Wirtschaft

Russland würde bei entkoppeltem Handel mit Westen leiden

Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben westliche Staaten zahlreiche Sanktionen verhängt und ihre Wirtschaftsbeziehungen zu Russland damit massiv eingeschränkt. Sollten sich die Beziehungen vollständig entkoppeln, wären die langfristigen Auswirkungen für Russland deutlich schlimmer als für den Westen, geht aus einer Simulation des Wifo und des Instituts für Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) hervor. Das jährliche russische BIP würde um knapp 10 Prozent verlieren.

Ein entkoppelter Handel mit dem Westen würde Russlands BIP schaden SN/APA (dpa)/THEMENBILD/Stefan Puch
Ein entkoppelter Handel mit dem Westen würde Russlands BIP schaden

"Sanktionen zeigen kurzfristig meist wirtschaftliche aber keine politische Wirkung. Halten sie lange an und sind umfassend, kann sich ihr politisches Wirkungspotenzial vergrößern", so der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Gabriel Felbermayr. "Nach einer Anpassungsphase im Welthandel wird Russland deutlich geschwächt dastehen, der Schaden für die Alliierten ist dagegen überschaubar."

Der Grund für die starken Verluste in Russland liegt laut der Studie darin, dass die Handelsbeziehungen zum Westen für das Land deutlich wichtiger sind als umgekehrt für die westlichen Staaten. 2020 war die EU beispielsweise für mehr als ein Drittel (37,3 Prozent) des russischen Außenhandels verantwortlich, dagegen finden lediglich 4,8 Prozent des Außenhandels der EU mit Russland statt.

Im Gegensatz zu Russland würde Österreich langfristig - das sind auf jeden Fall mehr als 5 Jahre - nur 0,28 Prozent beim jährlichen Bruttoinlandsprodukt (BIP) einbüßen. Deutschland (minus 0,40 Prozent) und Italien (minus 0,31 Prozent) würden etwas stärker leiden. Frankreich würde mit minus 0,16 Prozent eher moderat verlieren. Die Auswirkungen für die USA und Großbritannien mit minus 0,04 Prozent und minus 0,09 Prozent wären indessen sehr gering. Aus den Zahlen werde deutlich, dass Russland mit der EU stärker verflochten ist als mit den USA oder Großbritannien.

Die größten wirtschaftlichen Schäden würden sich für die baltischen Staaten ergeben. Litauens BIP würde jährlich um knapp zweieinhalb Prozent niedriger ausfallen, für Lettland und Estland würde das Minus bei rund zwei Prozent liegen.

Einen Gewinner gebe es allerdings in dem Szenario - nämlich China. Denn sollte der Handel zwischen Russland und dem Westen entkoppelt werden, könnte Russland seine Beziehungen zu anderen Ländern ausweiten. Groß wäre der Zugewinn für Chinas BIP pro Jahr aber nicht. Die Volksrepublik würde von einer Entkoppelung der Handelsbeziehungen Russlands zum Westen langfristig mit einem kleinen Plus von 0,02 Prozent profitieren.

Auch im Handel zwischen diesen beiden Ländern ist China für Russland wichtiger als umgekehrt. Im Jahr 2020 gingen laut der Studie knapp 14,6 Prozent der russischen Exporte nach China, dagegen kamen nur knapp 2,8 Prozent der chinesischen Importe aus Russland. Zudem kamen knapp 23,7 Prozent der russischen Importe aus China, während nur 2 Prozent der chinesischen Exporte nach Russland gingen.

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