Wirtschaft

Schramböck drückt bei Standortpolitik aufs Tempo

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) will in der Standortpolitik aktiver werden. Österreich solle hier "vom Mittelmaß in die Spitzengruppe aufschließen", sagte die Ressortchefin am Montag vor Journalisten. 2019 solle die Betriebsansiedlungsagentur (ABA) um 30 Prozent mehr Ansiedlungen nach Österreich bringen, also ausländische Investitionen aktiver anwerben, kündigte sie an.

Der Standort Österreich hat viel zu bieten, findet Schramböck.  SN/apa
Der Standort Österreich hat viel zu bieten, findet Schramböck.

Die Standortentwicklung müsse aktiv gesteuert werden: "Einen großen Teil der Wertschöpfung haben wir in der Standortpolitik selbst in der Hand", so die Ministerin. Dabei wolle man die Länder, die Landeshauptleute und die Gemeinden stärker unterstützen. Es gelte, die Kooperation zwischen Leitbetrieben und KMU zu fördern, die Forschung weg vom Gießkannenprinzip stärker in Richtung Exzellenz zu bringen und die Digitalisierung zu stärken, um Wachstum und Arbeitsplätze zu fördern.

Auch die Bereiche Bildung und Ausbildung - MINT-Fächer, neue Lehrberufe - sowie Infrastruktur sollen hier mithelfen. In Sachen Ausbildung der Arbeitskräfte könne Österreich punkten, verwies Schramböck etwa auf die jüngste Infineon-Entscheidung, weitere 1,6 Mrd. Euro am Standort Villach (Kärnten) zu investieren. Durch das Standortentwicklungsgesetz sollen generell große Investitionen beschleunigt werden, hofft sie.

Der Standort Österreich habe viel zu bieten - und die Verteilung der "starken" Regionen sei wesentlich gleicher als in Deutschland, wo die Konzentration und damit auch das Gefälle hoch sei. Man solle von den Besten lernen ("Best practice"), davon Strategien ableiten und diese mit den Bundesländern fahren.

Der Ökonom Christian Helmenstein hat mit seinem Institut Economica die Wertschöpfungskerne in Österreich analysiert, um herauszufinden, wo die Hot-Spots für die Entstehung des Wohlstands liegen - und zwar nicht nur auf Bundesländer- oder Bezirksebene, sondern für alle 2.100 Gemeinden. Mit dieser Genauigkeit sei das eine Europa-Premiere, sagte Helmenstein. Auf einem Dreizehntel (7,67 Prozent) des Siedlungsraumes werde die Hälfte (51 Prozent) der wirtschaftlichen Leistung erzielt - und auf der vergleichsweise kleinen Fläche von 882 km2 ("30 mal 30 Kilometer") die Hälfte der heimischen Wertschöpfung erwirtschaftet.

56 Städte und Gemeinden seien "die Wertschöpfungs-Hot-Spots". Dafür müsse es Gründe geben - nämlich lokale, regionale Strategien, denn überall würden ja die gleichen fiskal- und geldpolitischen Regeln gelten. Auch wenn man die Standortentwicklung mit Exzellenz lokal vorantreiben wolle, solle dies etwa nicht mehr Boden oder Flächen verbrauchen, meinte Helmenstein. Nicht nur rasche Genehmigungsverfahren, sondern auch "gute Konnektivität" sei nötig. Deshalb plädierte der Experte für "Infrastruktur-Korridore" entlang der Autobahnen, die systematisch entwickelt werden sollten. Für das gut ausgebildete Erwerbskräftepotenzial sollte es möglich sein, aus dem Wein- oder Waldviertel auch nach Krems, St. Pölten oder Tulln und nicht unbedingt nach Wien pendeln zu müssen. Von der Unternehmensgröße her sollte man sich nicht nur um die klassischen KMU mit unter 250 Arbeitnehmer konzentrieren, sondern auch das MidCap-Segment mit bis zu 2500 oder 3000 Leuten in den Fokus zu nehmen. Die KMU würden für Wertschöpfungs-Nuklei nicht ausreichen. "Es muss mehr Unternehmenswachstum zugelassen werden und auch gefördert werden."

Quelle: APA

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