Wirtschaft

Rund ein Viertel der Bananen sind Fairtrade-zertifiziert

Neben Kaffee und Kakao ist die Banane das wichtigste Fairtrade-zertifizierte Produkt überhaupt. "Auch Angebot schafft Nachfrage", sagt Fairtrade-Österreich-Direktor Hartwig Kirner anlässlich ihres 20. Geburtstags in Österreich. Der Marktanteil habe inzwischen 25 bis 30 Prozent erreicht. Dank der Spar-Handelskette sei der Start für die Fairtrade-Banane - die zu rund 95 Prozent gleichzeitig auch biozertifiziert ist - ursprünglich erst möglich gewesen, so Kirner.

Die Fäden zeigen die frische der Banane bevor sie in die Reifung darf SN/APA/PHILIP STOTTER/PHILIP STOTTE
Die Fäden zeigen die frische der Banane bevor sie in die Reifung darf

Die Bananen in Österreich kommen meist aus Peru, Ecuador, Costa Rica oder der Dominikanischen Republik. Fairtrade-anbauende Familien oder Mitarbeiter von Fairtrade-Plantagen sollen besser - eben fairer - behandelt und entgolten werden, als im konventionellen Bereich. "Es geht um faire Preise und Einkommen, dass man vom Anbau leben kann", sagt Kirner.

Österreichweit wurden voriges Jahr insgesamt gut 35.000 Tonnen Fairtrade-Bananen abgesetzt (2020: knapp 33.000 t), also auch an die anderen Ketten wie jene von Rewe (Billa, Billa plus) oder bei den Diskontern Lidl und Hofer. Alleine bei Spar werden jährlich insgesamt rund 30.000 Tonnen Bananen verkauft. Davon sind 12.000 fairtrade-zertifiziert, hieß es anlässlich einer Pressefahrt zum Frutura-Standort in Hartl in der Steiermark (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) anlässlich des Jubiläums.

Dank des Wachstums des Bio-Anteils hält Kirner auch ein weiteres Wachstum im Bereich der Fairtrade-Bananen für möglich. Jedenfalls verspeisen die Menschen in Österreich gerne Bananen. Durchschnittlich sind es laut Versorgungsbilanz der Statistik Austria pro Kopf im 2019/20 13,7 Kilogramm (2018/19: 12,7kg) gewesen. Zum Vergleich: Äpfel wurden pro Kopf 2019/20 17,4 Kilogramm verbraucht (2018/19: 21 kg).

Fairtrade Österreich hat aus Anlass des Jubiläums Journalisten durch die steirische Frutura-Bananenreiferei geführt. Dort reifen alle Bananen für Spar Österreich, auch konventionelle. Frutura kooperiert eng mit dem Spar-Konzern. Spätestens zwei Tage nach der Anlieferung von einem großen Hafen - Antwerpen, Rotterdam, Hamburg - muss der Reifungsprozess eingeleitet werden, erläuterte Frutura-Bananen-Chef-Reifer Gunar Nakladal. Das bedeutet, dass die Bananenkisten in eine Kammer kommen, wo sie natürlich "begast" werden, damit die Reifung beginnt.

Zuvor aber muss ein Frischetest erfolgen: Dafür werden Testbananen in der mitte gebrochen und auseinander gezogen. Nur wenn sich im Spalt Fäden bilden, sind die Bananen frisch und werden gereift. Die Fäden bestehen aus Stärke, die sich im Zuge der Reifung umwandelt. So wird die Banane für Menschenbäuche erst genießbar, ähnlich wie bei Erdäpfeln, die gegart werden müssen, damit deren Stärke verdaubar wird. Nach vier bis sechs Tagen wiederum, je nach gewünschtem Reifefortschritt, ist die Reifung beendet und die Märkte werden beliefert.

Bei der Banane handelt es sich um eine Staude - die größte Staude der Welt. Der Wachstumszyklus dauert neun Monate, so Nakladal. Dann wird die Staude geschnitten und wächst erneut bis sie wieder Früchte bietet. Und: Es gibt nur eine Sorte, die als Jausen- oder Bananensplit-Banane verkauft und gegessen wird: Die "Cavendish"-Banane. Diese auch als Dessert- oder Obstbanane bezeichnete Frucht gehört in Österreich, Europa und weltweit zu den beliebtesten Früchten. Sie wird fürs Baby- bis ins eigene Greisalter geschätzt. Die fünf Hauptexportländer waren 2020 Ecuador (7,0 Mio. t), Costa Rica (2,6 Mio. t), Guatemala (2,5 Mio. t), Kolumbien (2,0 Mio. t) die Philippinen (1,9 Mio. t).

Frutura-Migründer und -Chef Manfred Hohensinner - seine Firma setzt inzwischen jährlich rund eine halbe Milliarde Euro um und hat gut 850 Mitarbeiter - schwärmte vom von der Natur bestens verpackten Produkt Banane. Kein Wunder: Sind doch zuletzt beispielsweise Verpackungskosten explodiert. Frutura verpackt die gesamte Obst- und Gemüsepalette. Das geschieht meist mit besonders teurem beschichteten Karton und ist vor allem seitens der Verbraucher gewünscht. In Italien sei dies anders, dort werde viel mehr Obst und Gemüse lose verkauft, so Hohensinner. Er meinte - angesprochen auf die überall und inzwischen auch beim Endprodukt also im Supermarkt steigenden Preise -, dass Obst und Gemüse lose deutlich günstiger verkauft werden könnte. Er schätzte, das könne je nach Ware und Verpackung 20 bis 30 Prozent ausmachen.

Hohensinner schwärmte auch von seinem Standort in Bad Blumau, wo zum Teil ganzjährig dank Geothermie Tomaten und Co reif geerntet werden. Er sei angesichts der explodierenden Energiekosten sehr froh, dass dies gehe - auch wenn die Not-Ersatzheizung gasbetrieben ist. Er kritisierte aber einmal mehr viel zu lange Genehmigungsdauern und Gutachtenkosten für teils "abstruse" Gutachten. Und: Eine Landwirtschafts-, Umwelt- oder Energieministerin habe diesen speziellen Standort noch nie besucht, hatte er einen Seitenhieb auf die Politik parat.

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