Wirtschaft

René Benko: Schulabbrecher und Milliardär

Der Tiroler Immobilientycoon René Benko tanzt mit seiner Signa Holding auf vielen Hochzeiten: Er ist Immobilientycoon, hat die Möbelketten kika und Leiner übernommen sowie die deutschen Warenhäuser Karstadt und Kaufhof. Nun will er auch noch bei der "Kronenzeitung" und beim "Kurier" einsteigen.

René Benko SN/APA/HANS KLAUS TECHT
René Benko

Mit 41 Jahren ist der gebürtige Tiroler René Benko Österreichs größter Immobilienbesitzer. Seinen Aufstieg begann der Schulabbrecher mit dem Umbau von Dachböden in Luxuswohnungen. 1999 gründete Benko seinen Immobilienkonzern, damals unter dem Namen Immofina. Lange war der griechische Reeder George Economou Geldgeber.

Heute zählen neben Benko (85 Prozent), der nach einer Verurteilung keine operativen Posten bei Signa mehr einnimmt, Lindt-Sprüngli-Manager Ernst Tanner und der Fressnapf-Gründer Torsten Toeller zu den Gesellschaftern der Signa Holding. Der Konzern besteht aus zwei Divisionen: der Signa Real Estate für Immobilien und der Signa Retail für den Einzelhandel. Das Immobilienvermögen beträgt mehr als 12 Mrd. Euro, der Handelsumsatz 4,5 Mrd. Euro. Das Vermögen
von Benko selbst bezifferte der "Trend" 2017 mit 3,73 Mrd. Euro.

Ein brillanter Netzwerker und Blitzgneißer

Seine Fans beschreiben Benko als Blitzgneißer mit gutem Instinkt fürs Geschäft, auch gilt er als brillanter Netzwerker und vor allem als sehr arbeitsam. Ihm gelang es schon früh, Reiche und Prominente von seinen Geschäftsideen zu überzeugen. Kurz nach der Gründung seiner Signa Holding begegnete er dem "Stroh"-Tankstellenerben Karl Kovarik, der sich 2001 in Benkos Unternehmung einkaufte. Mit Kovariks Geld, einem zweistelligen Millionenbetrag, wuchs die Signa Holding zu einem der größten österreichischen Immobilienunternehmen, das seine Fühler aber schon längst auch ins Ausland, besonders nach Deutschland, ausgestreckt hat.

Schilling-Millionär durch Hotelkauf

Vorher hatte es Benko schon zum Schilling-Millionär gebracht, mit dem gewinnbringenden Kauf und Weiterverkauf des Promi-Gesundheitshotels Lanserhof in der Nähe von Innsbruck. Der Besitzer des bekannten Wellnesshotels war in finanzieller Not, Abnehmer war der Kitzbüheler Hotelier Christian Harisch.

Als Benko von Tirol nach Wien ging, baute er zunächst Praxiszentren für Ärzte, 2004 machte er mit dem Kauf und der Neuerrichtung des strudelnden Innsbrucker Einkaufszentrums Kaufhaus Tyrol von sich reden. Damit mauserte er sich mehr und mehr zum nationalen Immobilienplayer.

Rasante Entwicklung der Signa Holding

Die Signa Holding expandierte rasant, von Prag bis zum Gardasee, von Frankfurt bis Mailand ist Benkos Immobilienkonglomerat präsent. Eines der bekanntesten Projekte ist das Goldene Quartier mit Luxusshops und Penthäusern in der Wiener Innenstadt.

Der Tiroler ist stets um Diskretion bemüht. Weder treibt sich der mit einem Ex-Model verheiratete mehrfache Vater privat auf Society-Veranstaltungen herum, noch lässt er Außenstehende in die Bücher seiner - bewusst nicht börsennotierten - Signa Holding blicken, insbesondere Zahlen zu Gewinn und Reserven behält er gern für sich.

Alles ist aber auch bei Benko nicht Gold. 2012 stand er wegen versuchter verbotener Intervention vor Gericht. In der Folge zog sich Benko operativ von seiner Signa Holding zurück und agiert nun - geschützt - vom Beirat aus.

Benko steht auf Prestige und Prunk

Auf Prestige und Prunk steht Benko nicht nur in Bezug auf Immobilien. Er umgibt sich auch gern mit Prominenten aus Politik und Wirtschaft, die ihm immer wieder erkleckliche Summen anvertraut haben. Im September hieß es, Benko bemühe sich um Kapital aus den staatlichen Fonds von Norwegen und Abu Dhabi, um die Expansion seines Unternehmens Signa zu finanzieren.

Wer zu seinem Netzwerk gehört

Zu Benkos Netzwerk zählen Strabag-Gründer Hans-Peter Haselsteiner, der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), Airliner Niki Lauda, Wüstenrot-Chefin Susanne Riess, Novomatic-Gründer Johann Graf, der Berater Roland Berger und auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), mit dem er - zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation - in die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) reiste. Von seinen schillerndsten Investoren, dem griechischen Reeder George Economou und dem israelischen Diamantenschürfer Beny Steinmetz, hat sich Benko mittlerweile losgesagt.



Das Handelsimperium wächst

Der umtriebige Tiroler hat es nicht beim Immobiliengeschäft belassen, sondern ist dabei, auch ein Handelsimperium aufzubauen. Europaweit bekannt wurde er 2014 mit dem Kauf der angeschlagenen deutschen Kaufhauskette Karstadt, die er sanierte. Dreimal hatte er vergebens für den Konkurrenten Kaufhof geboten. Nun schaffte er doch den Einstieg bei Kaufhof über ein gemeinsames Joint Venture mit der kanadischen Kaufhof-Mutter HBC.

Benko hat sich heuer im Sommer mit dem Kauf der Möbelketten Kika und Leiner den Eintritt in den österreichischen Handel verschafft. Mitte Juni übernahm seine Signa die angeschlagenen Ketten vom südafrikanischen Steinhoff-Konzern um rund 600 Mio. Euro. Die Signa-Handelssparte setzte zuletzt bereits fast 4 Mrd. Euro im Jahr um, der Online-Anbieter Signa Sports gilt als Börsenkandidat.

Benko nun auch im Mediengeschäft

Sein jüngster Coup: Benko steigt durch eine Partnerschaft mit der Funke Mediengruppe ins Mediengeschäft ein. Wie Funke am Montag mitteilte, übernimmt Benkos Firma Signa 49 Prozent der WAZ Ausland Holding GmbH. Damit besitzt der Tiroler Benko in seinem Heimatland künftig auch rund ein Viertel an der "Kronen-Zeitung" und am "Kurier". Die Zusammenarbeit muss noch von den zuständigen Kartellbehörden genehmigt werden. Über den Kaufpreis haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.


Quelle: SN, Apa

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Aufgerufen am 17.10.2019 um 03:10 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/rene-benko-schulabbrecher-und-milliardaer-60811357

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