Österreich

Verbund im Halbjahr mit unerwartet starkem Gewinnrückgang

Belastet von negativen Einmaleffekten musste der österreichische Verbund-Stromkonzern im ersten Halbjahr einen stärkeren Gewinnrückgang als erwartet hinnehmen, die Erlöse legten aber leicht zu. Das operative EBIT sank um 37,2 Prozent auf 190,8 Mio. Euro, und das Konzernergebnis sank um 21,6 Prozent auf 153,9 Mio. Euro.

Verbund im Halbjahr mit unerwartet starkem Gewinnrückgang SN/APA/HERBERT PFARRHOFER
Erlöse legten leicht zu, Konzernergebnis sank deutlich.

Von der APA befragte Analysten hatten im Schnitt mit 24 Prozent weniger EBIT und einem Rückgang von 16 Prozent beim Nettoergebnis gerechnet. Belastet war das Halbjahr u.a. durch Wertminderungen bei den rumänischen Windparks, dem Gas-Kombikraftwerk Mellach und den Laufwasserkraftwerken Gössendorf und Kalsdorf, während es im gleichen Vorjahreszeitraum positive Einmaleffekte gegeben hatte.

Bereinigt um Einmaleffekte wäre das Konzernergebnis um 7,9 Prozent auf 173,9 Mio. Euro gestiegen, das bereinigte EBITDA um 1,8 Prozent auf 450,2 Mio. Euro, so der Verbund am Donnerstag; tatsächlich sank das EBITDA wegen des schwierigen Energiewirtschafts-Rahmens prognosekonform um 8,0 Prozent auf die 450,2 Mio. Euro.

Fürs Gesamtjahr 2016 hatte der Verbund seine Erwartungen erst am 18. Juli angehoben - auf rund 270 Mio. Euro beim Konzernergebnis und auf rund 840 Mio. Euro beim EBITDA. Die Umsatzerlöse konnte der Verbund im Halbjahr um 3,9 Prozent auf 1,461 Mrd. Euro steigern, die Analysten hatten nur marginal höhere Erlöse erwartet.

Wegen des Strompreisverfalls muss der Verbund weiter sparen: Weitere Jobs werden bis Ende des Jahrzehnts gestrichen, Investitionen gekürzt. Es handle sich um ein Gesamtpaket zur Stärkung des Ertragskraft sowie des Free Cashflow und damit der Verschuldung, betonte der Vorstand am Donnerstag bei der Halbjahres-Pressekonferenz. 2017 wird ein weiterer Absatzpreis-Rückgang erwartet.

Bis 2020 werden weitere 175 Stellen abgebaut, hatte der Verbund bereits vor zehn Tagen anlässlich der Anhebung der Ergebnisprognose für 2016 bekanntgegeben. Rund zwei Drittel des zusätzlichen Stellenabbaus würden relativ bald 2017/18 erfolgen, so Verbund-Chef Anzengruber heute. Er betonte, dass der Stellenabbau sozialverträglich erfolge. Insgesamt fallen beim Verbund damit im Zeitraum 2013 bis 2020/21 rund 800 Stellen weg. Im ersten Halbjahr beschäftigte der Verbund 2.940 Mitarbeiter, um 5,1 Prozent weniger als im Jahr davor. Das Effizienzprogramm werde erweitert und sei eine Ergänzung zum bereits bestehenden Programm. Als Ziel gibt der Verbund ein Halten des Kostenniveaus (Personal und sonstiger betrieblicher Aufwand) von 2015 bis ins Jahr 2019 an.

Die Investitionen werden im Zeitraum 2016 bis 2019 um eine halbe Milliarde auf rund 1 Mrd. Euro gekürzt. Die Wachstumsinvestitionen werden nun mit rund 400 Mio. Euro angegeben, die Instandhaltungsinvestitionen mit rund 560 Mio. Euro.

Bei den Großhandels- und Absatzpreisen für Strom sieht der Verbund kurzfristig keine Erholung. Der durchschnittliche Absatzpreis lag 2015 noch bei 35 Euro je Megawattstunden (MWh), im ersten Halbjahr waren es 30,7 Euro/MWh. Für 2017 geht der Verbund von einem weiteren Absinken auf 28,7 Euro/MWh aus. Und auch 2018 müsse man damit rechnen, dass die Strompreise im schwierigen Umfeld weiter sinken könnten, so Finanzvorstand Peter Kollmann. Eine Veränderung des durchschnittlichen Absatzpreise um 1 Euro/MWh verändert das Verbund-Ergebnis (EBITDA/Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) um plus/minus 25 Mio. Euro. Eine Trennung der deutsch-österreichischen Strompreiszone würde laut Verbund wohl zu höheren Preisen in der kleineren Zone führen.

Quelle: APA

Aufgerufen am 14.11.2018 um 10:48 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/verbund-im-halbjahr-mit-unerwartet-starkem-gewinnrueckgang-1215181

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