Wirtschaft

Preiskampf gegen Ryanair & Co wird noch härter: AUA zurück im Sparmodus

90 Millionen Euro sollen bis 2021 eingespart werden und jeder zehnte Job wegfallen. Der Erfolg ist dennoch nicht garantiert.

17 Mill Euro hat die Austrian Airlines (AUA) in den ersten neun Monaten operativ verdient. Voriges Jahr waren bis Ende September noch 110 Mill. Euro in der Bilanz der Lufthansa-Tochter gestanden. Für das Gesamtjahr wollte Vorstandschef Alexis von Hoensbroech angesichts der wachsenden Konkurrenz von Billigfliegern in Wien nicht mehr ausschließen, "dass wir unter die Nulllinie kommen". Und 202o werde es noch schlimmer und noch schwerer bei schwarzen Zahlen zu bleiben, sagte Hoensbroech am Donnerstag. Und das alles, obwohl die Zahl der Passgiere steigt.

Die AUA ist nach sechs Jahren mit steigenden Ergebnissen zurück im Krisenmodus. Wie vorige Woche durchgesickert ist, muss die Airline in den nächsten beiden Jahren 90 Mill. Euro einsparen, drei Mal so viel wie noch zu Jahresbeginn angekündigt. Gelingen soll das, indem jeder Zehnte der rund 7000 Arbeitsplätze gestrichen, die Flugzeugflotte weiter vereinheitlicht und bei den Ausgaben gespart wird, so Finanzvorstand Wolfgang Jani.

Die Austrian Airlines verabschiedet sich von ihrem Ziel, heuer einen Gewinn zu schreiben.  SN/apa
Die Austrian Airlines verabschiedet sich von ihrem Ziel, heuer einen Gewinn zu schreiben.

Wo genau die Jobs wegfallen, wollte er nicht sagen. Das werde bis Jahresende geklärt und dann mit dem Betriebsrat über Sozialpakete besprochen. Zum Großteil soll der Stellenabbau über natürliche Fluktuation geschehen - rund 200 bis 2500 Mitarbeiter verlassen die AUA pro Jahr. Außerdem sind noch 150 bis 170 Lufthansa-Piloten an die AUA verliehen, die wieder zur Mutter zurückkehren werden. Der größere Teil werde aber beim Bodenpersonal eingespart sowie in der Technik, sagte von Hoensbroech.

In der Kabine müssen die Piloten länger fliegen und die Flugbegleiter größere Flugzeuge betreuen, weil die Turboprop-Maschinen sukzessive durch Airbus 320 ersetzte werden. Das erhöhe die Produktivität, sagte der AUA-Chef. An der Zahl der Flugbegleiter pro Flugzeug lässt sich kaum mehr drehen, weil diese schon beim erlaubten Minimum ist.

Das Ziel sei die Gewinnmarge von vier Prozent 2018 und Null heuer bis 2023 auf acht Prozent zu steigern, um auch die hohen Investitionen in die Flugzeuge zu verdienen. Sollte das Sparprogramm nicht reichen, "wird uns die Phantasie auch nicht ausgehen".

Hoensbroech räumt aber ein, dass die Aufgabe schwieriger wird, weil die Billigairlines in Wien noch weiter ausbauen, allen voran die Ryanair-Tochter Laudamotion. Ryanair-Gründer Michael O'Leary hat kürzlich angekündigt, binnen fünf Jahren in Wien die AUA überflügeln zu wollen. 2020 solle die Laudamotion-Flotte von bisher acht auf 19 Flugzeuge wachsen, die ungarische Wizz Air will von fünf auch acht Flieger aufstocken. Die Zahl der Sitzplätze soll um 2,5 Millionen steigen, nachdem sie heuer auf 4,5 Millionen fast verdoppelt wurde.

Kampflos will die AUA das Feld nicht räumen. "Herr O'Leary irrt sich", sagte Hoensbroech. "Wir sind die Nummer eins in Wien und diese Position wollen wir halten". Dazu müsse sich die AUA aber schlagkräftig aufstellen. Beim Strecken-Angebot soll laut Vertriebs-Vorstand Andreas Otto nicht gespart werden. Weil die AUA nächstes Jahr auch für die vier Eurowings-Flieger ab Wien verantwortlich ist, kommen quasi sogar Kurstrecken dazu. Auf der Langstrecke wird ab dem Sommerflugplan 2020 aber statt Miami eine neue Destination angeflogen.

Es bleibe der AUA nichts anderes übrig, als bei den Ticketpreisen mit runter zu gehen, sagt Otto. "Sonst bleibt der Sitz leer", oder die Strecke müsse aufgegeben werden - und andere rücken nach. Genau das will die AUA-Mutter laut dem Vertriebsvorstand verhindern. Innerhalb des Lufthansa-Konzerns habe man entschieden, "keinen Millimeter weichen wir zurück", sagte Otto. Mehr als 60 Prozent der Mittel- und Kurzstreckendestination der AUA ab Wien werden nächstes Jahr auch von einer der Billigairlines bedient.

AUA im Preiskampf mit Billigfluglinien SN/APA/HELMUT FOHRINGER
AUA im Preiskampf mit Billigfluglinien

Die AUA will sich unter anderem durch neue Sitze mit USB-Anschluss und gefühlt mehr Platz abheben. Zudem werde es Verbesserungen beim Catering in der Economy Class geben. Der Vertrag mit Do & Co wurde im Vorjahr verlängert.

Die Lufthansa-Gruppe, zu der auch Brussels Airlines und Eurowings - die ebenfalls sparen müssen - sowie die profitable Swiss gehören, hat als Folge des Preiskampfes und gestiegener Kerosinkosten in den ersten neun Monaten operativ um 30 Prozent weniger verdient als im Vorjahr. Im Gesamtjahr strebt Konzernchef Carsten Spohr weiterhin einen operativen Gewinn von 2,0 bis 2,4 Mrd. Euro an.

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