Wirtschaft

Streikalarm am Flughafen Wien überschattet den Ferienstart

Die Gewerkschaft Vida will Billigairlines in Österreich in einen branchenweiten Kollektivvertrag zwingen. Das soll Lohn- und Sozialdumping verhindern. Aber Airlines lassen sich schwer fesseln.

Gewerkschaft vida droht mit Airline-Generalstreik. SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Gewerkschaft vida droht mit Airline-Generalstreik.

Fliegen kann im Sommer zur Mühsal werden, in den vergangenen Jahren standen Flugausfälle, Verspätungen und gestrandete Passagiere auf der Tagesordnung. Heuer könnte noch eine weitere Ursache Chaos am Flughafen auslösen: Mitten in den Ferienbeginn platzt eine breite Streikdrohung der Dienstleistungsgewerkschaft Vida, die für das fliegende Personal zuständig ist, also Flugbegleiter und Piloten. Sie stellt für den Sommer einen "Generalstreik bei allen Airlines in Österreich" in den Raum.

Die Gewerkschafter wollen damit ihrer Forderung nach einem branchenweiten Kollektivvertrag für die gesamte Luftfahrtbranche Nachdruck verleihen. Die Forderung ist nicht neu, Aktualität erhält sie aber durch den zugespitzten Wettbewerb vor allem am Flughafen Wien, wo seit Monaten mehrere Billigfluggesellschaften erbittert um Passagiere und Marktanteile kämpfen. Dabei komme es zu Wettbewerbsverzerrungen und zu "Ausbeutungen des Airline-Personals durch Lohn- und Sozialdumping, insbesondere im Low-Cost-Carrier-Bereich", beklagt die Gewerkschaft.

Verantwortung für diese Entwicklung sieht die Gewerkschaft Vida bei der Wirtschaftskammer (WKO), weil diese sich gegen die Forderung nach einem Branchen-KV für die Luftfahrt querlege, wie er in anderen Branchen üblich sei. Daniel Liebhart, Vorsitzender des Vida-Fachbereichs Luftfahrt, kritisiert "die immer absurder werdende Kollektivvertragspolitik der Wirtschaftskammer". Die WKO lege sich nicht nur gegen einen branchenweiten Luftfahrt-KV quer, sondern verweigere auch Verhandlungen mit einzelnen Airlines für zumindest firmeninterne KV bei Billig-Airlines oder unterstütze "unannehmbare Angebote" wie ein kolportiertes Gehalt von 1261 Euro brutto monatlich für Flugbegleiter. Vida fordert Mindeststandards in Form von fairen Gehältern, "Arbeitszeiten, die auch mit einem Familien- und Sozialleben vereinbar sind", sowie transparente Preisbildung für die Kunden.

Die WKO weist die Vorwürfe zurück. In der internationalen Luftfahrt seien Branchen-KV "absolut unüblich", sagt Christian Domany, Vorsitzender der Berufsgruppe Luftfahrt. Ein Branchentarif würde das Ziel der Wirtschaft konterkarieren, Standort und Arbeitsplätze zu sichern. Die WKO zeigt sich "erstaunt" über die Streikdrohung, es habe zuletzt Fortschritte bei den Bemühungen um KV auf Betriebsebene gegeben. Mit Eurowings und Lauda gibt es Firmen-KV, mit Level sind Gespräche ins Stocken geraten. Die ungarische Wizz Air erlaubt keinen Betriebsrat, damit gibt es keinen Ansprechpartner.

Urlauber brauchen sich zumindest im Juli keine Sorgen machen. Weil es zunächst einmal "Krisengipfel" mit den Airlines geben soll, könnte es frühestens im August zu den angedrohten Kampfmaßnahmen bis hin zum Streik kommen.

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