Wirtschaft

Unsicherheit bei Brexit größtes Problem für Wirtschaft

Großbritannien könnte die EU am 29. März verlassen. Was danach passiert, ist noch mehr als fraglich. "Die Unsicherheit ist das größte Problem", sagte Mariana Kühnel, stellvertretende Generalsekretärin der Wirtschaftskammer, am Mittwoch vor Journalisten. Rund 500 heimische Unternehmen sind wirtschaftlich stark mit Großbritannien verflochten, einige Tausend operieren anlassbezogen mit dem Land.

Brexit könnte Auswirkungen auf Wirtschaft haben SN/APA (AFP)/EMMANUEL DUNAND
Brexit könnte Auswirkungen auf Wirtschaft haben

Zu den österreichischen Firmen mit umsatzstarken Niederlassungen und Tochterfirmen in Großbritannien zählen Lenzing, Novomatic, Red Bull, voestalpine, Wienerberger und Zumtobel. Ebenfalls größere Standorte haben der Verpackungshersteller Alpla, der Motorenentwickler AVL, der Beschlägehersteller Blum und der Holzplattenproduzent Egger. In Summe beschäftigen österreichische Firmen rund 40.000 Mitarbeiter in Großbritannien.

Trotz aller Unsicherheit habe bis jetzt noch kein einziges österreichisches Unternehmen den Rückzug aus Großbritannien angekündigt. "Es ist zwar eine Lose-Lose-Situation, aber wirtschaftlich schaffbar", meinte Kühnel. Ein harter Brexit könnte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich um 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte dämpfen.

"Der Brexit ist ein Drama. Es wäre besser, wenn wir uns das erspart hätten", so Kühnel. Die Wirtschaftskammer startet mit heutigem Tag eine Infokampagne. Betroffene Firmen können sich unter wko.at/brexit informieren, ein persönliches Informationsgespräch vereinbaren oder an einer der österreichweit geplanten Veranstaltungen teilnehmen. "Die Uhr tickt für die Unternehmen", sagte Kühnel.

Bei den betroffenen Firmen würden derzeit Zollfragen überwiegen. Die Wirtschaftskammer erwartet 340.000 zusätzliche Zollanmeldungen und Mehrkosten für Zölle und Zolladministration in Höhe von 200 Mio. Euro. Aber auch bei der Entsendung von Mitarbeitern häuften sich Fragen. Schickt ein Unternehmen etwa für den Aufbau von Maschinen Mitarbeiter nach Großbritannien und benötigen diese länger als bis zum 29. März, sei mit Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen zu rechnen. Weitere Unsicherheiten betreffen unter anderem gewerbliche Schutzrechte, Zertifizierungen, Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Vertragsgestaltungen und Transportmöglichkeiten.

Mit dem Ende der Übergangsphase oder im Fall eines "No-Deal-Brexits" wird das Vereinigte Königreich auch den Zugang zum einheitlichen europäischen Luftraum verlieren. Die Kammer empfiehlt daher, Geschäftsreisen am 29. oder 30. März wenn möglich zu vermeiden. Flugausfälle und lange Wartezeiten sind wahrscheinlich.

Großbritannien ist für Österreich der neuntwichtigste Exportpartner. Von Jänner bis Oktober 2018 lieferten österreichische Firmen Waren im Wert von rund 3,6 Mrd. Euro in das Land. Gefragt bei den Briten sind vor allem heimische Maschinen und Fahrzeuge, darauf entfallen gut die Hälfte der Gesamtexporte.

Österreichweit legten die Exporte nach Großbritannien in den ersten zehn Monaten 2018 um rund 8 Prozent zu, zeigen Daten der Statistik Austria. Abgesehen von Maschinen und Fahrzeugen exportieren heimische Betriebe vor allem auch bearbeitete Waren, chemische Erzeugnisse und Nahrungsmittel.

Bei den Einfuhren ist Großbritannien für Österreich auf Platz 13. Von Jänner bis Oktober 2018 stiegen die Importe kräftig um 20 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro. Auch bei den Einfuhren überwiegen Maschinen und Fahrzeuge, gefolgt von chemischen Erzeugnissen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 16.09.2019 um 10:57 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/unsicherheit-bei-brexit-groesstes-problem-fuer-wirtschaft-64555231

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