Wirtschaft

"In der EU ist der Drahtwurm drin": Verärgerte Erdäpfel-Bauern protestierten am Wiener Heldenplatz

Die heimischen Erdäpfel-Bauern sehen ihre Existenz bedroht - durch die strengeren Vorgaben beim Einsatz von Spritzmitteln und den Klimawandel. Deshalb sind sie am Donnerstag am Wiener Heldenplatz mit Traktoren vorgefahren. Schon im Mai sollen die letzten österreichischen Kartoffeln aus den Regalen verschwinden, warnen sie.

Robust und gefräßig: Drahtwürmer, die Larven der Schnellkäfer, machen den Bauern das Leben schwer. Auf dem Speiseplan der Würmer stehen nämlich Kartoffeln. Und weil den Tieren besonders schwer beizukommen ist, braucht es den Einsatz von chemischen Mitteln. Das erklärt Anita Kamptner, Geschäftsführerin der IG Erdäpfelbau.

Nein, der Drahtwurm sei nichts Neues und auch nicht von irgendwoher eingeschleppt. Doch in den vergangenen zehn Jahren sei er zum Problem geworden, in jüngster Vergangenheit sogar massiv. Er vermehre sich zu stark.

Seine Spuren ziehen sich durch die Erdäpfel. Er hinterlässt sie angefressen oder verdorben. Konsequenz: 130.000 Tonnen mussten aussortiert werden. Schaden: 40 Millionen Euro.

Protest in Wien mit "den Letzten ihrer Art"

Von der EU erhoffe man sich Fairness, wie Anita Kamptner im SN-Gespräch betonte. Denn: Die gegen den Drahtwurm wirksamen Mittel würden in die Erde eingebracht. Kritik, dass sie Bienen schaden könnten, konntert Kamptner: "Normalerweise kommt nichts ans Tageslicht und richtet auch keinen Schaden mehr an. Wenn wir ernten, sind auch keine Spuren mehr messbar."

Die Bauern verliehen ihrem Protest am Wiener Heldenplatz Ausdruck. SN/michaela hessenberger
Die Bauern verliehen ihrem Protest am Wiener Heldenplatz Ausdruck.

Kartoffeln aus dem Süden müssen geprüft werden

Dass jedoch bald ausländische Ware verstärkt in den Verkauf kommen wird, ärgert sie. Denn: "Die Standards anderswo, außerhalb der EU, sind ja weit nicht so hoch wie bei uns." Als nächsten Schritt werde man die Erdäpfel aus Ägypten und Israel genau untersuchen lassen, um herauszufinden, ob Schadstoffe in ihnen stecken.

Ob es gegen den Drahtwurm nicht auch einen biologischen Feind gebe? Kemptner nickt. Sie berichtet von einem Pilz, der sich unter der Erde ausbreitet und die Würmer befällt. Doch der Pilz braucht Feuchtigkeit. "Und die haben wir kaum", betont sie mit Blick auf den Klimawandel und die heißen Sommer ohne nennenswerte Niederschläge.

Aufgerufen am 16.10.2019 um 01:43 auf https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/video-in-der-eu-ist-der-drahtwurm-drin-veraergerte-erdaepfel-bauern-protestierten-am-wiener-heldenplatz-69310198

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