Österreich

Post-Chef Pölzl sieht in Sozialpartnern "Blockierer"

Post-Chef Georg Pölzl sieht keine wirtschaftliche Gesamtstrategie bei der Bundesregierung und ortet acht vergeudete Jahre bei der Entbürokratisierung. Statt über Umverteilung sollte die Regierung über Wertschöpfung nachdenken. Und den Druck auf die Sozialpartner deutlich erhöhen. "Ich halte ja die Sozialpartner für die größeren Blockierer als die Länder", so Pölzl im Interview mit dem "trend".

Es braucht "mehr Druck von der Regierung auf das Kammersystem".  SN/APA (Archiv)/HANS KLAUS TECHT
Es braucht "mehr Druck von der Regierung auf das Kammersystem".

Der Druck der Mitglieder auf die Kammern reiche jedenfalls nicht, "weil sie ja auf Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite in der - ziemlich einzigartigen - Zwangsmitgliedschaft verhaftet sind". "Ich glaube, dass es mehr Druck von außen, mehr Druck von der Regierung auf das Kammersystem braucht", wird der Generaldirektor des teilstaatlichen Betriebes zitiert.

Von der Diskussion über Vermögens-, Erbschafts- und Reichensteuer hält Pölz nichts. "Wir sollten uns weniger Gedanken über Umverteilung machen als darüber, wie wir Wertschöpfung erzielen. Wir werden länger arbeiten müssen, im Alter vielleicht kürzer, aber dann bitte ohne vollen Lohnausgleich", so Pölzl. Laut Geschäftsbericht 2015 bezieht Pölzl, Jahrgang 1957, ein Gesamt-Jahreseinkommen von 1,28 Mio. Euro.

Die Kritik von Post-Chef Pölzl an der Sozialpartnerschaft lassen die Verkehrs- und Tourismusgewerkschaft vida und die Arbeiterkammer nicht auf sich sitzen. Die Aussage, dass die Sozialpartner größere Bremser als die Länder seien, sei "völlig an der Realität vorbei", so vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit.

"Fakt ist, dass der aufgeblähte Föderalismus in einem kleinen Land wie Österreich jährlich Unsummen verschlingt und die Steuerzahler dazu nötigt, einen völlig intransparenten Förderungsdschungel der Bundesländer zu alimentieren", kritisiert Hebenstreit.

Kritik kam auch von AK-Präsident Rudi Kaske: "Pölzl sollte sich besser auf das Postgeschäft konzentrieren und sich nicht als Kommentator der Sozial- und Wirtschaftspartnerschaft versuchen."

Er, Kakse, wisse aus vielen Gesprächen mit den Post-Beschäftigten, dass "an allen Ecken und Enden auf dem Rücken der Beschäftigten gespart und Personal teilweise ausgelagert wird". Es sei daher zu hinterfragen, "ob Pölzl sein Millioneneinkommen wert ist".

Quelle: APA

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