Wirtschaft

Tankstellen-Boykott: WhatsApp-Protest gegen hohe Spritpreise auch in Salzburg

Ein Aufruf zum Tankstellen-Boykott landet derzeit per WhatsApp auf den Handys vieler Salzburger. Selbst wenn am Montag Autofahrer den Zapfsäulen fern bleiben: Der Kettenbrief wird seine Wirkung verfehlen.

In Frankreich wird gegen hohe Spritpreise demonstriert – in Österreich dazu aufgerufen. SN/APA/AFP/SEBASTIEN SALOM GOMIS
In Frankreich wird gegen hohe Spritpreise demonstriert – in Österreich dazu aufgerufen.

"Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin- und Dieselpreise." Diese Nachricht bekommen derzeit viele Österreicher von Freunden per WhatsApp geschickt. Am kommenden Montag sollten Autofahrer nicht tanken, so der Aufruf. Wer unbedingt tanken müsse, solle dies noch am Sonntag tun. Gefolgt vom Hinweis: "Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren." [sic!]
Der Kettenbrief, der vor allem über WhatsApp und Facebook geteilt wird, kommt ursprünglich aus Deutschland. "Dort verbreitet er sich schon seit einigen Tagen. Jetzt wird er auch in Österreich massiv geteilt", erklärt Andre Wolf vom Verein Mimikama, der gegen Falschmeldungen im Internet kämpft. "Das ist eine völlig unsinnige Art des Protests. Damit verschiebt man lediglich den Einkauf und erschafft künstlich eine Art Rush-Hour, also einen ganzen Sonntag oder auch Dienstag, an dem die Preise noch höher sein werden, weil mehr Kunden da sind", sagt Wolf.

In Frankreich wird gegen hohe Spritpreise demonstriert – in Österreich dazu aufgerufen. SN/screenshot
In Frankreich wird gegen hohe Spritpreise demonstriert – in Österreich dazu aufgerufen.


Wer hinter dem Kettenbrief steht, hat auch der Wiener Faktenchecker Wolf nicht herausgefunden. "Das ist in diesem Fall nicht zurückverfolgbar." Warum die vor Fehlern strotzende Nachricht so stark verbreitet wird, liegt für Wolf auf der Hand: "Er trifft den Zeitgeist, weil er den Menschen aus der Seele spricht. Dazu kommt die Aktivismuskomponente: In dem man den Kettenbrief verbreitet, hat man das Gefühl, schon etwas getan zu haben." Sinnvoller seien jedoch andere Methoden: Fahrgemeinschaften bilden, auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder andere Formen des Protests zu finden.

Spritpreise steigen

Die Preise für Benzin und Diesel waren in der jüngeren Vergangenheit die Preistreiber Nummer eins in Österreich. Monat für Monat kletterten die Preise im Jahresabstand praktisch um zweistellige Prozentsätze nach oben, im September zum Beispiel waren es fast 14 Prozent und Treibstoffe waren nach Berechnungen der Statistik Austria für ein Fünftel des gesamten Preisauftriebs von zuletzt zwei Prozent verantwortlich. Tanken war zuletzt vor vier Jahren so teuer wie heute - im Oktober 2014. Parallel dazu hat sich der Preis für Diesel, der in Österreich traditionell um einige Cent pro Liter weniger kostet als Superbenzin und auch steuerlich bevorzugt ist, zuletzt immer stärker an den Benzinpreis angenähert.

"Gelbwesten": Proteste in Frankreich

Öffentlich gegen Spritpreise protestiert wird hingegen in Frankreich. Am Samstag waren zum Auftakt der landesweiten Aktion knapp 290.000 Menschen auf die Straße gegangen. Die Proteste der Bürgerbewegung "Gelbe Warnwesten" liefen allerdings aus dem Ruder, mittlerweile gibt es zwei Todesopfer. Insgesamt wurden seit Samstag etwa 530 Menschen verletzt, 17 von ihnen schwer. Die Bürgerbewegung protestiert unter anderem gegen die geplante Erhöhung der Diesel- und Benzinsteuer zum 1. Jänner. Auch am Mittwoch beteiligten sich tausende Menschen an Straßenblockaden und anderen Protestaktionen.


Aufgerufen am 23.09.2020 um 09:30 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/tankstellen-boykott-whatsapp-protest-gegen-hohe-spritpreise-auch-in-salzburg-61245793

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