Wirtschaft

Sozialversicherung mit Lohnverrechnungsumstellung zufrieden

Der Hauptverband der Sozialversicherungen ist zufrieden mit dem seit Jänner laufenden vereinfachten Meldesystem für die Lohnverrechnung. Dank neuer Software und Erfassung habe die Sozialversicherung korrekte Daten wesentlich rascher zur Verfügung, sagte Alexander Biach, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands. Nach Abschluss der Umstellung würden auch die Firmen die Vorteile spüren.

Biach ist mit der schnellen Verarbeitung der Daten zufrieden SN/APA/HANS KLAUS TECHT
Biach ist mit der schnellen Verarbeitung der Daten zufrieden

Das neue Meldesystem sieht die monatliche Übermittlung von Daten der Lohnverrechnung an die Sozialversicherung vor. Diese werden automatisiert auf Korrektheit überprüft. Damit stehen nun laufend aktuelle und korrekte Daten zur Verfügung, sagte Biach am Donnerstag in Wien vor Journalisten. Man könne beispielsweise tagesaktuell feststellen, wer Anspruch auf eine Befreiung von der Rezeptgebühr hat. Mehrfachversicherungen könnten aktuell gegengerechnet werden. Auch das Pensionskonto könne künftig aktuell geführt werden, statt mit Verzug von über einem Jahr.

Zwei Stichtage - jeweils der 15. Februar und März - seien gut über die Bühne gegangen. Immerhin gehe es um 3,5 Mio. Meldungen pro Monat, der Großteil knapp vor dem 15. des Folgemonats, sagte Volker Schörghofer, Generaldirektor im Hauptverband der Sozialversicherungen. Für 96 Prozent der unselbstständig Beschäftigen seien die Meldungen eingetroffen, obwohl man noch (bis 31. August) in der sanktionsfreien Periode sei. Für den Rest gebe es von der Sozialversicherung Vorschreibungen an die Betriebe. 3,5 Mrd. Euro Beitragseinnahmen pro Monat werden über das System verbucht.

Im Handel mit seinen 80.000 Unternehmen und 600.000 Mitarbeitern habe es einen "guten Start" gegeben, sagte auch Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer, im gemeinsamen Pressegespräch. Es gebe nur "ganz wenige Beschwerden". Probleme ergaben sich in den ersten Monaten mit der Rundung auf den letzten Cent, das sei inzwischen behoben, sagte Biach. Auch bei den Namensabgleichen habe es Fehlermeldungen gegeben. Demnächst behoben werden sollen Probleme mit Arbeitnehmern, die beim gleichen Arbeitgeber mehrere Dienstverhältnisse haben.

Kurzfristig kostet die Umstellung, mittelfristig gibt es aber Hoffnung auf Ersparnisse. Die Sozialversicherung habe 45 Mio. Euro investiert, davon 30 Mio. durch hausinterne Umschichtungen und 15 Mio. Euro als zusätzliche Ausgaben. Dafür werde man sich jährlich 7,1 Mio. Euro ersparen, die Investition sich also in rund sieben Jahren amortisieren, rechnete Biach vor.

"Ersparen tut man sich jetzt einmal gar nichts, es kostet jetzt einmal Geld", sagte Buchmüller und ergänzte: "Ich denke nach zwei, drei Jahren wird es sicherlich so automatisiert sein, dass Betriebe auch Verwaltungskosten und Personal sparen". Die Höhe möglicher Einsparungen wollte Buchmüller ebenso wenig schätzen wie den aktuellen Investitionsbedarf.

Schätzungen, dass das neue System zu jährlichen Einsparungen von 300 Mio. Euro führen könnte, seien 2014 vom Finanzministerium gekommen und hätten sich auf die Gesamtwirtschaft bezogen, sagte Biach. "Wir haben gesagt, der Weg dorthin ist ein schwieriger, der einmal begonnen werden muss." Am Anfang koste er sicherlich Geld.

Biach sieht das neue Meldesystem auch als Chance für andere Bereiche, in denen die öffentliche Hand Geld einhebt. "Wir haben damit eine Grundlage geschaffen, die für die Einhebung auch anderer Abgaben und Steuern anwendbar ist." In Bezug auf die Sozialabgaben sei vorerst klar: Die Einhebung von Beiträgen soll bei der Sozialversicherung bleiben. Es werde aber diskutiert, wie die Prüfung der korrekten Abgabenleistung gemeinsam mit dem Finanzministerium gestaltet werden kann. Bisher habe das Finanzministerium nach dem Zuflussprinzip, die Sozialversicherung nach dem Anspruchprinzip geprüft, "das hat nicht zusammengepasst". Nun werde eine gemeinsame Prüfung unter Führung des Finanzministeriums besprochen.

Quelle: APA

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