Wirtschaft

Personalmangel im Tourismus - selbst in Skihütten drohen nun Ruhetage

Im Tourismus gibt es viele unbesetzte Jobs. Es mangelt an Fachkräften. "Da befinden wir uns in einem europaweiten Wettbewerb", sagte die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Petra Nocker-Schwarzenbacher, in Wien. Mitarbeiter seien dringend gesucht - "egal, wo man hinfragt".

Skihütte im Hochköniggebiet (Symbolbild). SN/Heinz Bayer
Skihütte im Hochköniggebiet (Symbolbild).

Im Oktober waren laut AMS 9.000 Stellen in der Gastronomie und in der Hotellerie offen - davon 1.650 Lehrstellen. Die Branche wächst: Allein heuer seien jeden Monat 5.000 Beschäftigte hinzugekommen - im Juli habe der Beschäftigtenstand 238.000 erreicht. "Sie sehen, uns laufen die Fachkräfte nicht davon, sondern der Bedarf steigt", so Nocker-Schwarzenbacher. "Seit 2009 haben wir 40.000 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen."

Mittlerweile sei die Personalknappheit so stark, dass Betriebe zusätzliche Ruhetage einführen müssten. "Selbst bei den ersten Skihütten gibt es Ruhetage - vor einigen Jahren war das undenkbar", berichtete die Branchensprecherin. "Und nicht nur wir spüren das", so die Hotelbesitzerin.

Es gebe zwar genug Skilehrer, aber nicht genug Mitarbeiter in den Skiverleih-Stationen oder in den Wellness-Bereichen der Hotels. "Wir haben auch Reiseleiter, die die gewünschten Sprachen nicht sprechen und andererseits Leute, die die Sprachen können, aber als Reiseleiter nicht gut ausgebildet sind", zählte Nocker-Schwarzenbacher exemplarisch auf.

Die Tourismus-Obfrau bedauerte in diesem Zusammenhang, dass das gesetzlich geregelte Saisonnierkontingent (für Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern) heuer nicht aufgestockt wurde. "Wir haben für den Winter 1.100 Saisonnierplätze, das ist unverändert zum Vorjahr, aber leider nicht erhöht worden". In Relation zu den rund 240.000 Beschäftigten in der Branche sei das wenig.

Neidvoll blickt Nocker-Schwarzenbacher dabei nach Kroatien: "Das Kontingent wird dort jetzt von 8.000 auf 15.000 aufgestockt." Das Nachbarland hätte bei den Fachkräften ebenfalls "ein großes Loch", dort würden noch 20.000 Arbeitskräfte gesucht.

In Deutschland hilft man sich aktuell erstmals mit einem "Fachkräfteeinwanderungsgesetz" der Bundesregierung, das am 19. Dezember im Kabinett verabschiedet werden und drei Monate später in Kraft treten soll. Menschen aus Nicht-EU-Ländern, die ausreichend qualifiziert sind und eine Arbeitsvertrag vorweisen können, sollen demnach in das Land kommen und arbeiten dürfen.

In Österreich wartet die Branche indes auch gebannt auf die neue Fachkräfteverordnung, die für Mitte Dezember erwartet wird. "Wir hoffen, dass Köche in der Mangelberufsliste (des Sozialministeriums) festgehalten wurden und würden uns wünschen, spätestens Anfang Dezember Bescheid zu wissen, damit sie ab Jänner beschäftigt werden könnten", merkte Nocker-Schwarzenbacher an.

Heuer werde bei den Köchen wieder eine Stellenantragszahl von 1,3 erreicht, also 1,3 Bewerber auf 1 offene Stelle österreichweit. Der vorgeschriebene Schwellenwert, um in die Mangelberufsliste aufgenommen zu werden, liegt aber bei 1,5. Die Touristiker plädieren schon des Längeren dafür, dass die Bedarfswerte bundesländerweise ermittelt werden. Denn in Tirol und Vorarlberg sei der Bedarf weitaus stärker als in Ostösterreich.

Das lang anhaltende warme Herbstwetter hat die Winterbuchungen in den Tourismusbetrieben bisher etwas gebremst - statt Zuwächsen herrscht (vorerst) Stagnation. "Wir haben den gleichen Buchungsstand wie im Vorjahr bzw. ein leichtes Plus von 2 Prozent", sagte Petra Nocker-Schwarzenbacher. Das ergab ein Rundruf in der Branche.

"Das ist bemerkenswert", so die Branchensprecherin. Denn bisher blieben Schneefälle weitgehend aus. Grüne Pisten lösen keinen Schub bei den Winterbuchungen aus. Und im Vorjahr war die Schneelage im Gegensatz zu heuer bereits zum Saisonstart erfreulich. "Wir sind mit der Buchungslage zufrieden, aber es gibt Luft nach oben", meinte Nocker-Schwarzenbacher, die selbst ein Hotel in St. Johann im Pongau führt.

"Die Liftbetreiber schauen natürlich jeden Tag auf den Wetterdienst - sie brauchen tiefe Temperaturen." Die Seilbahn- und Liftwirtschaft habe heuer 600 Mio. Euro in Qualität und Sicherheit investiert. Die aktuellen Schneefälle "helfen uns enorm", sagte die Touristikerin. Die ersten Skigebiete hätten bereits aufgesperrt.

Die abgelaufene Wintersaison 2017/18 legte die Messlatte freilich hoch. Sie sei besonders gut gelaufen und habe ein Nächtigungsplus von rund 5 Prozent gegenüber dem Jahr davor gebracht. Vor allem deutsche Urlauber, die das Gros der Touristen ausmachen, seien verstärkt (plus 6,3 Prozent) gekommen. "Das war ein Winter mit perfekter Schneelage", betonte die Bundesobfrau der Tourismussparte in der Wirtschaftskammer.

Erschwerend komme in der heurigen Saison 2018/19 die Lage der Osterfeiertage hinzu - die Ferien fallen auf einen späteren Termin. "Die Weihnachtsferien sind schon sehr gut gebucht, die Semesterferien laufen an und Ostern wird schwieriger heuer wegen des späten Termins", so Nocker-Schwarzenbacher.

Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft (inklusive Sport-, Gesundheits-, Kino-, Kulturbetrieben sowie Reisebüros, Reiseveranstaltern und Verkehrsbetrieben) trägt mit 90.332 Unternehmen und einer Wertschöpfung von 58,8 Mrd. Euro 15,9 Prozent zum heimischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Auf den Sektor entfällt mit rund 719.300 Vollzeitbeschäftigten rund ein Fünftel aller Arbeitsplätze in Österreich.

Die 15.942 Hotels und 48.381 Gastronomiebetriebe des Sektors stellen etwa 9 Prozent des BIP. Dort sind in Summe 168.900 Menschen in Vollzeit beschäftigt - 63.900 im Beherbergungswesen, 105.000 in der Gastronomie.

Quelle: APA

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