Wirtschaft

RHI Magnesita stellt sich auf mögliche Gas-Knappheit ein

Der börsennotierte österreichisch-brasilianische Feuerfestkonzern RHI Magnesita hat 2021 trotz deutlich gestiegener Transport-, Energie- und Rohstoffkosten einen kräftigen Gewinnsprung geschafft. Der Kostendruck werde sich aber heuer deutlich erhöhen, sagte CEO Stefan Borgas am Montag zur APA. Vor allem die Verteuerung von Erdgas und die stark steigenden Lohnkosten würden zu Preiserhöhungen zwingen. Gasknappheit könnte Produktion gefährden.

Zentrale von RHI Magnesita in Wien SN/APA/Daniel Novotny/Daniel Novotn
Zentrale von RHI Magnesita in Wien

Im laufenden Geschäftsjahr werde vor allem der Gaspreis das große Thema sein, sagte Borgas. "Wir werden davon extrem stark betroffen sein, jetzt im ersten Halbjahr. Ähnlich wie die Frachtkosten im letzten Jahr werden es in diesem Jahr die Energiekosten sein. Das ist dramatisch, es verdreifacht und vervierfacht sich zum Teil." In den Zahlen für 2021 sei der Energiepreisanstieg noch kaum enthalten, er sei jetzt aber signifikant. Diese höheren Kosten werde man über Preiserhöhungen weitergeben müssen.

Auf die mögliche Situation, dass es als Folge der Ukraine-Krise zu wenig Gas für die Industrie gibt, müsse man sich vorbereiten, sagte Borgas. "Für uns gilt das insbesondere für Österreich, weil wir dort unsere Rohstoffproduktion haben, und die Rohstoffproduktion braucht mit Abstand am meisten Energie." Wenn man in der Steiermark (Breitenau) und Tirol (Hochfilzen) nicht genug Gas habe, gehe die Produktion dort zurück. "Das ist insofern eine Gefahr, weil unsere Produkte natürlich die Basis sind für Stahl, Zement, Glas, Kupfer und alle diese Produkte. Wenn wir jetzt nicht mehr produzieren können, dann stehen ein paar Wochen später die Stahlöfen überall."

Man müsse natürlich den privaten Haushalten den Vorrang geben, aber bei der Industrie dürften die Politiker nicht mit der Gießkanne agieren, sondern die Gaszuteilungen "so intelligent machen, dass wir möglichst viele Teile der Industrie weiterlaufen lassen können".

"Ein Ausblick ist nahezu unmöglich", sagte Borgas im Hinblick auf die geopolitische Entwicklung. "Wir haben ungefähr 90 Mio. Euro Geschäft in Russland und der Ukraine. Ich glaube, man muss jetzt realistisch davon ausgehen, dass das ziemlich zum Erliegen kommen wird."

Aber nicht nur die Energiekosten, sondern auch die Arbeitskosten würden heuer aufgrund der hohen Inflation erheblich steigen, sagte der CEO. "Wir werden die Löhne weltweit dreimal so stark erhöhen wie in den vergangenen Jahren." Zudem sei der Facharbeitermangel in Europa und Nordamerika "eine echte Herausforderung". Man bilde derzeit zwar über den eigenen Bedarf hinaus aus, "aber bis diese jungen Leute echte, erfahrene Facharbeiter sind, dauert das".

Die RHI Magnesita steigerte im vergangenen Jahr ihren Umsatz um 16 Prozent auf 2,55 Mrd. Euro. Das bereinigte EBITA von 280 Mio. lag aber nur am unteren Ende der Guidance-Bandbreite von 280 bis 310 Mio. Euro. Der Gewinn pro Steuern stieg von 42 Mio. auf 289 Mio. Euro, der Gewinn je Aktie von 3,28 auf 4,52 Euro. Die Dividende soll mit 1,50 Euro je Aktie unverändert bleiben, kündigte Borgas an.

Den Gewinn gedrückt hätten im vergangenen Jahr vor allem die gestiegenen Transportkosten, erklärte Borgas. "Unser Produkt wird über den gesamten Erdball geschippert, und damit haben wir natürlich voll diese hohen Logistikkosten, insbesondere bei den Ozeanfrachten, mitbekommen." Dieses Geld bekomme man erst später wieder herein, wenn man die Produkte an die Kunden ausliefere. "Deswegen gibt es da auch eine Zeitverzögerung von drei bis sechs Monaten, je nach dem, wo wir da auf der Welt sind."

Der Mitarbeiterstand sei im Vorjahr insgesamt leicht gestiegen und werde auch heuer steigen, sagte Borgas. In Österreich habe man zwei große Rohstoffwerke in der Steiermark (Breitenau) und Tirol (Hochfilzen). Die großen Fertigprodukt-Standorte seien in der Veitsch (Stmk) und in Radenthein (Kärnten). In Wien ist die globale Firmenzentrale, und in Leoben gibt es einen großen Forschungsstandort. "Damit haben wir in Österreich 1.400 Mitarbeiter." Drei große Werke hat das Unternehmen in Deutschland, zwei in Frankreich. "Europa macht circa 25 Prozent unseres Geschäfts aus." Marktführer sei man in Südamerika mit Standorten in Brasilien und Argentinien mit mehr als 5.000 Beschäftigten. In Nord- und Südamerika zusammen mache man etwa 40 Prozent des Gesamtumsatzes. Ein Großgeschäft habe man auch in Indien, der Türkei und China.

Trotz der Krise werde man die Investitionen in die Dekarbonisierung verstärken, sagte Borgas. "Wir investieren 50 Millionen Euro nur in die Entwicklung von neuen Technologien zur Dekarbonisierung." Derzeit gebe es keine technische Lösung, um die Produktion zu dekarbonisieren, ähnlich wie bei Stahl oder Zement. Der einzige Brennstoff, der die gleiche Energiedichte habe wie fossile Brennstoffe, sei Wasserstoff. "Dafür brauchen wir aber massive Mengen an grünen Strom. Das Land Österreich braucht dreimal mehr grünen Strom, als es heute insgesamt Strom produziert." Dafür sei eine Infrastrukturoffensive notwendig, die von der Politik ausgehen müsse.

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