Wirtschaft

Ukraine-Krise schmälert Wachstum und steigert Firmenpleiten

Der Kreditversicherer Acredia ortet wegen der Russland-Ukraine-Krise ein sich abschwächendes Wirtschaftswachstum und eine erhöhte Insolvenzgefahr in Europa und Österreich. Zentrales Risiko sei eine Unterbrechung von Lieferketten wegen des Konflikts. "Ab dem zweiten Quartal kann das spürbare Auswirkungen auf die Insolvenzneueröffnungen haben", so Acredia-Österreich-Chefin Gudrun Meierschitz in einer Aussendung. Acredia rechnet heuer mit 5.000 bis 5.500 Firmenpleiten.

Der Kreditversicherer teilt somit die Einschätzung heimischer Gläubigerschützer, wonach die Insolvenzahlen in Österreich heuer aufs Niveau von vor der Coronakrise ansteigen oder auch etwas darüber liegen werden. Gegenüber dem Vorjahr, als die Corona-Unternehmenshilfen voll griffen, bedeuteten gut 5.000 Pleiten ein Plus von etwa 175 Prozent. Fürs erste Quartal hatte der KSV1870 dieser Tage einen Anstieg von 110 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum gemeldet.

Die Weltwirtschaft erfährt durch den Ukraine-Konflikt einen erheblichen Dämpfer. Acredia und Euler Hermes rechnen auf Basis einer neuen Studie mit konfliktbedingten Einbußen von mindestens minus 2 Prozentpunkten. Beim globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) gehen die Ökonomen für heuer von einem reduzierten Zuwachs von 3,3 Prozent aus (-0,8 Prozentpunkte seit Beginn des Konflikts). Für 2023 wird ein Plus von 2,8 Prozent erwartet.

Die Situation in Österreich sei ähnlich. Vor der Ukraine-Krise gingen die Experten von einem BIP Wachstum von 4 Prozent aus. "Mittlerweile zeichnet sich ab, dass das BIP auch in Österreich weniger stark wachsen wird", sagte Meierschitz. "Derzeit rechnen wir für 2022 mit plus 2,6 Prozent." Noch vor Ausbruch des Konflikts und ohne einer weiteren Corona-Eskalation hatten heimische Wirtschaftsforschungsinstitute wie Wifo und IHS mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 4 und 5 Prozent gerechnet.

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