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Elisabeth Köstinger sieht "Renaissance der Sommerfrische"

Die Tourismusministerin freut sich über eine beste August-Bilanz und erklärt im Interview mit Chefredakteur Manfred Perterer bereits jetzt, wie wir im Winter zu Skiliftkarten kommen.

Gemeinsam mit der gesamten Branche schaut Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger auf eine gute Sommersaison, vor allem aber freut sie sich über den August. Von den Nächtigungszahlen her sei "er der beste August aller Zeiten" gewesen. Der Rekordwert von 2019 konnte um 2,3 Prozent überboten werden, der Pandemie-August 2020 wurde um 14,8 Prozent übertroffen.

Köstinger führt den Erfolg auf "eine Renaissance der Sommerfrische" zurück. Vor allem Berge, Seen, Naturlandschaft und Kulinarik seien sehr beliebt. Deutsche Gäste und Einheimische hätten für volle Betten gesorgt. "Vor allem die Österreicherinnen und Österreicher haben sich wieder ins eigene Land verliebt", sagte Köstinger im SN-Gespräch. Nach wie vor zu leiden habe der Städtetourismus. Salzburg sei durch die Festspiele aber mit einem leichten Minus davongekommen. Insgesamt habe das Land Salzburg ein Plus von 6,3 Prozent verzeichnet.

Für den kommenden Winter sei Österreich gut aufgestellt. Man habe in der Gastronomie und Hotellerie bereits früh auf die 3-G-Regel gesetzt. An den Seilbahnen und Liften werde diese Regel in Zukunft nur ein Mal kontrolliert werden, und zwar beim Kauf der Liftkarte. "Spätere Zugangskontrollen sind nicht mehr geplant." Es soll zu keinen Kapazitätsengpässen wie im vergangenen Winter kommen.

Zum Sorgenkind könnte sich das beliebte Après-Ski entwickeln. Köstinger definiert diese Form des Feierns als "Nachtgastronomie bei Tag". Den Gemeinden werden spezielle Sperrstundenregelungen erlaubt sein. Zudem werde analog der Nachtgastronomie auch die 2-G-Regel zur Anwendung kommen. Von einer generellen 2-G-Regelung für den Wintertourismus "rate ich vehement ab", sagte Köstinger. Die Pandemie geschehe in Wellen, derzeit sinken die Zahlen wieder. "Wir müssen irgendwann einmal pragmatisch mit der ganzen Pandemie umgehen."

Den Wunsch der Gastronomie und Hotellerie nach einer Verlängerung des günstigen Mehrwertsteuersatzes von fünf Prozent über den 31. Dezember hinaus verstehe und unterstütze sie. Diese Hilfe müsse aber von der EU genehmigt werden. Es gebe derzeit Gespräche mit der EU.

Der Arbeitskräftemangel in der Tourismusbranche sei kein österreichisches Phänomen. In der Pandemie hätten sich viele Mitarbeiter in andere Branchen verabschiedet. Jetzt gehe es darum, vor allem Arbeitssuchende in die Tourismusbetriebe zu vermitteln. Irgendwann stoße der Sozialstaat an seine Grenzen, wenn Arbeitslose nicht bereit seien, einen Job anzunehmen. Deshalb bereite der Arbeitsminister Maßnahmen vor. "Wir müssen hier die Zügel anziehen." Arbeitslose in die Betriebe zu bekommen sei der erste Schritt. Erst dann könne über mehr Arbeitsgenehmigungen für Mitarbeiter aus Ländern außerhalb der EU nachgedacht werden.

Zu der von ihr eröffneten Debatte über den Handel sagte Köstinger, sie habe die "komplette Schieflage" aufzeigen müssen. Das Land brauche die Bauern für die Versorgung und auch für den Tourismus. Der Handel müsse sich für Gespräche mit der Landwirtschaft an einen Tisch setzen und auch bereit sein, "ein paar Cent mehr zu bezahlen".

Köstinger zitierte eine Studie der Landwirtschaftskammer, wonach den Erzeugern von Lebensmitteln nur 17 Prozent der Wertschöpfung blieben. Das müsse sich ändern.

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