Wirtschaft

Unternehmen ziehen zufriedene Bilanz über Asylanten-Jobbörse

Die von der Regierung kurzfristig initiierte Jobbörse für Asylberechtigte in Wien am vergangenen Mittwoch mit mehr als 1.600 Besuchern ist bei den 40 teilnehmenden Unternehmen auf positive Resonanz gestoßen. Viele Firmen wollen auch an weiteren Jobbörsen teilnehmen, geht aus einem APA-Rundruf hervor.

Kanzler Kurz hielt bei Eröffnung Rede SN/APA/HANS PUNZ
Kanzler Kurz hielt bei Eröffnung Rede

Mit Informationsständen waren unter anderem die AUA, Post, ÖBB, OMV, Rewe, Spar und Telekom Austria vertreten. Auch Anker, EVN, Mayerhofer, Siemens, Vamed und weitere kleinere Unternehmen waren vor Ort. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) wurden rund 2.000 Bewerbungsgespräche geführt und rund 800 Asylberechtigte in Bewerberlisten der Unternehmen aufgenommen. Ende Dezember waren rund 32.348 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte in Österreich ohne Job. Das AMS hatte rund 10 Tage Zeit für die Organisation der Asylberechtigten-Jobbörse.

Für die Austrian Airlines (AUA) war die Jobbörse eine sehr gelungene Veranstaltung. Man habe rund 300 Gespräche mit Interessenten geführt und dabei "zahlreiche sehr gut geeignete Kandidaten kennengelernt", hieß es von der AUA auf APA-Nachfrage.

Post-Sprecher Michael Homola lobte die "sehr gute Stimmung" bei der Asylberechtigen-Jobbörse. Das AMS habe im Vorfeld die Besucher der Jobbörse sehr gut ausgewählt. Auf ein interessantes Detail verwies der Sprecher: Aufgrund der neuen Datenschutzgrundverordnung habe man keine ausgedruckten Lebensläufe annehmen dürfen, sondern habe die Interessenten auf die Online-Bewerbungsseite aufmerksam gemacht.

"Es war trotz der Kurzfristigkeit eine gut organisierte und gelungene Veranstaltung", hieß es von der OMV. Der Gas- und Ölkonzern konnte rund 100 Kurzinterviews und zahlreiche Informationsgespräche führen. "Das Interesse war in jedem Fall sehr groß", so das Fazit. Die ÖBB-Mitarbeiter haben rund 150 Bewerbungsgespräche geführt. Rund 50 Personen sind in die zweite Runde gekommen und erhalten ein zweites Gespräch. Für das nächste Mal würde sich die ÖBB lediglich etwas mehr Privatsphäre für die Bewerbungsgespräche selbst wünschen. "Nachdem die Nachfrage so groß war, standen die BewerberInnen teils direkt vor den Tischen und konnten die Einzelgespräche verfolgen", so die ÖBB.

Beim Handelskonzern Rewe (u.a. Billa, Bipa, Merkur, Penny) stellten sich bei der Jobbörse rund 300 Asylberechtigte vor. Über 200 Bewerber würden auch als potenzielle Mitarbeiter in Frage kommen. "Die Bewerber waren sehr motiviert und haben großes Interesse für die angebotenen Tätigkeiten gezeigt", lautet das Fazit von Rewe. Man habe vor allem Filial- und Lagermitarbeiter für Wien und Umgebung gesucht. Lehrstellen seien bei anderen Jobbörsen vorgestellt worden.

"Die Jobbörse war eine sehr willkommene Gelegenheit, um mit hunderten Asylberechtigten konkrete Gespräche zu führen", hieß es von Spar. Die Handelskette sucht in ganz Österreich derzeit rund 500 zusätzliche Mitarbeiter vom Filialgeschäft bis zur Logistik. Nachfolgegespräche mit den Bewerbern würden in den kommenden Tagen an den direkten Arbeitsplätzen folgen. Spar lobte die Jobbörse als "sehr effiziente Veranstaltung, die wir auch in anderen Bundesländern nutzen würden".

Auch die Telekom Austria will Asylberechtigten eine Chance geben. "Als großes Technologieunternehmen sehen wir uns auch in der sozialen Verantwortung einen Beitrag beim Thema Aus- und Weiterbildung zu leisten und damit jungen Menschen eine Chance und Perspektive anzubieten", betonte der Telekomkonzern.

Auch die Wirtschaftskammer zeigte sich zufrieden mit der Veranstaltung. "Wir wissen von verschiedenen Rückmeldungen, dass die Jobbörse eine sehr positive Resonanz hervorgerufen hat. Für die Unternehmen war das ein wichtiges Signal, dass sie direkt in Kontakt mit arbeitslosen Asylberechtigten kommen", hieß es von der WKÖ. Es seien auch erste konkrete Jobs direkt vor Ort vereinbart worden. Den größten Handlungsbedarf sieht die Wirtschaftskammer bei den Deutschkenntnissen der Asylberechtigten. Außerdem gebe es Informationsbedarf über die Lehre, weil es diese Form der Berufsbildung in den Herkunftsländern nicht gebe.

Die Industriellenvereinigung (IV) verzeichnete ebenfalls "positive Resonanz" und "gutes Feedback" von den Unternehmen. Auch die IV wäre gerne bei weiteren Asylberechtigen-Jobbörsen dabei. Der Fachkräftemangel werde auch 2019 "weiter virulent" bleiben.

Quelle: APA

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