Tag der Arbeitslosen - Rufe nach mehr sozialer Gerechtigkeit

Parteien und Interessensvertreter haben den heutigen "Tag der Arbeitslosen" zum Anlass genommen, mehr soziale Gerechtigkeit einzufordern. "Es braucht eine sozial gerechte Arbeitsmarktreform", fordern etwa die Wiener Grünen und rufen dazu auf, das Volksbegehren "Arbeitslosengeld rauf" zu unterschreiben. Die Arbeiterkammer (AK) wiederum mahnte ein "wirkungsvolles Maßnahmenpaket zur beruflichen Re-Integration von Langzeitarbeitslosen" ein.

324.977 Menschen sind aktuell arbeitslos beim AMS gemeldet

arbeit plus, ein Netzwerk von rund 200 sozialen Unternehmen, kritisierte, dass die Rahmenbedingungen und Unterstützung für bestimmte Gruppen unzureichend seien und zählte dabei Menschen mit gesundheitlichen oder psychischen Problemen und pflegende Angehörige sowie ältere Menschen auf. Die Corona-Pandemie habe die ohnehin schon schwierigen Lebensumstände für sie oft noch verschärft.

Die Gewerkschaften ÖGB, vida und PRO-GE erneuerten heute ihre Forderung nach einem Mindestlohn von 1.700 Euro brutto und einer Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Im Rahmen einer Pressekonferenz machten sie auf "schwierigen Zustände" für Arbeiterinnen aus Reinigungsbranche und Produktion aufmerksam. "Fast 50.000 Menschen in Österreich sind beispielsweise in der Reinigung beschäftigt, knapp 68 Prozent davon sind Frauen", rechneten sie vor.

Die Hilfsorganisation Licht erinnerte daran, dass 64 Prozent aller Menschen mit Behinderungen weltweit arbeitslos sind. Hier würden "Talente von 785 Millionen Menschen verschwendet".

Laut den heimischen Arbeitslosenzahlen von dieser Woche sind 324.977 Menschen ohne Job, davon sind 251.633 arbeitslos und 73.344 in AMS-Schulungsmaßnahmen - Tendenz leicht steigend. 50.039 Personen sind zur Kurzarbeit angemeldet.

Das gewerkschaftsnahe Momentum Institut hat gestern vorgerechnet, dass die Hälfte aller Arbeitslosen in Österreich weniger als 992 Euro netto erhält. Rund 90 Prozent aller Berechtigten würden eine Unterstützung beziehen, die unter 1.328 Euro liegt, der Armutsgefährdungsschwelle für Ein-Personen-Haushalte.

Quelle: APA