Wirtschaft

RBI erwartet 2020 Rezession wie in Finanzkrise

Das Herunterfahren der Wirtschaft praktisch überall in der Welt wird die Wirtschaft massiv beeinträchtigen. Über das Jahr rechnet die Raiffeisen Bank International (RBI) mit einer Rezession wie in der Finanzkrise von 2009, also mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung der Eurozone um 4 Prozent, in Österreich um 4,5 Prozent, sagte Chefanalyst Peter Brezinschek am Mittwoch zur APA.

RBI mit düsterer Prognose für 2020 SN/APA (Symbolbild)/HANS KLAUS TECH
RBI mit düsterer Prognose für 2020

Für das Defizit geht die RBI davon aus, dass "die Kriterien von Maastricht überschritten werden", dass die Neuverschuldung also über drei Prozent der Wirtschaftsleistung liegt. Im Wesentlichen werde das für alle Euroländer gelten. 2021 sollte aber eine Erholung ("rebound") folgen, die Wirtschaft der Eurozone sollte um 3,2 Prozent zulegen, jene Österreichs um 4,0 Prozent, so die Einschätzung der RBI. Das sei aber nicht auf Basis der "Modelle der Vergangenheit" gerechnet, da die aktuelle Situation weder mit der Finanzkrise von 2008 noch mit der Eurokrise zu vergleichen sei, hob Brezinschek hervor. Diesmal handle es sich um einen Angebotsschock.

Alleine im zweiten Quartal 2020 werde der Rückgang der Wirtschaft aber mit über 7 Prozent (im Vergleich zum Vorquartal) gut doppelt so heftig ausfallen wie im ersten Quartal 2009, dem Höhepunkt der Finanzkrise, mit damals minus 3,2 Prozent. Aber die RBI geht davon aus, dass diesmal die Wirtschaft nur zwei Quartale schrumpft, ab dem 3. Quartal 2020 wieder eine Erholung einsetzt und diese dann im vierten Quartal voll durchschlägt. Die Finanzkrise hatte hingegen fünf Quartale gedauert.

Der derzeitige wirtschaftliche Stillstand wegen der Ausbreitung des Coronavirus trifft auch die Banken. Sie werden mit mehr Kreditausfällen konfrontiert werden. Die RBI hat ihre ursprünglichen Prognosen für das Kreditwachstum 2020 zurückgenommen. Für notleidende Kredite muss mehr Geld zurückgelegt werden. "Wir sind fundamental auch für widrige Zeiten gut aufgestellt", versichert RBI-Chef Johann Strobl im heute vorgelegten Geschäftsbericht.

Firmen und private Haushalte, die wegen Einkommens- bzw. Umsatzausfällen und Schließungen ein paar Monate in Zahlungsrückstände kommen, können bei ihren Banken auf Entgegenkommen bei den Kredit-Tilgungspflichten hoffen. Strobl erklärt, dass man die Kunden in der schweren Zeit unterstützen und Rückzahlungen stunden werde. Im RBI-Hauptquartier gibt es einen ersten Covid-19-Fall.

Die Bilanz 2019 war bei der telefonisch abgehaltenen Jahrespressekonferenz kein Thema mehr. Strobl sprach in einer Telefonkonferenz von "Ferien für Kredittilgungen" für Kunden, die durch die im Kampf gegen die Virusausbreitung verordneten Einschränkungen in Zahlungsnot kommen. Er verwies dazu auch auf die vom Staat zugesagten Unterstützungen, um die Krisenfolgen abzufedern. Der Banker hofft nach dem jetzige Krisenmodus auf eine beginnende Normalisierung der Lage heuer im zweiten Halbjahr. Strobl sieht den aktuellen Schock "kurz, tief und hoffentlich rasch vorbei". Heuer geht man jedenfalls von einer schweren Rezession aus, mit entsprechenden Folgen für das Kreditgeschäft.

Die aktuellen Kapitalpuffer der RBI würden ausreichen, wenn es härter komme, wurde betont. Für Krisensituationen habe man die Puffer ja angelegt. Wesentlich sei auch, dass es - im Unterschied zur Finanzkrise - jetzt keine Vertrauenskrise ins Bankensystem gebe. Für die Raiffeisen-Bankengruppe unterstrich Strobl, dass die Filialen geöffnet bleiben werden. Sollte an einem Filial-Standort ein Gesundheitsproblem auftreten, dann würde dieser für einige Tage geschlossen. Der Weg zur nächsten Filiale wäre gerade in Österreich aber nicht weit.

In der RBI arbeiten mit heutigem Tag 93 Prozent der Belegschaft von daheim aus. Kantinen sind geschlossen, die in den Büros verbliebenen Beschäftigten werden mit Lunchpaketen ausgestattet.

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