Wirtschaft

Sozialpartner einigten sich auf Fahrradzusteller-KV

Die Sozialpartner haben sich auf den weltweit ersten Kollektivvertrag (KV) für Fahrradzusteller geeinigt. Für angestellte Fahrradboten und Essenszusteller hat es bisher keinen eigenen KV geben. Ab 1. Jänner 2020 gilt nun ein Basislohn von 1.506 Euro brutto im Monat plus Weihnachts- und Urlaubsgeld, wie Gewerkschaft und Wirtschaftskammer am Dienstag mitteilten.

Ab 1. Jänner 2020 gilt ein Basislohn von 1.506 Euro brutto SN/APA (Symbolbild)/LUKAS HUTER
Ab 1. Jänner 2020 gilt ein Basislohn von 1.506 Euro brutto

Mit dem Boom der Online-Essensbestellportale wie Lieferservice und Mjam ist die Zahl der Fahrradzusteller in den vergangenen Jahren in Österreich - vor allem in Wien - stark gestiegen. Aber auch Paketdienste wie DHL und UPS setzten immer stärker auf Fahrradboten. Viele Zusteller arbeiteten bisher als Selbstständige oder als freie Dienstnehmer. Die Gewerkschaft schätzt, dass es mehrere tausend Fahrradzusteller in Österreich gibt. Wie viele ab 2020 dann als Angestellte unterwegs sein werden, lässt sich aus Gewerkschaftssicht derzeit noch schwer abschätzen.

Der Kollektivvertrag wird jedoch bei Mjam, der größten Online-Essensbestellplattform Österreichs, nur für einen kleinen Teil der Boten gelten. "Ungefähr zehn Prozent unserer rund 1.200 Fahrradkuriere in Österreich, die fallweise oder regelmäßig für uns arbeiten, haben eine fixe Anstellung und für sie gilt der neue Kollektivvertrag", hieß es von Mjam auf APA-Anfrage. Die restlichen Mjam-Zusteller sind als freie Dienstnehmer unterwegs. Für diese Boten hat Mjam per Anfang 2019 "eine eigene Lösung mit einer Gehaltserhöhung, die rund 20 Prozent ausmacht" fixiert. Delivery Hero hat seine beiden Töchter Mjam und Foodora in Österreich im Frühjahr 2019 miteinander verschmolzen.

Mjam war in die KV-Verhandlungen teilweise eingebunden, hat aber noch keine Details zum KV-Abschluss erhalten. "Bis zum heutigen Tag haben wir aber noch keine finalen Verhandlungsergebnisse von der Gewerkschaft erhalten, deshalb können wir noch nichts darüber sagen", so Mjam-Geschäftsführer Artur Schreiber.

Die Gewerkschaft vida und der Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) haben seit Februar einen eigen Fahrradzusteller-KV verhandelt. Bisher waren die Fahrradboten, die fix angestellt sind, als Arbeiter dem freien Gewerbe zugeordnet. "Mit diesem KV-Abschluss haben wir den Grundstein zur arbeits- und sozialrechtlichen Absicherung der Fahrradboten gesetzt", so Karl Delfs, Bundessekretär des vida-Fachbereichs Straße und Günther Reder, Obmann des WKÖ-Fachverbands Güterbeförderungsgewerbe, in einer Aussendung. Diese Einigung sei "ein kräftiges Zeichen einer funktionierenden Sozialpartnerschaft", sagte Reder.

Der Kollektivvertrag für Fahrradzusteller sieht eine 40-Stunden-Woche mit der Option auf eine 4-Tage-Woche vor. Pro gefahrenem Kilometer gibt es eine Equipmentpauschale von 0,14 Euro für die Verwendung von Privatfahrrädern und Privat-Handys. Für vida-Vorsitzenden Roman Hebenstreit ist mit dem neuen Fahrradzusteller-KV ein "enormer Schlag gegen die Scheinselbstständigkeit gelungen". Es sei ein "sehr gutes Verhandlungsergebnis", sagte Hebenstreit zur APA.

Quelle: APA

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