen Unternehmen, die für 70 Prozent der Emissionen seit 1988 verantwortlich seien. "Den Menschen die Schuld in die Schuhe zu schieben ist schäbig", hieß es dazu von Greenpeace. "Die Verantwortung liegt bei den Unternehmen."

Zudem müsse die Politik handeln und die Rahmenbedingungen so gestalten, dass durch Unternehmen nicht "noch mehr Schaden" angerichtet werde, so Greenpeace. Dabei scheinen sich die Umweltschützer und der OMV-Chef quasi einig: Auch Seele forderte Rahmenbedingungen, die es für die Unternehmen lukrativer machen sollten, auf neue umweltschonendere Techniken zu bauen.

Quelle: APA

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