Wirtschaft

Versicherer VIG im Halbjahr mit höheren Unwetterschäden

Die Vienna Insurance Group (VIG) hat heuer im ersten Halbjahr deutlich höhere Unwetterschäden verzeichnet. Mit brutto rund 200 Mio. Euro waren sie konzernweit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum, sagte VIG-Chefin Elisabeth Stadler zur APA. Abzüglich Rückversicherung verlieb bei der VIG davon rund die Hälfte. Im ersten Halbjahr hat die VIG deutlich mehr Gewinn gemacht und die Prämieneinnahmen erhöht, wie der Versicherungskonzern heute mitteilte.

Versicherer VIG im ersten Halbjahr mit mehr Gewinn SN/APA/THEMENBILD/HELMUT FOHRINGER
Versicherer VIG im ersten Halbjahr mit mehr Gewinn

Naturkatastrophen sind grundsätzlich nicht versicherbar. Für eine flächendeckende Absicherung von Unwetterschäden müssten Rahmenbedingungen von der Politik gemeinsam mit der Versicherungswirtschaft geschaffen werden, so Stadler. Die Versicherungswirtschaft habe bereits vor Jahren Vorschläge für eine Pflichtversicherung gemacht, etwa durch ein Andocken an die Feuerversicherung. Für die Kunden müsse es eine Naturkatastrophendeckung sein, die finanzierbar und auf leistbarem Niveau sei, betonte Stadler. Wichtig sei es auch, Vorsorge und Präventionsmaßnahmen zu treffen.

Das Interesse an einer privaten Krankenversicherung sei in der Coronapandemie gestiegen, auch bei den Abschlüssen zeige sich ein leichter Trend nach oben. Die Leistungen der privaten Krankenversicherung seien in der ersten Pandemiephase rückläufig gewesen, so seien etwa Operationen verschoben worden. Nun gebe es einen Aufholprozess und eine Rückkehr zur Normalität. Die VIG hat in der Krankenversicherung im ersten Halbjahr die Prämieneinnahmen um 3,3 Prozent auf 368 Mio. Euro gesteigert.

In der Lebensversicherung gab es gegen laufende Prämienzahlung ein Plus von 1,9 Prozent auf 1,36 Mrd. Euro, bei den Einmalerlägen dagegen einen strategiekonformen Rückgang um 6,7 Prozent auf 446 Mio. Euro. Stadler sieht angesichts der niedrigen Zinsen einen Trend zu fonds- und indexgebundenen Lebensversicherungen. Auch die klassische Lebensversicherung werde im Konzern weiter angeboten.

Größtes Wachstumspotenzial für die VIG sieht Stadler weiterhin in der Region Mittel- und Osteuropa (CEE). Die größten Zuwächse erwartet sie in den nächsten Jahren in Polen. Hauptthema bei den Sparten sei in der Region die Sachversicherung, es beginne aber auch die Lebensversicherung an Interesse zu gewinnen.

Die Vienna Insurance Group strebt in ihrer neuen Strategie im 20 Länder umfassenden Kernmarkt CEE überall außer in Slowenien zumindest eine Top-3-Marktposition an. Noch nicht unter den ersten drei ist man in Polen, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bosnien und Montenegro. In den größeren Märkten wie Polen und Ungarn werde das Erreichen dieses Ziels ohne Akquisitionen etwas länger dauern, so Stadler. Für den geplanten Erwerb des CEE-Portfolios des niederländischen Versicherungskonzerns Aegon, der derzeit durch Ungarn blockiert ist, hat die VIG Ende der Vorwoche wie berichtet das grüne Licht der EU-Wettbewerbshüter erhalten. Stadler wertet dies auch als positives Zeichen für die Gespräche mit Ungarn. Die VIG sei weiterhin in konstruktiven Gesprächen mit dem ungarischen Finanzministerium.

Im ersten Halbjahr habe die VIG trotz der weltweiten Pandemie ein sehr starkes Ergebnis erzielt, betont die VIG-Chefin. Die Geschäftsentwicklung schließe an das Niveau vor der Coronapandemie an, so Stadler laut Mitteilung. Als positiven Einfluss für die stabile Entwicklung sieht Stadler das Geschäftsmodell, das allen regionalen Gruppengesellschaften die erforderliche unternehmerische Freiheit gebe, um mit lokal abgestimmten Angeboten und Lösungen erfolgreich zu sein.

Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich im ersten Halbjahr um 25 Prozent auf 251,4 Mio. Euro und enthält getroffene Vorsorgen für Covid-19 und Unwetterereignisse in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe. Der Gewinn nach Steuern und nicht beherrschenden Anteilen stieg um 47,5 Prozent auf 186,3 Mio. Euro, wie die VIG am Mittwoch mitteilte. Die Combined Ratio - Schäden und Kosten gemessen an den Einnahmen - hat sich verbessert und sank um 0,3 Prozentpunkte auf 95,2 Prozent.

Das Prämienvolumen wuchs um 3,5 Prozent auf 5,77 Mrd. Euro. Ein starkes Plus verzeichnete vor allem die sonstige Sachversicherung mit einem Zuwachs um 5,7 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro. In der Kfz-Versicherung stiegen die Einnahmen in der Kasko um 7,3 Prozent auf 709 Mio. Euro, in der Haftpflicht um 3,7 Prozent auf 810 Mio. Euro. Insgesamt stiegen die Prämien am stärksten in den Segmenten Tschechische Republik, Polen, Rumänien und Ungarn. Die Aufwendungen für Versicherungsfälle abzüglich der Anteile der Rückversicherung lagen insgesamt mit 3,6 Mrd. Euro um 0,9 Prozent über dem Wert der Vorjahresperiode.

Die Prognose für das Gesamtjahr wurde bekräftigt. Neben der weiter anhaltenden Coronapandemie und der hohen Unsicherheit über die Entwicklung und Auswirkungen der Delta-Variante könnten weitere Naturkatastrophen den Verlauf des zweiten Halbjahres 2021 beeinflussen. "Wir sind trotzdem und auf Grund unserer umsichtigen Reservierungspolitik zuversichtlich, unsere angestrebten Ziele für 2021 zu erreichen", so Stadler. "Wir bestätigen somit unseren Ausblick, ein Prämienvolumen von rund 10,4 Mrd. Euro und einen Gewinn vor Steuern in der Bandbreite von 450 Mio. Euro bis 500 Mio. Euro zu erreichen. Die Combined Ratio soll bei rund 95 Prozent liegen."

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