Wirtschaft

Treichl schaut bald nur noch auf Dividenden

Nach einem Rekordergebnis 2018 konzentriert die Erste Group die Kräfte auf die Expansion über ihre Online-Banking-Plattform George.

Andreas Treichl geht Ende 2019 als Vorstandschef der Erste Group in Pension. SN/www.picturedesk.com
Andreas Treichl geht Ende 2019 als Vorstandschef der Erste Group in Pension.

Andreas Treichl wird Ende des Jahres sein Amt als Vorstandschef der Erste Group an Bernhard Spalt übergeben und künftig die Geschicke der Erste Stiftung leiten. Die ist mit 11,28 Prozent größter Einzelaktionär der Bank (gemeinsam mit syndizierten Partnern, den Sparkassen und der Caixa Bank sind es 30 Prozent) und finanziert ihre Arbeit aus den Dividenden der Bank.

In Zukunft könne die Ausschüttung an die Aktionäre "gar nicht hoch genug sein", sagte Treichl bei der Präsentation der Ergebnisse des Jahres 2018. Das brachte mit fast 1,8 Mrd. Euro einen Rekordgewinn, die Aktionäre erhalten eine um 20 Cent auf 1,40 Euro je Aktie erhöhte Dividende. Für 2019 gehe man von einem Anstieg aus, sagte Treichl, zumal er keine Notwendigkeit sieht, das Eigenkapital aufzustocken. Mit 13,5 Prozent Kernkapitalquote (im Jahr 2009 waren es noch 8,3 Prozent) habe man das für 2020 gesteckte Ziel ein Jahr früher erreicht. Er wäre "echt sauer", sollten die Regulatoren der Erste Group zusätzlichen Kapitalbedarf vorschreiben, "für unser Geschäftsmodell reicht das locker aus", sagte Treichl.

Geld soll aber nicht nur an Aktionäre fließen, sondern auch für die Expansion verwendet werden, dafür kämen auch neue Länder wie etwa die Schweiz oder Deutschland in Frage. Allerdings soll der Markteintritt über die Online-Banking-Plattform George erfolgen, erst in weiterer Folge sei eine physische Präsenz über Bank-Shops vorstellbar. Wann ein solcher Schritt erfolgen könnte, ließ Treichl offen, derzeit sei man noch damit beschäftigt, George in den bestehenden Märkten der Erste Group zu etablieren. Aktuell nutzten 4,4 Millionen Kunden das Online-Angebot, sagte Privatkunden-Vorstand Peter Bosek. Über alle Kanäle habe es 2018 rund eine Milliarde Kundenkontakte gegeben, drei Viertel davon online. Trotz des starken Trends zum digitalen Banking werde man auf die physische Präsenz in Form der Bankfiliale aber nicht verzichten, sagte Bosek.

Die Erste Group vergab 2018 um sieben Prozent mehr Kredite an ihre Kunden, das Volumen lag zu Jahresende bei 149,3 Mrd. Euro. Rund zwei Drittel entfallen auf Privatkunden, bei Firmenkunden gab es einen relativ höheren Zuwachs der Kredite an Klein- und Mittelbetriebe. Die Einlagen der Kunden stiegen um 7,7 Prozent auf 162,6 Mrd. Euro. Die Risikokosten blieben 2018 auf historisch niedrigem Niveau, der Anteil der nicht bedienten Kredite ging zurück. Für heuer erwartet Risikovorstand Willibald Cernko einen moderaten Anstieg der Risikokosten.

Die wirtschaftlichen Aussichten für die Region, in der die Erste tätig ist, seien langfristig sehr rosig, sagte Treichl, kurzfristig gibt nur Rumänien Anlass zur Sorge. Dort plant die Regierung die Einführung einer Bankensteuer, die Institute mit nur lokaler Präsenz in große Schwierigkeiten bringen werde. Für die Erste Group wäre die Steuer verkraftbar. Man habe allerdings vorgesorgt und mehr als 100 Mill. Euro zurückgestellt, sagte Treichl.

Apropos Steuern: Bei der von der Regierung geplanten Steuerreform, bei der auch die Gewinnsteuer für Unternehmen gesenkt werden soll, hielte Treichl "eine breite und umfassende Einkommensteuerreform für sinnvoller als eine Senkung der Körperschaftsteuer". Ziel der Steuerpolitik sollte sein, Menschen den Vermögensaufbau zu ermöglichen.

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