Wirtschaft

RBI rechnet auch 2022 mit gutem Kreditwachstum

Ein gutes Kreditwachstum hat der Raiffeisen Bank International (RBI) nach drei Quartalen zu einem deutlich höheren Gewinn verholfen. Für das Gesamtjahr 2021 rechnet das vor allem in Osteuropa und Russland tätige Institut mit einem Wachstum von mehr als 10 Prozent. Auch für das kommende Jahr rechnet der RBI-Vorstand damit, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. 2022 dürften allerdings auch etwas höhere Kosten auf die Bank zukommen.

Die gesunkenen Risikokosten verhalfen der RBI zu mehr Gewinn. SN/APA/HERBERT NEUBAUER/HERBERT NEU
Die gesunkenen Risikokosten verhalfen der RBI zu mehr Gewinn.

Vorstandsvorsitzender Johann Strobl sprach bei der Analystenkonferenz am Mittwochnachmittag von einer sehr erfreulichen Entwicklung beim Kreditwachstum. Gestützt durch den positiven makroökonomischen Ausblick in den Kernmärkten der RBI rechnet die Bank auch für das Kreditvolumen teils mit Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Für Ungarn rechnet die RBI beispielsweise für 2022 mit einem Anstieg bei der Nachfrage nach Krediten im Privatkundenbereich von 11 Prozent, für Russland sind es 12 Prozent.

Insgesamt wird für heuer ein Kreditwachstum von rund 11 Prozent - und das ohne die Equa Bank in Tschechien gerechnet, die jüngst von der RBI zugekauft wurde. Damit wurde der Ausblick für das Gesamtjahr erhöht. Im Halbjahr wurde noch ein Wert im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich angestrebt. Seit Jahresbeginn 2021 ist das Kundenkreditvolumen um 9 Prozent (ohne Equa Bank) gestiegen, inklusive der Equa Bank waren es 11 Prozent.

Druck auf die Ergebnisse könnte jedoch von der Kostenseite kommen. So könnte die höhere Inflation die Personalkosten steigern und von den jüngst getätigten bzw. geplanten Zukäufen seien Integrationskosten zu erwarten. "Die Kostensynergien werden erst etwas später kommen", so Strobl bei der Analystenkonferenz. Aktuell liegt die Kostenquote bei 53,3 Prozent, mittelfristig strebt die Bank eine Kostenquote (Cost-Income-Ratio/CIR) von 55 Prozent an.

In Tschechien hat die RBI heuer die Equa Bank übernommen. Die Integration sei "auf Schiene", mit der Übernahme habe man 510.000 neue Kunden gewonnen. Auch das Onboarding der rund 144.000 ehemaligen ING-Kunden in Tschechien sei mittlerweile abgeschlossen. Der im August angekündigte Zukauf der Crédit Agricole Srbija laufe ebenfalls wie geplant, das Closing werde für das erste Quartal 2022 erwartet.

Ein Sorgenkind der RBI bleiben die Frankenkredite in Polen. Aktuell sind noch 28.732 Kredite ausstehend mit einem Volumen von rund 2 Milliarden Euro. Zudem seien noch 6.341 Streitfälle offen. Gerechnet wird damit, dass die Zahl der neuen Fälle pro Monat um rund 300 wächst. Die Rückstellungen für die Streitfälle belaufen sich aktuell auf 231 Mio. Euro.

Mit den bisherigen Ergebnissen des laufenden Geschäftsjahres 2021 zeigte sich Strobl auch im Analystencall zufrieden. "Generell ist der Ausblick für das heurige und die kommenden zwei Jahre sehr gut. Ich denke, wir können sehr zufrieden sein," so der Bankchef. Unterm Strich stieg das Konzernergebnis nach neun Monaten über eine Milliarde auf 1,06 Mrd. Euro an. In der Vorjahresperiode waren es 599 Mio. Euro gewesen. Im dritten Quartal betrug das Konzernergebnis 443 Mio. Euro und damit um 12 Prozent mehr als im Vorquartal.

Gestützt wurde die Entwicklung von deutlich geringeren Risikokosten im Vergleich zum Vorjahr. Nach drei Quartalen lagen diese bei 152 Mio. Euro, zur gleichen Zeit lagen im Jahr 2020 noch 497 Mio. Euro bei der Bank auf der hohen Kante. Die Quote notleidender Kundenforderungen ("Non-Performing Exposure"/NPE) ging von 1,9 Prozent Ende 2020 auf 1,6 Prozent zurück.

In der kommenden Woche steht bei der RBI noch eine außerordentliche Hauptversammlung an. Auf dieser soll eine zusätzliche Dividende in Höhe von 0,75 Euro je Aktie für das Geschäftsjahr 2020 abgesegnet werden. Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken aufgrund der Coronakrise empfohlen, ihre Dividenden bis auf weiteres massiv einzuschränken, hat diese Empfehlung aber nicht mehr über den heurigen September hinaus verlängert.

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