Wirtschaft

Sie machen Web-Shops intelligenter

Vor zehn Jahren in Salzburg als Start-up gegründet, betreut Findologic heute mehr als 1000 Web-Shops in 23 Ländern. Ihr Ziel: Amazon die Stirn bieten und den Online-Einkauf auf den Kunden maßschneidern.

Die Macher hinter Findologic (v.l.): Georg Sorst, Gründer Matthias Heimbeck, Simon Reichel.  SN/findologic
Die Macher hinter Findologic (v.l.): Georg Sorst, Gründer Matthias Heimbeck, Simon Reichel.

Wer suchet, der findet: Für die Online-Einkaufswelt gilt das nicht mehr. Denn es ist nicht mehr der Konsument, der nach seinem Lieblingsstück sucht. Es ist das selbstlernende System, das für den Kunden das Richtige erkennt. Neulinge in der Online-Shopping-Welt mögen sich darüber noch wundern, dass ihnen quasi auf Knopfdruck maßgeschneiderte Produkte und Angebote präsentiert werden. Junge Konsumenten tun das nicht mehr. Intelligente Produktvorschläge, Personalisierung und hohe Suchgenauigkeit sind die Zutaten eines intelligenten Web-Shops.

Genau damit beschäftigt sich das IT-Unternehmen Findologic mit Sitz in der Stadt Salzburg. Und ist damit äußerst erfolgreich. Vor zehn Jahren vom Informatiker Matthias Heimbeck gegründet, zählt man mittlerweile 50 Mitarbeiter und betreut 1000 Web-Shops in 23 Ländern. Zu den Kunden zählen etwa Edeka, Expert, Penny, Libro oder Carrera. Jeden Monat erreiche man rund 40 Millionen Menschen. In den vergangenen sechs Jahren habe man umsatzmäßig jedes Jahr um 50 Prozent zugelegt, sagt Heimbeck. 75 Prozent des Umsatzes macht man derzeit noch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Doch die Internationalisierung soll vorangetrieben werden. Ein eben erhaltenes Investment im mittleren einstelligen Millionenbereich des deutschen BE Beteiligungs Fonds soll dabei helfen. Die großen Wachstumsmärkte für intelligente Web-Shops seien Großbritannien, Frankreich und die USA, sagt Heimbeck. Gleichzeitig will man auch in die technologische Entwicklung investieren. Mittlerweile erfolgten 60 Prozent der Zugriffe auf Webseiten von mobilen Geräten aus, "und dieser Bereich wächst weiter", sagt Heimbeck. Auch personalmäßig will man bei Findologic weiter aufstocken. "Das ist jetzt vielleicht ein wenig übertrieben gesagt, aber wir wollen 500 werden und nicht 50 bleiben", erklärt der Chef voll Optimismus und Enthusiasmus.

Die Nachfrage, aus bestehenden Web-Shops intelligente Online-Shoppingwelten zu machen, dürfte jedenfalls weiter wachsen, gilt es doch, Amazon die Stirn zu bieten. In Österreich ist der Onlinehandel fest in der Hand des US-amerikanischen Online-Riesen. 2017 setzte das Unternehmen hierzulande rund 690 Mill. Euro um, dazu kommt ein Umsatz von etwa 700 Mill. Euro, den Amazon über seinen Marktplatz lukriert.

Dem österreichischen Handel ist das ein Dorn im Auge - insbesondere der Marktplatz, über den Drittanbieter bei Amazon ihre Waren anbieten. Dieser soll künftig von einer eigenen Regulierungsbehörde kontrolliert und reguliert werden, forderte der Handelsverband am Montag. Die Interessensvertretung will eine gesetzliche Regelung vergleichbar mit dem Telekommunikationsgesetz.

Die Regulierungsbehörde soll demnach Gleichbehandlung, diskriminierungsfreien Zugang zum Marktplatz und fairen Zugang zu Daten sicherstellen, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will. Amazon behalte sich das Recht vor, Verträge mit seinen Marktplatz-Händlern jederzeit ohne Grund und mit sofortiger Wirkung zu kündigen oder auszusetzen, kritisierte er. "Kleine Webshop-Betreiber haben in Österreich mittelfristig kaum mehr eine Marktchance und sind von einer Listung bei Amazon regelrecht abhängig. Viele Verbraucher starten ihre Produktsuche direkt bei Amazon. Aus der Sicht des Konsumenten existiert ein Produkt somit nicht, wenn dieses nicht auf Amazon gelistet ist."

Findologic-Gründer Heimbeck sieht im dynamischen E-Commerce eine Überlebenschance. Auch kleinere Händler könnten Alternativen zu Amazon bieten, denn der Symapthie-Bonus des Online-Riesen schwinde. "Jede Handelsbranche wird in dem Bereich jetzt durcheinander gewirbelt." Aus Sicht Heimbecks wird E-Commerce in Zukunft der bestimmende Bestandteil der modernen Handelswelt sein. "Natürlich wünsche ich den stationären Händlern, dass sie sich vernetzen und überleben", sagt der Findologic-Gründer. Die Zukunft sieht er allerdings so: "Wo heute in den Städten noch Händler sind, wird es in 15 Jahren Kinderbetreuung, Yogastudios und solche Dinge geben. Die Städte werden lebendig bleiben, halt mit anderen Ideen."

Aufgerufen am 15.12.2019 um 11:25 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/sie-machen-web-shops-intelligenter-64087495

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