Wirtschaft

Verbund: Keine Renaissance für Kohle in Österreich

Der teilstaatliche Stromkonzern Verbund will trotz der Reaktivierung des Kohlekraftwerks Mellach an seinem Kurs festhalten, Wind- und Sonnenenergie stark auszubauen. "Unsere Priorität bleibt weiterhin der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung - nur dieser Weg kann uns mittelfristig aus Abhängigkeiten und in eine erneuerbare Energiezukunft führen. Kohle wird mit uns keine Renaissance erleben", erklärte Verbund-Chef Michael Strugl am Mittwoch in einer Aussendung.

Kohle soll in Mellach nur bei einem Gasengpass eingesetzt werden SN/APA/ERWIN SCHERIAU/ERWIN SCHERIA
Kohle soll in Mellach nur bei einem Gasengpass eingesetzt werden

Die Bundesregierung hatte am Sonntag entschieden, das im März 2020 stillgelegte Kohlekraftwerk in Mellach in der Steiermark zu reaktivieren, um bei einem Gasengpass mit Kohle Strom erzeugen zu können. Auch für Strugl ist die Reaktivierung eine Notlösung und Krisenintervention, jedoch keine langfristige Option.

Kohle hat einen schlechten Ruf, denn der Brennstoff ist bei den CO2-Emissionen doppelt so klimaschädlich wie Gas. Energieexperten verweisen allerdings darauf, dass auch Gas nur auf dem Papier als der sauberer fossiler Energieträger gilt, da bei Förderung, Transport und Speicherung Methan entweicht, das in den ersten 20 Jahren mehr als 80 Mal so treibhausgaswirksam wie CO2 ist.

Der Verbund prüft gerade, welche Schritte für die Reaktivierung nötig sind. "Aus heutiger Sicht wird es herausfordernd, für die kommende Heizperiode Kohle zu bekommen", größere Kohlemengen seien am Markt derzeit schwer verfügbar, so Strugl. Probleme könnte auch die Personalsuche bereiten. "Da wir vor über zwei Jahren den Kohlebetrieb eingestellt haben, haben wir kein spezifisch ausgebildetes Personal mehr". Die technische Umrüstung und die Wartungsarbeiten seien hingegen in einem absehbaren Zeitrahmen umsetzbar, erklärte der Verbund-Chef.

Die Kosten für die Reaktivierung sollen aus dem Staatshaushalt gedeckt werden. Laut Angaben des für Energie zuständigen Klimaministeriums von Leonore Gewessler (Grüne) soll bis Mitte Juli die gesetzliche Grundlage geschaffen werden.

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