Wirtschaft

Rascher Metaller-Lohnabschluss im Interesse beider Seiten

Der relativ rasche Lohnabschluss bei den Metallern ist im Interesse beider Seiten. Das sagte der Wifo-Experte Thomas Leoni zur APA. "Die Entwicklung in den letzten zwölf Monaten hätte durchaus auch einen höheren Abschluss zugelassen, aber es ist einfach die Dynamik, die sehr klar nach unten zeigt und dementsprechend auch die Unsicherheit für die Zukunft, die hier hinein gespielt hat."

Lohnabschluss im Zeichen der Konjunktureintrübung SN/APA (Symbolbild)/BARBARA GINDL
Lohnabschluss im Zeichen der Konjunktureintrübung

"Also ich würde vermuten, dass beide Seiten ein Interesse hatten, schnell abzuschließen. Bei der Gewerkschaft hatte das, denke ich, auch mit der Konjunkturdynamik zu tun - weil ja eben auch die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung da ist und das es sein kann, dass die Zeit gegen eine höhere Lohnerhöhung spielt", sagte Leoni im APA-Gespräch am Dienstag. Die Gewerkschaften und der Fachverband der Metalltechnischen Industrie hatten sich zuvor am späten Montagabend auf ein Lohnplus von im Schnitt 2,7 Prozent geeinigt.

Dass vermutlich auch der Arbeitgeberseite ein rascher Abschluss recht war, "erkennt man daran, dass die Fragen des Rahmenvertrags, die zuerst auch im Raum gestanden sind für die Angleichung der Arbeiter und Angestellten, dass die dann vom Tisch genommen wurden, weil das wären genau die Punkte gewesen, die dann wahrscheinlich noch einer längeren Verhandlung bedurft hätten", meinte Leoni.

"Ich glaube, der Abschluss ist volkswirtschaftlich gesehen hoch genug, um eine eindeutige Reallohnentwicklung zu ermöglichen, also es ist ein deutliches reales Plus, vor allem wenn wir uns jetzt die Erwartungen für die Inflation anschauen, auch für das kommende Jahr, sollte dadurch eben die Kaufkraft erhöht und die Konjunktur gestützt werden können", lautet Leonis Fazit für die österreichische Volkswirtschaft.

Auf die Frage, wer sich durchgesetzt hat, sagte Leoni: "Für die Arbeitnehmer ist es ein ganz klarer Erfolg, dass die Inflationsrate um ein deutliches Plus überschritten wurde, auch in Perspektive, weil die preisliche Entwicklung nach unseren Erwartungen niedrig bleiben sollte im kommenden Jahr. Für die Arbeitgeber ist, glaube ich, sehr positiv, dass das Thema jetzt wieder vom Tisch ist und recht zügig, sozusagen noch vor Kampfmaßnahmen, ein Abschluss erzielt wurde."

Für den Arbeitsmarktexperten handelt es sich um einen eher hohen Abschluss. "Wenn man Inflation und Produktivität heranzieht, dann ist das durchaus am oberen Rand." Die Produktivität in der Industrie sei zuletzt nämlich schwächer gewesen. "Also im Vergleich, im vergangenen Jahr zum Beispiel war der Abschluss deutlich höher, aber die Summe aus Produktivität und Inflation hätte eigentlich auch noch einen höheren gerechtfertigt", erklärte Leoni. Das Problem sei nur, dass die Produktivitätskennzahl "etwas schwammig" ist. Betrachte man nur die Inflation, so liege der Abschluss heuer im langjährigen Durchschnitt.

Aus Sicht des Experten steht der heurige Abschluss im Zeichen der Konjunktureintrübung. "Auf der Seite der Arbeitgeber ist das natürlich schon eine Herausforderung, eine Erhöhung um 2,7 Prozent zu bewältigen, weil wir vor allem nicht wissen, wie sich die Exportmärkte und die Außenhandelswirtschaft im kommenden Jahr und in der Zukunft entwickeln werden."

Leoni verwies aber auf Analysen des Wifo, wonach sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Industrie gegenüber Deutschland, den EU-Handelspartnern aber auch gegenüber den außereuropäischen Ländern in den letzten Jahren tendenziell verbessert habe. "Das heißt, es gibt auch hier einen gewissen Puffer. Sollte sich herausstellen, dass die Konjunktur sich stärker abkühlt als wir jetzt vermuten würden, dann geschieht das vor dem Hintergrund einer recht günstigen Entwicklung in den letzten Jahren. Dadurch, dass die Entwicklung in den letzten Jahren tendenziell günstig war, glaube ich, dass dieser Abschluss sozusagen auf beiden Seiten gut argumentierbar ist."

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