Österreich

Schlumberger-Organe ohne klare Empfehlung zum Sastre-Offert

Vorstand und Aufsichtsrat des börsennotierten österreichischen Sekterzeugers Schlumberger sehen von einer ausdrücklichen Empfehlung hinsichtlich einer Annahme oder Ablehnung des Übernahmeofferts des Mehrheitseigentümers Sastre ab. Die Einschätzung, ob das Angebot vorteilhaft ist oder nicht, müsse jeder Schlumberger-Aktionär aufgrund seiner individuellen Situation treffen, so die Organe.

Sastre will Schlumberger zur Gänze übernehmen.  SN/APA/BARBARA GINDL
Sastre will Schlumberger zur Gänze übernehmen.

Damit ist eine Orientierung am jeweiligen Anschaffungspreis der Schlumberger-Aktien bzw. der Frage einer lang- oder kurzfristigen Veranlagung etc. gemeint, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme des Vorstands hervorgeht, wobei auch die erwartete künftige Entwicklung des Kapitalmarktes von Bedeutung sei. Auch steuerliche Überlegungen könnten ausschlaggebend sein.

Die Schweizer Sastre Holding S.A., die schon 87,09 Prozent der Schlumberger-Aktien hält, hat im Dezember ein noch bis 16. März laufendes Angebot für den Erwerb aller übrigen Titel gelegt. Geboten werden 26 Euro je Stamm- und 18,5 Euro je Vorzugsaktie, jeweils samt Dividende für das Jahr 2016.

Das Offert richtet sich effektiv auf den Erwerb von 75.089 Stamm- und 195.206 Vorzugsaktien, in Summe auf 270.0295 Aktien. Sastre würde der Zukauf dieser Aktien in Summe 5,563 Mio. Euro kosten. Vor dem Angebot hielt Sastre 1,278.173 Stamm- und 554.794 Stück Vorzugsaktien an Schlumberger.

Vor dem am 2. Dezember angekündigten Offert waren im Standard Market Auction die Stämme am 30. November um 22,40 Euro und die Vorzüge am 29. November um 17,68 Euro gehandelt worden.

Erreicht Sastre über 90 Prozent an Schlumberger, könnte sie die übrigen Aktionäre gegen angemessene Barabfindung hinausdrängen (Squeeze-Out). Zudem könnten bei besonders hoher Annahmequote des Angebots die Zulassungserfordernisse für die Notiz an der Wiener Börse nicht mehr erfüllt sein, was zu einem Delisting führen könnte - etwa wenn ein Mindeststreubesitz von 10.000 Stämmen oder Vorzügen unterschritten wird, d.h. rund 0,74 Prozent der Stämme oder rund 1,33 Prozent der Vorzüge.

Für eine Annahme des Sastre-Angebots spricht aus Sicht des Schlumberger-Vorstands: die dadurch mögliche Vermeidung künftiger Kursverluste, das zunehmend herausfordernde Marktumfeld, der deutlich über den vorhergehenden Aktienkursen liegende Angebotspreis, die drohende eingeschränkte Kursbildung infolge reduzierten Streubesitzes sowie die steigende Squeeze-out-Wahrscheinlichkeit. Gegen die Annahme des Angebots sprächen der Verzicht auf mögliche künftige Kursgewinne und Dividenden sowie Schlumberger-Wertzuwächse durch Akquisitionen oder organisches Wachstum.

Die PwC Wirtschaftsprüfung hält "die vom Vorstand dargelegten Argumente für bzw. gegen eine Annahme des Angebots", mit denen der Aufsichtsrat übereinstimmt, für "plausibel, nachvollziehbar und schlüssig" und den Angebotspreis für "angemessen", heißt es in dem seit Donnerstag verfügbaren Sachverständigengutachten laut Übernahmegesetz.

Quelle: APA

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