Wirtschaft

Personalvermittler warnt bei Leiharbeit vor Pauschalierungen

Die Zeitarbeitsbranche sieht sich in der Causa rund um von Leiharbeitern verursachte Coronavirus-Cluster in den Post-Verteilzentren in Niederösterreich und Wien zu Unrecht an den Pranger gestellt. Es werde fälschlicherweise der Eindruck vermittelt, dass der Einsatz von Zeitarbeitnehmern ein erhöhtes Infektionsrisiko nach sich ziehe, sagte Randstad-Österreich-Chef Michel Verdoold zur APA.

"Für Randstad Österreich trifft dies definitiv nicht zu", betonte Verdoold. Das Unternehmen ist in die aktuelle Post-Causa nicht involviert. "Generell gilt aber auch beim Thema Zeitarbeit, dass sich Unternehmen genau überlegen sollten, mit wem sie zusammenarbeiten, um eine qualitativ hochwertige Dienstleistung zu erhalten", sagte der Personalvermittler. Bei Randstadt Österreich würden 95 Prozent der Zeitarbeitnehmer ausschließlich bei einem einzigen Unternehmen eingesetzt. In der Coronakrise hat der Personalvermittler zusätzlich zu den Sicherungsmaßnahmen der jeweiligen Betriebe weitere Schutzmaßnahmen für die vermittelten Mitarbeiter getroffen.

Der börsennotierte niederländische Konzern ist nach eigenen Angaben der größte Personaldienstleister weltweit und in Österreich unter den Top 5. Randstadt ist hierzulande erst seit 2013 aktiv und veröffentlicht keine Detailzahlen zu Österreich. Im ersten Quartal bekam der Personalvermittler die Coronakrise zu spüren. Der Umsatz von Randstad ging weltweit um 7 Prozent auf 5,4 Mrd. Euro zurück. Der Nettogewinn brach um 63 Prozent auf 49 Mio. Euro ein.

Auch die Sozialpartner kritisierten am vergangenen Dienstag angesichts der Post-Causa "unrichtige Informationen und Unwahrheiten über die Arbeitskräfteüberlassung". "Damit werden eine ganze Branche und ihre ArbeitnehmerInnen in einem negativen Licht dargestellt", so Arbeitgebervertreter Erich Pichorner, Bundesvorsitzender der Personaldienstleister im Fachverband der gewerblichen Dienstleister, und Thomas Grammelhofer, Bundesbranchensekretär Arbeitskräfteüberlassung in der Gewerkschaft PRO-GE, in einer gemeinsamen Stellungnahme. Zeitarbeitnehmer seien in allen wesentlichen arbeits- und sozialrechtlichen Angelegenheiten wie Arbeitszeit, Urlaub, Entgelt und Krankengeld den Stammarbeitskräften gleichgestellt.

Der Randstad-Österreich-Chef sieht nach den coronabedingten Rekordarbeitslosenzahlen nur eine langsame Besserung am Arbeitsmarkt. "Ich glaube an ein 'U-Szenario'. Der Einbruch war rasch, die Erholung am Arbeitsmarkt wird aber sechs bis achtzehn Monate dauern." Der Tiefpunkt sei womöglich überschritten, es liege "noch ein weiter Weg vor uns". Randstadt verzeichnet von heimischen Unternehmen wieder mehr Nachfrage nach Zeitarbeitskräften - unter anderem im Bereich Einzelhandel, Automobilindustrie und Life Sciences. Randstad vermittelt auch Fixanstellungen, rund 20 Prozent des Geschäfts entfallen auf Anstellungen und 80 Prozent auf Zeitarbeit.

Verdoold lobt die Maßnahmen der Regierung, sieht aber noch Verbesserungsbedarf bei der Abwicklung: "Die österreichische Regierung und die Sozialpartner haben im Vergleich zu anderen Ländern sehr schnell reagiert und rasch die Kurzarbeitsregelung eingeführt. Die Abwicklung der Kurzarbeit könnte aber schneller sein."

Quelle: APA

Aufgerufen am 16.07.2020 um 03:15 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/personalvermittler-warnt-bei-leiharbeit-vor-pauschalierungen-87977671

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