Wirtschaft

Rund 10.000 "Jedermann-Konten" in Österreich

Seit Ende 2016 ist das "Konto für alle" ein Pflichtangebot der Banken an sozial oder wirtschaftlich besonders Schutzbedürftige. Wer so ein Konto eröffnen wollte, hatte es zumindest am Anfang aber nicht ganz leicht. Ende 2017 waren in Österreich 9.300 solcher Basiskonten eingerichtet.

Beschwerden gehen an die Finanzmarktaufsicht SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Beschwerden gehen an die Finanzmarktaufsicht

Die Banken müssen diese besonderen Zahlungskonten (ohne Kreditfunktion) gesetzlich verpflichtend anbieten und gut verständlich auf den Websites und in den Filialen informieren: Was ist ein Basiskonto, welche Funktionen hat es, für wen ist es gedacht und was kostet es. Diese Infos und Unterlagen müssen leicht auffindbar sein.

Und dort hakte es eine Zeit lang, bis die Finanzmarktaufsicht zur Überprüfung ausritt. Vor der Überprüfung seien die Infos nicht leicht zugänglich oder gar nicht verfügbar gewesen, so die FMA, im Internet nicht und auch nicht in den Filialen. Das hat sich mittlerweile geändert, heißt es.

Die Kreditinstitute haben diese Konten am Anfang nicht gerade gepusht. Ein Geschäft sind diese Basiskonten nicht und zudem bestand auch Sorge, dass Kunden von klassischen teureren Konten abwandern würden.

Dabei ging es bei der Einführung um ein Konto für all jene, denen ein solches bis dahin verwehrt wurde. Mit dem "Basiskonto" haben beispielsweise auch Asylwerber, Obdachlose, verschuldete oder einkommensschwache Personen sowie Verbraucher aus anderen Mitgliedstaaten der EU, die in Österreich keinen Wohnsitz oder Arbeitsplatz haben, einen rechtmäßigen Anspruch auf ein Girokonto. Auf das Konto kann eingezahlt werden, vom Konto kann abgehoben und überwiesen werden. Überziehen dürfen Basiskontoinhaber nicht. Das Konto darf höchstens 80 Euro im Jahr kosten, Bedürftigen dürfen nur 40 Euro im Jahr verrechnet werden.

Wiederholt hatten Konsumentenschützer Banken mit Beschwerden eingedeckt, wegen Ablehnungen oder auch wegen bestimmter Vertragsklauseln. Ablehnen darf eine Bank dann, wenn schon ein Konto bei einer österreichischen Bank besteht oder der Kontointeressent gegenüber der Bank oder einen ihrer Mitarbeiter straffällig geworden ist. Beschweren können sich abgelehnte Kunden bei der FMA oder bei der Banken-Schlichtungsstelle.

Laut FMA-Beschwerdestatistik gingen im abgelaufenen Jahr insgesamt 2.325 Beschwerden bei ihr ein, das waren zehn pro Arbeitstag. 1.604 Beschwerden wurden dem Aufsichtsbereich der FMA zugeordnet, davon zogen 422 Verfahren nach sich. Drei Viertel der Verfahren richteten sich gegen Banken. Meistens betrafen die Beschwerden über Banken den Zahlungsverkehr, gefolgt von strittigen Kreditthemen. Seit 2016 muss eine Erstbeschwerde eines Verbrauchers immer an die Bank gehen. Seither haben sich deshalb die Beschwerdezahlen bei der FMA unmittelbar halbiert.

Quelle: APA

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