Wirtschaft

Schellhorn wirft Köstinger Dilettieren beim Tourismus vor

Die Sorge in der Tourismusbranche vor einem "Corona-Winter" mit größten Einbußen herrscht schon länger. Nun ist diese durch die Reisewarnungen aus den mit Abstand wichtigsten Herkunftsnationen Deutschland und Niederlande noch stärker geworden. NEOS-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn wirft der Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) Dilettieren vor. Längst hätte man sich mit Deutschland abstimmen müssen, so der Hotelier.

Scharfe Kritik an der ÖVP-Ministerin SN/APA/HERBERT P. OCZERET
Scharfe Kritik an der ÖVP-Ministerin

Die Frage, ob die Wintersaison überhaupt noch zu retten sei, beantwortete Schellhorn gegenüber der APA damit, dass "diese Frage leider berechtigt" sei. "Es hat eine negative psychische Spirale eingesetzt, die dramatisch ist", sagt er über die Stimmung im heimischen Tourismus, für den die Wintersaison die wichtigste Zeit des Jahres darstellt. Daran gibt Schellhorn auch der Ministerin Schuld: Köstinger stolpere "von Versäumnissen im Sommer in die nächste Überforderung, sie hatte unsere Kernmärkte schlicht nicht im Blick. Die Zeit des Dilettierens muss ein Ende haben."

"Betriebe, die vornehmlich auf den Winter bauen, stehen vor einem enormen Liquiditätsproblem. Die Buchungen stehen - vor allem seit den Reisewarnungen - praktisch bei null. Es gibt deswegen auch Stornierungen und damit fehlen die Anzahlungen. "Es braucht endlich eine Schutzschirmlösung für die Tourismusbetriebe", fordert Schellhorn einmal mehr. Zwar gebe es nunmehr Signale in Richtung einer Umsetzung, wie kürzlich der Tourismusausschuss gezeigt habe, "aber mit der Umsetzung wurde viel zu lange gewartet", kritisiert der NEOS-Politiker.

In diesem Zusammenhang übt Schellhorn harsche Kritik an Tourismusministerin Köstinger. Er wirft ihr vor, den Sommer verschlafen zu haben, "während die Welt über uns einbricht". Es habe keine Bemühungen gegeben, die Reisewarnungen abzuwenden. "Sie hat wie Gesundheitsminister (Rudolf, Anm.) Anschober zwar von einer zweiten Welle gesprochen. Aber was wurde im Sinne des Tourismus dagegen getan?", so Schellhorn. "Angesichts dessen, dass der deutsche Markt für rund die Hälfte der Nächtigungen sorgt, hätte man sich mit dem deutschen RKI akkordieren müssen."

Zugleich verteidigt Schellhorn Rot-Kreuz-Chef Gerry Foitik: Für den Politiker "ist es nicht der Skandal, dass Foitik mit einer geänderten Teststrategie den Wintertourismus retten und Risikogruppen schneller und besser schützen will, sondern dass die Regierung diese Strategie nicht längst umsetzt". Denn sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz würde so getestet, wie es Foitik vorschlage und auch das Robert Koch Institut (RKI) vorsehe.

In Österreich aber gebe es "eine künstlich verschärfte und zudem ineffiziente Testung von asymptomatischen Kontaktpersonen". Das treibe "die Fallzahlen in die Höhe und durch folgende Reisewarnungen tausende Tourismusbetriebe in den Konkurs."

Ebenso "Hü-Hott" spiele die Regierung mit den Betrieben beim Fixkostenzuschuss, so Schellhorn. "Beim einzigen Cash-wirksamen Hilfsinstrument, dem Fixkostenzuschuss, hängen die Betriebe völlig in der Luft. Selbst sieben Monate nach dem Lockdown kommt der Fleckerlteppich an Hilfen nicht an. Der Fixkostenzuschuss ist eine Beschäftigungstherapie für Steuerberater." Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) habe diese "Hilfe dilettantisch aufgesetzt".

Schellhorn selbst hat üblicherweise Ende Oktober rund 100 Mitarbeiter für die Wintersaison. Aktuell plant er nur mit 50 Mitarbeitern die Saison zu bestreiten.

Quelle: APA

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