Wirtschaft

UNIQA-EGT durch Corona-Krise negativ - Dividende gedrittelt

Der UNIQA-Versicherungskonzern hat wegen der Corona-Krise seine Jahresprognose eingestampft. Bis März war das EGT negativ, auch im Gesamtjahr könnte es ein Minus geben. Die Dividende für 2019 wird gedrittelt, für 2020 soll sie ganz ausfallen. Kurzarbeit oder Job-Abbau sei aus jetziger Sicht nicht geplant, so CEO Andreas Brandstetter zur APA, für die Zukunft sei aber nichts auszuschließen.

Corona-Krise wirft auch bei UNIQA alle Pläne über den Haufen SN/APA/HERBERT NEUBAUER
Corona-Krise wirft auch bei UNIQA alle Pläne über den Haufen

Wegen der in den letzten März-Wochen unter Druck gekommenen Kapitalveranlagungen werde man im ersten Quartal ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von negativen 20 bis 30 Mio. Euro geschrieben haben - die genauen Zahlen sollen im Mai kommen. Voriges Jahr schloss man im ersten Quartal mit einem positiven EGT von 42,3 Mio. Euro ab. Ursprünglich hatte der börsennotierte Konzern für das Gesamtjahr 2020 ähnlich wie 2019 ein EGT von knapp unter 300 Mio. Euro angepeilt. Diese Prognose für 2020 könne man wegen der Covid-19-Auswirkungen nicht aufrechterhalten, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Die Corona-Krise wird massiv und langwierig sein, glaubt der UNIQA-Konzern nach Konsultierung vieler Experten und Behörden. Es werde wohl nicht vor dem zweiten Quartal 2021 einen ausreichend getesteten wirksamen Covid-19-Impfstoff geben - davon hänge aber alles ab. "Wir sind daher vorsichtig, denn die Corona-Effekte werden sich heuer nicht auf Knopfdruck auflösen", so Brandstetter im APA-Gespräch.

Es könne und werde "Jahre dauern, bis die Wirtschaft in Europa wieder das Vorkrisen-Niveau erreicht hat. Wir gehen von 2023/24 aus. Auch wenn man 2021 eine Impfung hat, glauben wir nicht an eine rasche makroökonomische Erholung. Wir rechnen mit einem jahrelangen negativen Impact auf Europa."

Einen Mitarbeiter-Abbau wegen der Corona-Krise "kann ich kurzfristig, für die nächsten Tage und Wochen ausschließen", betonte der CEO auf eine entsprechende Frage - aber nicht längerfristig auf Sicht von Monaten; da sei die weitere Entwicklung abzuwarten. Für Kurzarbeit habe man in der Gruppe mit 13.000 Beschäftigten, davon rund 6.000 in Österreich, niemanden angemeldet und plane das auch bis auf weiteres nicht. Man prüfe aber laufend alle Maßnahmen. Laut Brandstetter sind aktuell in Österreich 95 Prozent der Mitarbeiter im Home Office tätig, im Ausland wegen einer teils unterschiedlichen Rechtslage 90 Prozent. Im Gesamtkonzern habe es bisher fünf bestätigte Covid-19-Fälle gegeben.

Das Neugeschäft in Österreich sei durch die Krise zuletzt sehr stark zurückgegangen, teils um bis zu 50 Prozent. Noch gar nicht abzuschätzen sei der Umfang der durch die Krise bedingten Leistungen - nur bei Kfz sei die Entwicklung positiv, weil weniger gefahren werde. Besonders stark könnten laut Brandstetter die Auswirkungen in den Bereichen Betriebsunterbrechung, Eventausfälle und Sportevent-Absagen sein - allein hier habe die UNIQA in Österreich ein Exposure von zusammen 150 Mio. Euro durch die Pandemie. Zur Zeit gebe es zwar weniger Arzt- und Apothekenabrechnungen, weil die Menschen momentan weniger zum Arzt gingen, doch könnte das später umso stärker anziehen. Wenn Kunden mit Prämienzahlungen ein Problem haben, versuche man bei Privaten und Firmenkunden individuell Lösungen zu finden. Unter Einhaltung strengster Sicherheitsmaßnahmen sind die Kfz-Zulassungsstellen in Österreich ab heute wieder geöffnet.

Die für 2019 bereits beschlossene Dividende - es wäre die achte Erhöhung in Folge gewesen - soll nicht zur Gänze gestrichen, sondern auf ein Drittel reduziert werden, will man dem am Mittwoch tagenden Aufsichtsrat vorgeschlagen. Statt 54 Cent sollen 18 Cent je Aktie ausgeschüttet werden. Mit Blick auf die institutionellen Aktionäre, aber auch die rund 30.000 Kleinaktionäre in Österreich, die man am besonders guten Geschäftsjahr 2019 mitpartizipieren lassen wolle, trete man den Empfehlungen der europäischen Versicherungsaufsicht EIOPA und der heimischen Finanzmarktaufsicht (FMA) nicht näher, die soweit möglich für einen gänzlichen Verzicht plädiert hatten.

Die Kürzung erfolge für die Kapitalisierung des Konzerns, auch wenn diese Ende März noch um die 180 bis 185 Prozent gelegen sein dürfte - 2019 betrug die Solvenzquote aber noch 216 Prozent. Am Termin 25. Mai für die Hauptversammlung hält man fest, sie wird digital abgehalten - die Dividende könnte im Juni fließen.

An dem Anfang Februar bekannt gegebenen Kauf des AXA-Geschäfts in Polen, Tschechien und der Slowakei für eine Milliarde Euro hält UNIQA fest, so Brandstetter - das Closing ist weiterhin für das vierte Quartal 2020 geplant. Die Kapitalmärkte seien jetzt zwar eindeutig schwieriger geworden, aber für den Fremdfinanzierungsanteil werde die UNIQA-Kapitalstärke entsprechende Finanzierungen erlauben.

Auch für den neuen Strategieplan "UNIQA 3.0", der den von 2011 bis 2020 laufenden 2.0-Plan ablösen soll, sieht der CEO die UNIQA im wesentlichen im Zeitplan. Er gehe noch immer davon aus, dass der Plan bis Jahresende, ab der Mitte des letzten Quartals, kommuniziert werden könne, abhängig von Covid-19.

Etwas langsamer erfolgt die weitere Konzernumstrukturierung. Die UNIQA Insurance Group AG wird wegen der "anderen Prioritäten" infolge Covid-19 die geplante Übertragung der gruppeninternen Dienstleistungen und ihres Rückversicherungsgeschäfts an die UNIQA Österreich Versicherungen AG verschieben. Die UNIQA Insurance Group AG bleibt vorerst als Rückversicherer bestehen. Die Verschmelzung von UNIQA International mit UNIQA Österreich soll hingegen plangemäß stattfinden.

Quelle: APA

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