Wirtschaft

Post rüstet sich für verschärften Wettbewerb mit Amazon

Die Post AG sieht sich für den verschärften Wettbewerb gerüstet. Im Herbst tritt der US-Riese Amazon auf den heimischen Markt, für die Post fällt damit wohl ein wichtiger Teil des Paketmarkts weg. Mit Investitionen wie einem neuen Paket-Verteilzentrum, Innovationen und Kooperationen will sich der teilstaatliche Konzern wappnen. U.a. ist eine Kooperation mit der Supermarkt-Kette Hofer geplant.

Die Post AG steigerte Umsatz hatte aber weniger Gewinn SN/APA/HANS PUNZ
Die Post AG steigerte Umsatz hatte aber weniger Gewinn

Wie viel Volumen durch den Einstieg von Amazon betroffen sein wird, wollte Post-AG-Generaldirektor Georg Pölzl heute nicht konkret sagen. Amazon will zunächst in Wien und dann in ganz Österreich seine Pakete selber bzw. mit externen Partnern ausliefern. Für die Post fällt damit wohl ein wichtiger Teil des Paketmarkts weg - wie viel Volumen betroffen sein wird, wollte Pölzl heute nicht konkret sagen. Für die Österreichische Post ist der Online-Händler derzeit noch einer der größten Kunden. Was der Post allerdings wohl bleiben wird, ist der Rückversand der Pakete, denn Internetshopping generiere rund 30 Prozent Rücksendungen, erläuterte der Post-Chef.

Das Paketgeschäft der Österreichischen Post macht deutlich weniger Umsatz als die Brief- und Werbepost. Während die beförderten Briefe aber ständig rückläufig sind, ist die Paketbeförderung eine Wachstumsbranche. Der verstärkte Einkauf der Österreicher im Internet ließ das Paketgeschäft um 12,1 Prozent auf 262,6 Mio. Euro ansteigen. Die Division Paket und Logistik erreichte einen Anteil von 27,4 Prozent des Konzernumsatzes. Vom gesamten österreichischen Paketmarkt (209 Millionen Pakete) hält die Post nach Eigenangaben 47 Prozent, bei den Privatkunden-Paketen (116 Millionen Pakete) sogar 58 Prozent. Im B2B-Geschäft, also zwischen Wirtschaftstreibenden (93 Millionen Pakete), sind es 32 Prozent Marktanteil.

Der Umsatz in der Division Brief, Werbepost und Filialen ging um 3,7 Prozent auf 695,0 Mio. Euro zurück. Hier ist sowohl der Bereich adressierter Brief geschrumpft, als auch der Umsatz mit adressierter und unadressierter Werbung sowie das Finanzdienstleistungsgeschäft. Umsatzsteigernd wirkten Zuwächse im Bereich Mail Solutions in der Dokumentenlogistik und im Outputmanagement.

Zu den strategischen Prioritäten der Österreichischen Post gehört die "Verteidigung der Marktführerschaft im Kerngeschäft". Weiters setzt die Post auf Effizienzsteigerung, Kundenorientierung durch Forcierung von Selbstbedienungslösungen und Serviceverbesserungen. Mit einem 500-Mio.-Euro-Investitionsprogramm von 2018 bis 2021 sollen die Ziele erreicht werden, den Mitarbeitern winken EBIT-Prämien.

Nach dem Rückzug der BAWAG werden Gespräche mit möglichen Partnern geführt, sagte Pölzl. "Wir kämpfen im Finanzdienstleistungsbereich um neue Partnerschaften." Bis Ende 2019 laufe noch die Entflechtung mit der BAWAG. Eine BAWAG-Sonderzahlung in diesem Zusammenhang hat den Cashflow im ersten Halbjahr von 108,9 auf 173,4 Mio. Euro stark gesteigert.

Die Post AG plant im Herbst Post-Stationen bei Hofer-Filialen. Ende September werden die ersten Pilot-Projekte starten, sagte Generaldirektor Georg Pölzl am Freitag bei der Halbjahrespressekonferenz. Die Stationen sollen 24 Stunden zugänglich sein und können zum Abholen, Verschicken und Retournieren von Paketen verwendet werden. Die genaue Anzahl werde im September mitgeteilt, so Pölzl.

Dem wachsenden Privatkunden-Geschäft im Online-Handel möchte die Post auch mit einer neuen Isolierbox für Tiefkühlwaren entgegenkommen. Die "Temprify"-Box garantiere Temperaturen von -18 Grad Celsius über 24 Stunden und komme ohne Batterien oder Ähnlichem aus.

Ab September soll auch eine österreichweite Paketumleitung möglich sein. Befindet sich das Paket noch am Lieferweg, so stehen fünf Umleitungsoptionen zur Auswahl: An einen Abstellort, zu einem Wunsch-Nachbar, Verschiebung der Zustellung auf einen anderen Tag, in eine nahegelegene Postgeschäftsstelle oder in eine Abholstation in der Nähe. Insgesamt gibt es derzeit rund 1.800 Post-Geschäftsstellen, 320 Abholstationen und 1.600 Hermes Paketshops (dessen Logistik die Post verwaltet), an die das Paket umgeleitet werden kann.

Die Anzahl der Filialen soll insgesamt konstant bleiben. Diese setzt sich aktuell aus rund 450 Eigenfilialen und 1.350 Partnerstellen zusammen. Es werde einen leichten Rückgang an Eigenfilialen geben, so Pölzl, die Gesamtanzahl der Postgeschäftsstellen werde aber nicht sinken. Dem Postmarktgesetz zufolge ist die Post sogar verpflichtet, für eine flächendeckende Versorgung bundesweit mindestens 1.650 Post-Geschäftsstellen zur Verfügung zu stellen.

Das Betriebsergebnis (EBIT) der Post AG stieg im Halbjahr um 2,8 Prozent auf 105,1 Mio. Euro, die EBIT-Marge erhöhte sich leicht von 10,7 auf 11,0 Prozent. Das Ergebnis je Aktie lag im Halbjahr bei 1,12 Euro, nach 1,13 Euro im Vorjahreszeitraum. Die Eigenkapitalquote sank auf 39,2 Prozent aufgrund gestiegener Bilanzsumme. Das Vorsteuerergebnis stieg um 6,0 Prozent auf 108,2 Mio. Euro. Unterm Strich blieb ein Periodenergebnis von 75,9 (76,2) Mio. Euro, ein kleiner Rückgang um 0,4 Prozent. Der Ausblick für 2018 bleibt unverändert.

Die Vier-Tage-Woche werde in der Post bereits in einigen Arbeitsbereichen praktiziert, etwa im Güterverkehr oder dort, wo es gemäß der Schichtpläne möglich und vorteilhaft sei, sagte Pölzl. Die Diskussion darüber, einen Anspruch auf eine Vier-Tage-Woche in Kollektivvertrag bzw. Betriebsvereinbarung zu verankern, sei von der Gewerkschaft angestoßen worden. Man führe derzeit Gespräche, konkrete Verhandlungen gebe es aber keine. Grundsätzlich zeigte sich Pölzl durchaus offen, wenn es konkrete Vorschläge vonseiten der Arbeitnehmervertreter gebe, werde man darüber auch Verhandlungen führen. Das neue Arbeitszeitgesetz ab 1. September begrüßte er als Möglichkeit zur Flexibilität, gerade bei der Post gebe es Spitzenzeiten, etwa vor Weihnachten.

Einmal mehr legte die Post im ersten Halbjahr 2018 beim Paketgeschäft kräftig zu und trug dafür weniger Briefe und Werbung aus. Auch die Finanzdienstleistungen gingen zurück. Trotzdem erwirtschaftet der Bereich Brief, Werbepost & Filialen noch fast drei Viertel des Umsatzes (72,6 Prozent), teilte die Post am Freitag mit.

Der verstärkte Einkauf der Österreicher im Internet ließ das Paketgeschäft um 12,1 Prozent (auf 262,6 Mio. Euro) ansteigen. Allerdings seien der Wettbewerb und damit der Preisdruck hoch, heißt es in der Aussendung der Post. Die Post muss in die Erweiterung der Logistik hinter der Paketzustellung investieren, um die steigende Menge zu bewältigen. Mittelfristig will das Unternehmen in Österreich pro Stunde 100.000 Pakete sortieren können, doppelt so viele wie derzeit noch. Die Division Brief, Werbepost & Filialen machte hingegen im ersten Halbjahr um 3,7 Prozent weniger Umsatz (695 Mio. Euro).

Quelle: APA

Aufgerufen am 17.12.2018 um 03:17 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/post-ruestet-sich-fuer-verschaerften-wettbewerb-mit-amazon-38609506

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