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Diskussion: Welche Rezepte gibt es gegen die Personalnot?

Wird man abends bald nicht mehr essen gehen können, weil das Personal dafür fehlt? Oder gibt es Rezepte, die Gastronomie und Hotellerie als Arbeitgeber wieder attraktiv machen könnten? Hoteldirektor Manuel Uguet und Gastronom und Hotelbetreiber Andreas Felleis diskutierten mit Redakteurin Stefanie Schenker.

Mit welchen Rezepten finden Lokal- und Hotelbetreiber doch noch Personal? Und wird das Essengehen jetzt teurer? Haben Lokale künftig nur noch von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr geöffnet? "Die Branche wird sich stark differenzieren", sagt Gastronom und Hotelbetreiber Andreas Felleis. Es werde Restaurants zum Gut-Essen-Gehen geben, die auch teurer sein würden. Am Wochenende werde Essengehen möglicherweise noch einmal teurer werden, "weil man den Mitarbeitern mehr zahlen möchte oder muss", erklärt der Unternehmer. Und daneben werde es eine "mehr oder weniger Fast-Food-Ecke" geben für kleinere Imbisse. Manuel Uguet, der Direktor des Hotels Brunauer, sieht auch Chancen für die Branche, sich als fairer Arbeitgeber zu positionieren. Es werde immer auch Mitarbeiter geben, die Lust hätten, auch am Wochenende zu arbeiten.

Das Image als schlechter Arbeitgeber trügen die Gastronomie und Hotellerie zu Unrecht - darin sind sich Felleis und Uguet einig. Denn an den Arbeitsbedingungen oder den Arbeitszeiten könne es nicht liegen. Seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten gebe es - abgesehen von wenigen schwarzen Schafen - "absolut geregelte Arbeitszeiten mit einer Fünf-Tage-Woche, Überstunden werden ausbezahlt oder abgegolten", wie Felleis schildert. "Das Hauptproblem ist: Wir werden oft schlechtgejammert." Etwa von der AK, deren verallgemeinernde Kritik so oft nicht stimme, sagt Felleis. Uguet wiederum findet es gut, dass Missstände von der AK auch benannt werden, denn ansonsten würde der Ruf der ganzen Branche leiden. Aber auch er sagt: "Der Großteil der Betriebe ist wahnsinnig toll und bietet viel."

Es sind ganz unterschiedliche Wege, mit denen Manuel Uguet und Andreas Felleis neue Mitarbeiter rekrutieren: Während Uguet das Hotel Brunauer samt dazugehörender Gastronomie seit drei Wochen nach dem Modell einer Vier-Tage-Woche führt, hat Felleis acht großteils ungelernte Kräfte in Spanien rekrutiert. Trotz erheblichen finanziellen Aufwands - die jungen Spanier wurden wohnversorgt, erhielten Intensiv-Deutschunterricht und kamen erst nach und nach in den Arbeitsalltag - will Felleis die Aktion wiederholen und nochmals neue Kräfte in Spanien anwerben. Nach vier Monaten sind noch acht von anfangs neun Spaniern da - einen hatte das Heimweh gepackt. "Das ist eine gute Quote. Das würden wir uns bei heimischen Arbeitskräften oft auch wünschen", sagt Felleis. Insgesamt beschäftigen er und sein Geschäftspartner Patrick Knittelfelder rund 150 Mitarbeiter in vier Hotels und fünf Gastronomiebetrieben.

Ein positives Resümee zog unterdessen Manuel Uguet über die Vier-Tage-Woche im Hotel Brunauer. Dort arbeiten die Mitarbeiter bei vollem Lohnbezug und Urlaubsanspruch nun nur noch 36 Wochenstunden - jeweils neun Stunden pro Tag. Die Mitarbeiter seien dadurch nicht nur entspannter, sondern auch konzentrierter bei der Arbeit. Und: Die Anzahl der Bewerbungen für einen Job im Hotel Brunauer sei seither "massiv gestiegen".

Dass es mit dem Eigentümer Arbeiterkammer im Rücken leichter sei, eine Vier-Tage-Woche einzuführen, als für andere, rein privatwirtschaftlich orientierte Betriebe, will Uguet nicht gelten lassen: "Die AK befindet sich in öffentlicher Hand, da wird ganz genau geschaut, wie wir das Geld ausgeben", betont er. Zudem müsse das Hotel eigenständig wirtschaften.

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