Österreich

OMV und Gazprom fixierten Asset-Mega-Deal

Der OMV-Konzern hat mit der russischen Gazprom eine Grundsatzvereinbarung zum geplanten Asset-Tausch von Öl-und Gasfeldern der OMV in der Nordsee gegen eine Beteiligung an der Gasförderung in Sibirien erzielt. Von den rund 900 Mio. Euro, die die OMV bis 2039 insgesamt in die Gasförderung in Sibirien investieren will, sollen 40 Prozent schon in den kommenden beiden Jahren fließen.

OMV und Gazprom fixierten Asset-Mega-Deal SN/APA/ROBERT JAEGER
Herzliche Umarmung der beiden Vertragspartner.

Das bestätigte OMV-Chef Rainer Seele am Mittwoch nach der Unterzeichnung des Vertrages über den Asset-Tausch mit dem russischen Gazprom-Konzern. Das Closing des Deals soll spätestens bis Ende 2018 erfolgen. "Wir werden jetzt als OMV gemeinsam mit Gazprom erstmal die vertraglichen Regelungen bis zum Sommer nächsten Jahres ausarbeiten, um dann die Grundlage zu legen, um das Closing auch bis spätestens Ende des darauffolgenden Jahres zu machen", sagte Seele bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die OMV hat sich verpflichtet, in die Entwicklung der Gasreserven in Achimov 4 und 5 bis zum Jahr 2039 insgesamt 900 Mio. Euro zu investieren. "Wir gehen davon aus, dass von unserem Anteil insbesondere in den nächsten beiden Jahren ein sehr hoher Investitionsaufwand da sein wird. 40 Prozent der Investitionen erfolgen in 2017 und 2018", sagte Seele. "Das muss auch so sein, denn danach erwarten wir auch schon die Produktionsaufnahme." Die Finanzierung des Milliardenprojekts sei gesichert, betonte der OMV-Chef. "Es ist innerhalb der Cashflow-Planung, der Finanzplanung der OMV vorgesehen und wir können unsere Finanzziele, die wir auch an den Finanzmärkten kommittiert haben, vollkommen einhalten."

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) lobte den Deal als Beweis, "dass die sehr langjährige und extrem erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen, aber auch zwischen den beiden Staaten in eine erfolgreiche Zukunft geführt wird". Er halte es für "sehr sinnvoll, dass man auch aus langfristigen Überlegungen dem Sektor Gas Vortritt gibt". Das sei eine entscheidende Weichenstellung auch in Richtung Klimaschutz, so Schelling.

Für Seele ist es "eine große Ehre, mit dem weltgrößten Gasproduzenten in seinem Land zusammenzuarbeiten". Man werde aber auch auf dem Hauptabsatzmarkt Europa kooperieren. Man habe Gazprom in den vergangenen 48 Jahren als zuverlässigen Partner kennengelernt. "Wir haben jeden einzelnen Kubikmeter, den wir unter Vertrag haben, bekommen. Und wenn wir mehr haben wollen, wie in diesem Jahr über 20 Prozent, haben wir auch mehr von Gazprom geliefert bekommen."

Österreich sei für Gazprom nicht nur ein wichtiger Markt, sondern auch ein wichtiger Verteilerknoten, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller. Man habe in den letzten fünf Jahrzehnten nicht nur über 200 Mrd. Kubikmeter Gas geliefert, sondern über Österreich würden auch Frankreich, Italien, Deutschland, Ungarn, Slowenien und Kroatien beliefert. "Wir arbeiten seit 50 Jahren zusammen und haben unsere Verpflichtungen immer zur Gänze und pünktlich erfüllt." Im vergangenen Jahr habe man 4,4 Mrd. Kubikmeter Gas nach Österreich geliefert. "Alleine im Rahmen dieses Projektes werden wir dreimal so viel produzieren wie das, was wir nach Österreich geliefert haben", sagte Miller. Für die OMV werden sich ihre Reserven durch den Einstieg in die Gasförderung in Russland um die Hälfte erhöhen.

Über einen Plan B für den Fall, dass der Vertrag mit Russland an den noch fehlenden Genehmigungen der norwegischen und russischen Behörden scheitern sollte, will OMV-Chef Seele nicht sprechen. "Herr Miller und ich haben offizielle Gespräche in Norwegen noch nicht begonnen." Die Grundlage dafür gebe es erst mit der heute unterzeichneten Grundsatzvereinbarung. Demnächst werde man daran gehen, Termine für Gespräche in Norwegen zu vereinbaren.

Gazprom erhält von der OMV im Gegenzug für deren Beteiligung an sibirischen Gasfeldern 38,5 Prozent an der Norwegen-Tochter der OMV. Das sei für Gazprom einerseits wegen der geographischen Diversifizierung sowie Synergien bei Logistik, Trading und Marketing interessant, so Miller, andererseits wegen der langjährigen Erfahrung der Norweger bei der Ölförderung am Shelf. "Wir haben in den letzten 50 Jahren in erster Linie in der Arktis gearbeitet, aber auf dem Festland." Der nächste Schritt sei der russische Shelf. "Dort lagern enorme Vorkommen. Aber der Shelf ist noch nicht erkundet, wir können noch nicht einmal beurteilen, was wir dort finden werden."

Dass man sich auch mit einer geringeren Beteiligung an den norwegischen OMV-Assets begnügen könnte, falls die Behördengenehmigungen ausbleiben sollten, schließt Miller aus. "Die Vereinbarung, die wir heute unterzeichnet haben, ist verbindlich. Eine der wichtigsten Bestimmungen in dem Abkommen ist der Anteil an dem Projekt."

Miller bekräftigte neuerlich auch das Festhalten am Gaspipeline-Projekt Nord Stream 2. "Alle Partner haben bestätigt, dass sie am Projekt teilnehmen werden", sagte der Gazprom-Chef, ohne Details über die Form der Beteiligung der westlichen Partner zu nennen. Die Arbeiten seien aber im Zeitplan, bis Ende 2019 werde man die neue Leitung in Betrieb nehmen.

Quelle: APA

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