Wirtschaft

"Sehnsucht nach schönem Gwand" — Trachtenbranche hofft auf verschobene Feiern

Große Hochzeiten, Kirtage, Oktoberfest: Alles abgesagt. Wie Trachtenschneider und -händler durchhalten.

Das Unternehmen Gössl Trachten hatte wie viele andere erhebliche Umsatzeinbußen. SN/gössl/oliver topf
Das Unternehmen Gössl Trachten hatte wie viele andere erhebliche Umsatzeinbußen.

Die Trachtenbranche hat derzeit wenig Grund zu feiern. Denn neue Dirndl, Lederhosen und Co. werden oft anlassbezogen gekauft. Und diese Anlässe finden seit Monaten nicht statt. Auch im Salzburger Heimatwerk brachen die Verkäufe ein. Geschäftsführer Hans Köhl schätzt den Rückgang auf 50 Prozent. Zumindest der Onlineverkauf, auch jener mit Stoffen, sei angesprungen. "Aber der August ist normalerweise ein starker Monat, vor allem wegen der Festspiele. Das ist heuer anders", sagt er.

Die Festspiele fanden zwar statt, allerdings nur in verkleinerter Form. "Sie sind ein großer Umsatzbringer. Besucher haben sich oft vor Ort eingekleidet und ein besonderes Outfit gegönnt", sagt Kerstin Reitterer, Leiterin der Branchenmesse Tracht & Country. Heuer fehlte das internationale Festspielpublikum. "Der Österreicher kauft auch ein, aber nicht in großem Stil." Insgesamt sehe die Lage in Österreich noch etwa besser aus als in Deutschland. "Die Absage des Oktoberfests war ein erheblicher Dämpfer." Reitterer schätzt den Umsatzeinbruch in der Branche für das heurige Jahr auf 30 Prozent. Im Frühjahr habe es noch weit düsterer ausgesehen. Offizielle Zahlen liegen aber keine vor. Nun rege sich aber vorsichtiger Optimismus: Bereits stornierte Bestellungen von Händlern seien nun doch abgerufen worden. Aufgrund der aufkeimenden Nachfrage findet nun auch von 20. bis 22. September die "Tracht & Country"-Händlermesse in Salzburg statt, verspätet und in abgespeckter Form als Pop-up-Tage.

Reitterer rechnet damit, dass die Pandemie auch noch im Frühjahr und Sommer Spuren hinterlässt. Als der Lockdown kam, hatten viele Händler die Ware für Herbst und Winter bereits bestellt. Jetzt sind die Lager voll und das Geld, das in die Frühjahrskollektion investiert werden müsste, fehlt zum Teil. "Die Branche wird 2021 sicher noch zur Erholung brauchen. Aufholen wird man 2020 aber nicht können."

Viele Produzenten haben als Reaktion auf die Krise Kollektionen verkleinert, so auch Gössl Trachten mit Sitz in Salzburg. Im Frühjahr gab es erhebliche Umsatzeinbußen, bestätigt Geschäftsführer Maximilian Gössl. Mitarbeiter waren vorübergehend in Kurzarbeit. Da in Europa produziert werde, habe man mit den Lieferketten keine größeren Probleme gehabt. "Auch im Sommer hatten wir dort, wo der Städtetourismus eingebrochen ist, weniger Geschäft. Umgekehrt konnten wir das durch mehr Nachfrage in den Freizeitregionen an den Seen gut kompensieren", sagt Gössl. Mit dem Juli war man recht zufrieden. "Im August und September erwarten wir wegen fehlender Feste einen größeren Einbruch. Das ist normalerweise unsere Hochsaison." Auch der Herbst werde schwierig. "Da müssen wir durchtauchen. Wir gehen aber davon aus, dass die Tracht danach einen Aufschwung erlebt", ist Gössl zuversichtlich. An den Erweiterungsplänen - 40 Geschäfte sind es derzeit - hält man fest. Noch heuer wird ein Standort in Obertauern eröffnet.

"Erst hat es uns den Boden unter den Füßen weggezogen", erinnert sich Stefan Wimmer von Wimmer schneidert ans Frühjahr. Erst habe man sich in Schleedorf mit dem Nähen von Schutzmasken beholfen - und drei Monaten Kurzarbeit für die 22 Mitarbeiter. Mittlerweile stehe man wieder auf halbwegs festem Boden. "Derzeit haben wir keinen Einbruch mehr", sagt Wimmer. Viele Brautpaare hätten zwar die große Feier aufs nächste Jahr verschoben, heiraten nun aber standesamtlich im kleinen Kreis. "Die wollen jetzt was Gscheits, das können sie dann für die kirchliche Trauung auch anziehen." Für die Zukunft ist er optimistisch. Irgendwann werden Feste und große Hochzeitsfeiern wieder möglich sein. "Und dann kommt die Sehnsucht nach schönem Gwand. Mein Trost ist: Unseren Betrieb gibt es seit über 280 Jahren. Meine Vorfahren haben viel größere Probleme gehabt als wir mit Corona. Wenn sie das geschafft haben, schaffen wir das jetzt auch."

Hans Köhl vom Heimatwerk übt sich in Zweckoptimismus - und holt die Mitarbeiter mit Mitte September aus der Kurzarbeit zurück. "Es muss einfach besser werden. Sonst schaut's düster aus."

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