Österreich

Tschechische Gruppe wird größter Casinos-Austria-Aktionär

Wende in der Bieterschlacht um die Casinos Austria: Nicht der niederösterreichische Erzrivale Novomatic, sondern eine tschechische Gruppe rund um die Milliardäre Karel Komarek und Jiri Smejc wird größter Eigentümer des teilstaatlichen Glücksspielkonzerns. Der Mühlenkonzern LLI und die UNIQA - beide gehören zum Raiffeisen-Reich - haben ihre Casinos-Anteile an die Tschechen verkauft.

Wende im Eigentümer-Poker um Casinos Austria.  SN/APA (Symbolbild)/HERBERT NEUBAUE
Wende im Eigentümer-Poker um Casinos Austria.

Die Tschechen halten nun durchgerechnet 34 Prozent an den Casinos Austria. Nachher kommen die staatliche Beteiligungsholding ÖBIB mit ihren 33,2 Prozent sowie Novomatic mit 17,2 Prozent. Weitere Eigentümer sind die ehemalige Kirchenbank Schelhammer & Schattera (jetzt Grawe-Gruppe) sowie kleinere private Aktionäre.

Eigentlich wollte Novomatic den Casinos-Alteigentümern insgesamt 40 Prozent ihrer Anteile abkaufen. Das Kartellgericht hat dazu aber im Sommer Njet gesagt - aus wettbewerbsrechtlichen Gründen dürfen die Niederösterreicher maximal 25 Prozent an den Casinos übernehmen. Novomatic hat gegen den Kartellgerichtsentscheid Rechtsmittel eingelegt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat schon eine Entscheidung gefällt, die in den nächsten Tagen zugestellt wird. Am Dienstag ist der OGH-Entscheid noch nicht angekommen, so Novomatic auf APA-Anfrage.

Novomatic hält derzeit weiter 17 Prozent an den Casinos Austria - jene Aktien der MTB-Privatstiftung von Maria Theresia Bablik. Diese Anteilsübertragung haben die Casinos-Aktionäre Mitte Dezember abgesegnet.

Novomatic hatte ursprünglich vor, den Alteigentümern der Casinos Austria insgesamt 40 Prozent abzukaufen. Nicht gecloste Kaufverträge gibt es mit dem Raiffeisen-Mühlenkonzern Leipnik Lundenburger (LLI) und der UNIQA.

Die beiden letzteren haben jetzt ihre Anteile aber an die tschechische Sazka-Gruppe von Komarek und Smejc verkauft, wie sie am Dienstag bekanntgaben. Es geht um Anteile von durchgerechnet jeweils 11,35 Prozent.

Die Casinos-Eigentümerstruktur ist kompliziert. UNIQA und LLI halten ihre Anteile nicht direkt, sondern indirekt. Konkret haben sowohl LLI als auch die UNIQA ihre jeweils 29,63 Prozent an der Beteiligungsgesellschaft Medial an die CAME Holding der Tschechen verkauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, die UNIQA rechnet laut einer Aussendung mit einem Veräußerungsgewinn von 47,6 Mio. Euro, ähnlich viel dürfte die LLI erwarten.

Die Medial hält 38,29 Prozent an den Casinos Austria. Sie wird nun von den Tschechen kontrolliert. Den ersten Schritt hat die Sazka-Gruppe bereits im September 2015 gemacht, als sie die CAME Holding, die ebenfalls 29,63 Prozent an der Medial bzw. durchgerechnet 11,34 Prozent an den Casinos Austria hält, von der Donau Versicherung (VIG-Konzern) übernommen haben.

Mit dem - freilich noch nicht geclosten - UNIQA/LLI-Deal halten die Tschechen zwar die Mehrheit an der Medial, aber dürfen nicht uneingeschränkt über sie bestimmen. Nach APA-Informationen braucht es nämlich laut dem Gesellschaftervertrag der Medial für alle Beschlüsse Einstimmigkeit, um die Stimmrechte (38 Prozent) ausüben zu können. Theoretisch wäre es also möglich, dass das zur Grawe-Gruppe gehörende Bankhaus Schelhammer & Schattera die Tschechen blockiert, hieß es zur APA. Weiterer Mini-Eigentümer der Medial (0,34 Prozent) sind die Casinos Austria selbst.

Der größte direkte Eigentümer der Casinos Austria ist also mit seinen 33,24 Prozent der Staat. Dieser hat aktuell nicht vor, seine Beteiligung abzustoßen oder auf eine Sperrminorität zu reduzieren. "Es laufen derzeit keine Gespräche zu einem möglichen Verkauf von staatlichen Anteilen an den Casinos Austria", sagte eine Sprecherin des zuständigen Finanzministeriums auf APA-Anfrage.

Novomatic begrüßte den Einstieg der tschechischen Sazka-Gruppe bei den teilstaatlichen Casinos Austria am Dienstagabend jedenfalls. "Wichtig ist, dass Klarheit über die Aktionärsstruktur bei der Casinos Austria AG besteht", so Novomatic-Chef Harald Neumann.

Was die Tschechen mit den Casinos vorhaben, ließen sie offen. Direkt mit Novomatic zusammenspannen, etwa über ein Syndikat, will man jedenfalls nicht. Freilich werde die Sazka-Gruppe mit Novomatic "genauso wie mit allen anderen Aktionären" zusammenarbeiten, so ein Sprecher des tschechischen Konsortiums. Auch zu Personalfragen, etwa ob Casinos-Boss Karl Stoss und sein Vorstandskollege Dietmar Hoscher länger als bis Jahresende 2017 bleiben dürfen, äußerte er sich nicht. Casinos-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner hatte diese Frage im Dezember vertagt, erst im März 2017 soll darüber entschieden werden.

Das Hauptinteresse der Tschechen an den Casinos dürfte der lukrativen Tochter Lotterien gelten. An dieser halten sie - wie auch Novomatic - bereits einen Anteil. Novomatic war vor mehr als einem Jahr mit 23,11 Prozent indirekt bei den Lotterien eingestiegen. Um das Bablik-Paket an den Casinos übernehmen zu dürfen, hat der niederösterreichische Konzern seine Lotterien-Beteiligung vorsorglich halbiert und an die tschechische Sazka-Gruppe abgegeben.

Die Lotterien sind eine 68-Prozent-Tochter der Casinos Austria und haben die österreichische Lotto-Lizenz inne. Diese berechtigt den Konzern nicht nur zum klassischen Lottospielen, sondern auch zum Online-Glücksspiel (win2day) sowie zum Zocken auf sogenannten Video Lottery Terminals. Das sind zentralvernetzte einarmige Banditen, die in den WINWIN-Spielhallen stehen.

Derzeit haben die Lotterien knapp 700 solcher Geräte in Betrieb, theoretisch dürften sie aber bundesweit 5.000 VLT aufstellen - und zwar ungeachtet etwaiger Automatenverbote in den Bundesländern.

Die Sazka-Gruppe gehört mit einem jährlichen Wettumsatz von mehr als 15 Mrd. Euro zu den größten Lotteriebetreibern Europas. Die Tschechen sind etwa an der griechischen Lotteriegesellschaft Opap, an der italienischen Lottoitalia und an der tschechischen Sazka beteiligt.

"Wir sind langfristig handelnde, strategische Investoren mit dem Ziel, Innovationen in großen europäischen Glücksspielkonzernen einzuführen. Das Investment in die Casinos Austria AG unterstreicht unsere Strategie. Gemeinsam mit anderen Aktionären möchten wir einen Beitrag zum nachhaltigen Wachstum der Casinos Austria leisten", teilte Stepan Dlouhy von der Sazka-Gruppe mit.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.09.2018 um 07:35 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/tschechische-gruppe-wird-groesster-casinos-austria-aktionaer-561655

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