Wirtschaft

VCÖ verlangt Aus für "unsinnige Leerflüge"

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordert einen deutlich klimaverträglicheren Flugreiseverkehr und übt Kritik an den Leerflügen, die manche Airlines zum Erhalt von Flugrechten durchführen. Die unsinnigen Leerflüge, um trotz weniger Passagiere in der Pandemie Start- und Landerechte nicht zu verlieren, seien ein "Schildbürgerstreich", der beendet werden müsse, verlangte der VCÖ am Donnerstag. Die EU-Kommission solle rasch die dafür verantwortliche "Slot-Regelung" aussetzen.

VCÖ kritisiert "unsinnige Geisterflüge" SN/APA (Themenbild)/CHRISTOF STACHE
VCÖ kritisiert "unsinnige Geisterflüge"

Der deutsche AUA-Mutterkonzern Lufthansa rechnet selbst mit 18.000 "Geisterflügen" in der Wintersaison. "Ab Mitte Januar bis Februar sehen wir einen scharfen Abriss in den Buchungen. Im Winterflugplan müssen wir daher im Konzern 33.000 Flüge oder rund zehn Prozent streichen", hatte Konzernchef Carsten Spohr kurz vor Weihnachten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) gesagt.

Spohr warf der EU vor, durch die Slot-Vorgaben müsse man zu viele Flugzeuge abheben lassen: "Aufgrund der schwachen Nachfrage im Januar hätten wir sogar noch deutlich mehr Flüge reduziert. Aber wir müssen im Winter 18.000 zusätzliche, unnötige Flüge durchführen, nur um unsere Start- und Landerechte zu sichern." Dabei hat Brüssel die ursprüngliche Slot-Regel von einer Ausnutzung von mindestens 80 Prozent auf derzeit 40 Prozent abgemildert und schreibt 64 Prozent für April bis Oktober vor.

Die Billigfluglinie Ryanair hatte diesen Mittwoch noch eins draufgesetzt: Brüssel solle "falsche Behauptungen" der Lufthansa über die Notwendigkeit von leeren Geisterflügen ignorieren und Lufthansa sowie andere staatlich subventionierte Airlines zwingen, Slots freizugeben, die diese nicht nutzen wollten. Ryanair und Andere könnten diese Flüge dann zu niedrigeren Ticketpreisen anbieten.

Obwohl die Coronakrise den Flugverkehr reduziert hat, haben die An- und Abflüge in Österreich im Vorjahr gegenüber 2020 um fast 16 Prozent auf 171.500 zugenommen, wie der VCÖ am Donnerstag unter Berufung auf Daten von Eurocontrol, der europäischen Flugsicherheitsorganisation, erklärte. Jedoch waren es im Jahr 2019 noch um fast 185.000 mehr gewesen, also gut doppelt so viele wie zuletzt.

Der Monat mit den dem meisten Flugverkehr in Österreich war voriges Jahr der August mit fast 22.400 Flügen - im Februar wurde mit rund 5.500 die geringste Zahl von An- und Abflügen registriert. Die wenigsten Flüge gab es am 23. Jänner mit 83, die meisten am 17. September mit 855. Insgesamt fanden 2021 im zweiten Halbjahr mehr als doppelt so viele Flüge statt wie im ersten Halbjahr. Im zweiten Halbjahr lag der Flugverkehr nur mehr um ein Drittel unter dem Vor-Corona-Niveau.

Wegen der Klimakrise hält der VCÖ mehr Anstrengungen für nötig, um die Klimabilanz des Reiseverkehrs zu verbessern. Europa brauche mehr grenzüberschreitende Bahnverbindungen - sowohl tagsüber als auch mehr Nachtzug-Verbindungen. Zudem gehöre die Steuerbefreiung von Kerosin und Flugtickets EU-weit abgeschafft. Eine faire Besteuerung von Kerosin würde den dritten notwendigen Schritt beschleunigen, nämlich den Umstieg auf emissionsfreie Antriebe auch in der Luftfahrt.

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