Österreich

Regierung dreht am Glücksrad: Schelling will Casinos verkaufen

Die Casinos Austria sollen verkauft werden. Zumindest fünf Interessenten haben bereits im Finanzministerium angeklopft.

Regierung dreht am Glücksrad: Schelling will Casinos verkaufen SN/fotolia/adimas
Beim nächsten Dreh des Roulettekessels soll die Kugel Richtung Republik rollen.  

Will man auf der Homepage der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen GmbH (ÖBIB) mehr über deren Beteiligung Casinos Austria AG erfahren, erhält man als Auskunft: "Under construction." Klingt unbefriedigend, ist aber eine zutreffende Beschreibung der aktuellen Lage. Schließlich wird heftig an einer Neuordnung der Eigentümerstruktur der Casinos Austria AG gearbeitet.

Nachdem der 33,3-Prozent-Anteil der Notenbank-Tochter Münze Österreich in die neue Staatsholding gewandert ist, macht sich Finanzminister Hans Jörg Schelling daran, die bis zur Unübersichtlichkeit miteinander verflochtenen Aktionäre auszukaufen und die Casinos dann "teilweise oder vollständig" auf den Markt zu werfen. Das Pouvoir für die ÖBIB, weitere Casinos-Anteile zu kaufen, hat sich Schelling in der Vorwoche im Ministerrat geholt.Die neuen InteressentenAn Interessenten scheint es nicht zu mangeln. Nach Informationen der SN haben sich nicht nur der Finanzinvestor Peter Goldscheider mit seiner Investmentfirma Epic zusammen mit den tschechischen Milliardären Karel Komárek (KKCG) und Jiri Smejc als potenzielle Käufer gemeldet, sondern auch der Glücksspielkonzern und größte Konkurrent der Casinos Austria, Novomatic. Und wie so oft, wenn es um Privatisierungen geht, ist auch der Investor Ronny Pecik im Rennen. Darüber hinaus soll auch Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer im Namen von Bautycoon Hans Peter Haselsteiner bei Schelling vorstellig geworden sein. Interessenbekundungen von Unternehmen aus der Glücksspielbranche gibt es auch aus Israel sowie den USA, konkret vom Casino-Konzern Gaming & Leisure Properties (GLPI).

Ob einer dieser oder weiterer Interessenten zum Zug kommt, hängt letztlich davon ab, für welches Modell der künftigen Eigentümerstruktur sich der Finanzminister entscheidet. Dem Vernehmen nach könnte am Ende eine Lösung ähnlich wie bei OMV und Telekom Austria stehen: Der Staat behält zumindest eine Sperrminorität an den Casinos Austria und syndiziert diese mit einem weiteren Kernaktionär. Ziel sei es, jedenfalls einen ausländischen Mehrheitseigentümer im Glücksspielgeschäft zu verhindern, sagt ein Kenner der Materie. Keiner will sich offiziell äußern Offiziell will derzeit niemand etwas zum Thema sagen. "Kein Kommentar", lässt etwa Haselsteiner ausrichten, auch Investor Pecik will die Causa zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mit Wortspenden bereichern. Novomatic-Sprecher Hannes Reichmann sagt zur Sache: "Wir beobachten die aktuelle Situation mit Interesse, spielen aber hier derzeit keine aktive Rolle."

Ohnehin wird damit bereits über den zweiten Schritt spekuliert, noch bevor der erste gemacht ist. Um die Besitzverhältnisse bei den Casinos Austria AG und ihrer Tochter Österreichische Lotterien zu ändern, muss Schelling erst die jetzigen Eigentümer davon überzeugen, ihre Anteile zu verkaufen, die durch ein Syndikat miteinander verbunden sind. Die illustre Schar der Casinos-Austria-Aktionäre reicht von Banken und Versicherern über zwei Privatstiftungen bis zum Bund der niederösterreichischen Rübenbauern und seit Kurzem eben auch der Staatsholding ÖBIB. Größter Einzelaktionär ist mit etwas mehr als 38 Prozent die Gesellschaft Medial, hinter der Unternehmen der Gruppen Raiffeisen, Uniqa, Wiener Städtische und Erste stehen. Mit von der Partie beim Glücksspielkonzern ist auch das der Kirche nahestehende Bankhaus Schelhammer & Schattera, das mittlerweile dem Versicherer Grazer Wechselseitige gehört. Privatstiftung brachte Kugel ins Rollen Die Kugel der Verkaufsgespräche ins Rollen gebracht hat die Privatstiftung von Maria-Theresia Bablik. Die 86-jährige Dame nennt 16,8 Prozent der Casinos-Anteile ihr Eigen, hat aber signalisiert, diese verkaufen zu wollen. Die übrigen Mitglieder im Syndikat sind bereit, sie aufzugreifen. Und Schelling hat klargemacht, dass er nicht nur die auf die ÖBIB entfallenden Anteile der Bablik-Stiftung, sondern gerne noch mehr nehmen würde. Die Botschaft ist angekommen, auch die anderen Eigner zeigen sich prinzipiell verkaufsbereit. Dem Wunsch des Finanzministers werde man sich nicht verschließen, sagen mehrere Personen im Aktionärskreis, wenn auch nicht offiziell: "Wir befinden uns in einer heißen Phase."

Abseits der prinzipiellen Verkaufsbereitschaft lässt man im Syndikat keinen Zweifel daran, "dass es natürlich auch eine Preisfrage ist". Zwei Gutachten haben den Wert der Casinos Austria mit 450 Mill. Euro taxiert. Sie sollen aber auf Basis der guten Bilanz 2014 aktualisiert werden, sodass eher von 500 Mill. Euro auszugehen ist. Abzüglich des Drittels, das der Republik schon gehört, müsste sie mehr als 300 Mill. Euro aufbringen, um die übrigen Aktionäre auszukaufen. Noch teurer wird es, falls man auch die Lotterien zur Gänze schlucken will, die den Casinos nur zu 68 Prozent gehören.

Dennoch gehen alle davon aus, dass Schelling sein Ziel erreicht: "Das geht heuer über die Bühne."

Aufgerufen am 21.01.2020 um 12:45 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/regierung-dreht-am-gluecksrad-schelling-will-casinos-verkaufen-2524630

Schlagzeilen