Wirtschaft

Touristische Sporthändler zittern erneut um Wintersaison

Die heimischen Sportartikelhändler in den Tourismusregionen zittern aufgrund coronabedingt ausbleibenden Touristen erneut um das Wintergeschäft. In der vergangenen Wintersaison 2020/21 verzeichneten die touristischen Sporthändler Umsatzverluste zwischen 70 und 95 Prozent. Scharfe Kritik gibt es an der langsamen Abwicklung der Coronahilfen. Viele Händler haben den im Spätwinter und Frühjahr beantragen Verlustersatz noch nicht erhalten.

Die Sporthändler warten auf Gäste aus dem Ausland. SN/APA/dpa/Philipp von Ditfurth
Die Sporthändler warten auf Gäste aus dem Ausland.

Der Sportartikelhändler Christoph Bründl wartet seit 254 Tagen auf die Auszahlung der Coronahilfe. Es gehe um "einen Millionenbetrag", sagte der Händler mit 31 Sportgeschäften in Salzburg, Tirol und der Steiermark bei einem Hintergrundgespräch. Es sei unerträglich, wie Unternehmer in der Pandemie von der Politik hingehalten würden. "Der letzte Winter war kritisch, dieser wird kritischer", erwartet der Sporthändler. Besonders ärgert Bründl, dass Supermärkte im Lockdown wieder Sportartikel verkauft haben. "Da hat die Politik erneut zugeschaut."

Auch für Intersport-Österreich-Geschäftsführer Thorsten Schmitz sind die Verzögerungen bei der Auszahlung des Verlustersatzes "nicht akzeptabel". "Der Prozess der Freigabe dauert unendlich lange." Ein zentrales Thema ist für Schmitz auch die Erhöhung der Impfquote. "Vielleicht wäre es besser mit Anreizen zu arbeiten und jedem Geimpften einen Shopping-Gutschein von 1.000 Euro zu geben. Der Schaden wäre vielleicht geringer als jener eines weiteren Lockdowns."

Der vierte Corona-Lockdown in Österreich hat die Sporthändler wieder hart getroffen. "Statt durch klare Regelungen und Konsequenz Planungssicherheit zu ermöglichen, befindet sich die Branche erneut in einem Modus der absoluten Unsicherheit, bevor die Wintersaison überhaupt begonnen hat", so der Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich, Michael Nendwich. Ein möglicher Weihnachts-Lockdown in Deutschland sowie die Gefahr der Omikron-Variante hänge "wie ein Damoklesschwert über dem touristischen Sportfachhandel".

"Die Gäste wollen kommen, es kennt sich nur keiner aus, in welcher Form das möglich ist", so Sport-2000-Chef Holger Schwarting. Man hoffe, dass "die Grenzen offen bleiben". Die wirtschaftliche Lage der Sporthändler ist angespannt. Im vergangenen Jahr haben sich die Hausbanken der Händller laut Schwarting loyal verhalten. "Wenn diese Saison wieder nichts wird, bin ich nicht sicher, wie die Banken reagieren werden." Wenn die Wintersaison heuer erneut so schlecht wie im ersten Corona-Krisenjahr laufe, dann brauche man Liquiditätsunterstützung vonseiten der Regierung.

Die größten Herausforderungen für die Sporthändler in den Tourismusregionen sind derzeit Liquiditätsengpässe, finanzielle Einbußen, (regionale) Lockdowns und internationale Reisebeschränkungen sowie Saisonware im Lager, geht aus einer aktuellen Branchenbefragung des Sportökonomie-Instituts SportsEconAustria (SpEA) hervor. SpEA-Chef Christian Helmenstein rechnet nicht mit einer wesentlichen Verbesserung gegenüber dem ersten Corona-Krisenwinter. "Die Abhängigkeit des touristischen Sportfachhandels von den Branchen Hotellerie, Gastronomie und Tourismus ist sehr stark", so Helmenstein.

Ein großes Problem für die Sporthändler ist weiters die Abwanderung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in andere Branchen. Manche Wintersport-Fachkräfte sind auch in die Schweiz oder nach Südtirol ausgewichen, wo kein Lockdown verhängt wurde. Man unternehme alles, was möglich sei, um die Mitarbeiter zu halten, hieß es von den Sporthandelsvertretern unisono.

In touristischen Regionen gibt es rund 750 Sportartikelgeschäfte, der Großteil befindet sich in Westösterreich. 94 Prozent der Betriebe sind familiengeführte Einzelunternehmen. Die Sportfachhändler in Wintersportorten sind sehr stark von ausländischen Touristen abhängig. Die Umsätze mit Gästen aus Deutschland, den Niederlanden und England beliefen sich laut Branchenschätzungen in Vorkrisenzeiten auf einen Erlösanteil von 70 Prozent. Neben dem Warenverkauf sind für Händler auch Ski- und Snowboard-Verleih, Service und Depot wichtige Umsatzbringer.

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