Österreich

Starre Fronten bei der Arbeitszeitflexibilisierung

Die Bundesregierung macht einen neuen Anlauf zur Arbeitszeitflexibilisierung - und übergibt den Job an die Sozialpartner. Diese haben das Thema schon seit Jahren bei den Kollektivvertragsverhandlungen auf der Agenda, sind sich aber nur sehr bedingt näher gekommen. Die Arbeitnehmervertreter fürchten ungesund lange Arbeitszeiten und eine Streichung von Überkostenzuschlägen durch die Hintertür.

Die Arbeitgeber wiederum wollen bis zu 12 Stunden am Tag arbeiten lassen, wenn Arbeit da ist. Die derzeitige Deckelung von maximal zehn Stunden (mit wenigen Ausnahmen) sei bei Auftragsspitzen realitätsfremd. An der Gesamtarbeitszeit soll sich aber nichts ändern. Außerdem müssten die Durchrechnungszeiträume für die Überstundenabgeltung verlängert werden, so die Arbeitgeber.

Ein Vorbild für eine Einigung könnte das Modell der Metallindustrie sein, deren Kollektivvertrag traditionell die Herbstlohnrunde einleitet. Jahrelang wurde heftig darüber gestritten, im Sommer des Vorjahres verständigte man sich darauf, über einen Durchrechnungszeitraum von bis zu 52 Wochen die Normalarbeitszeit flexibel zu verteilen. Die Grenzen der Normalarbeitszeit mit 9 Stunden pro Tag und 45 Stunden pro Woche blieben gewahrt. Zusätzliche Arbeit muss spätestens zwei Wochen vor Beginn der jeweiligen Arbeitswoche angekündigt werden. Arbeitnehmer können Zeitguthaben über mehrere Jahre ansammeln.

Ein anderes Modell wäre eine Alterssplittung - sprich längere Arbeitszeiten mit höherem Verdienst für junge Mitarbeiter und entsprechend kürzere Zeiten für ältere Mitarbeiter. Dieses Modell wurde in der Vergangenheit von der Industrie vorgeschlagen.

Bereits eingeführt ist in einigen Industriebranchen die sogenannte Freizeitoption, die die Gewerkschaften gerne großflächig verbreitet hätten. Wer auf die kollektivvertragliche Gehaltserhöhung verzichtet, erhält anteilsmäßig mehr Freizeit, die am Stück oder über das Jahr verteilt konsumiert werden kann. Bei einer dreiprozentigen KV-Erhöhung wären das 7,5 Tage. Über das Interesse der Arbeitnehmer an dieser Lösung gehen die Meinungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretern auseinander. Letztere behaupten, dass das Interesse groß sei.

Als Streitthema ist die Arbeitszeitflexibilisierung jedenfalls nicht neu, zeigt ein Blick ins APA-Archiv. Im Nationalratswahlkampf 2013 richtete die ÖVP der SPÖ aus, diese habe bei dem Thema "Panikattacken", die offensichtlich "stündlich zunehmen würden". Die SPÖ wiederum sprach von "Lohnraub".

Quelle: APA

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