Österreich

vida-Chef sieht Mindestlohn von 1500 Euro brutto kritisch

Für den Chef der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida, Roman Hebenstreit, ist der von der Regierung anvisierte kollektivvertragliche Mindestlohn von 1.500 Euro brutto nur der erste Schritt zu den gewerkschaftlich geforderten 1.700 Euro brutto. Von 1.500 Euro brutto blieben im Schnitt 1.200 Euro netto übrig, dies sei nur unwesentlich über der Armutsschwelle, sagte er dem "Kurier".

Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit.  SN/APA/NEUMAYR/SB
Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit.

Die Armutsgefährdungsschwelle betrug laut Statistik Austria im Jahr 2015 insgesamt 13.956 Euro für einen Einpersonenhaushalt, das sind 1.163 Euro pro Monat (12 Mal). Für Hotellerie und Gastgewerbe, wo 100.000 der 220.000 Beschäftigten weniger als 1.500 Euro brutto verdienen, haben sich die Sozialpartner ab 2018 auf einen österreichweiten KV-Mindestlohn von über 1.500 Euro brutto geeinigt. "Unser Verständnis vom Mindestlohn ist, dass ich mit einer 38- oder 40-Stunden-Woche so viel verdiene, dass ich auch würdig davon leben kann", so der Spitzengewerkschafter. Noch nicht so weit sei man bei rund 14.000 Friseurinnen und Friseuren oder bei 35.000 von insgesamt 40.000 Reinigungskräften. Der KV-Mindestlohn für Taxi- und Mietwagenfahrer und Mitarbeiter in der Binnenschifffahrt liegt derzeit noch unter 1.300 Euro.

Die ebenfalls von der Regierung im überarbeiteten Regierungsprogramm anvisierte Arbeitszeitflexibilisierung ist für den vida-Vorsitzenden eine Scheindebatte. "In den mehr als 900 Kollektivverträgen gibt es schon sehr viel Flexibilität, da gibt es nichts, was es darin nicht gibt", sagt Hebenstreit den "Salzburger Nachrichten". Wenn Arbeitgeber über Flexibilisierung sprechen würden, meine man in Wahrheit etwas anderes, "nämlich Arbeit auf Abruf und dass man Überstunden nicht mehr zahlen will, also Lohnraub".

Die Bundesregierung hat den Sozialpartnern für eine Einigung auf 1.500 Euro KV-Mindestlohn und Arbeitszeitflexibilisierung eine Frist bis Ende Juni gesetzt. Wenn bis dahin kein Verhandlungsergebnis steht, will die Regierung selbst aktiv werden.

Quelle: APA

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